Karl Hagemeister ist ein hauptsächlich in Berlin-Brandenburg präsenter und bekannter Vertreter des Impressionismus, der stark von der Schule von Barbizon beeinflusst war. Geboren 1848, erhielt er schon früh eine solide zeichnerische und malerische Ausbildung, unter anderem bei Friedrich Preller, der ein früher Vertreter der (klassizistischen) Plain Air Malerei war. Zusammen mit dem ungleich berühmteren Carl Schuch reiste Hagemeister durch Deutschland und Frankreich, wo die entscheidenden Begegnungen mit Meistern wie Corot, Daubigny oder Delacroix stattfanden. Hier entwickelte Hagemeister seinen eigenen, stark abstrakten Stil, der im wahren Sinn „impressionistisch“ war, indem er die Lichtstimmung über die realistische Darstellung setzte. 1898 wird Hagemeister Mitbegründer der Berliner Secession.Eine über zwei Jahre und drei Museen konzipierte Sonderausstellung, möchte Hagemeister aus seinem Platz in der zweiten Reihe hervorholen und ihn als einen bedeutenden Vertreter des deutschen Impressionismus präsentieren, der in einigen Werken durchaus mit Kollegen wie Max Liebermann ebenbürtig ist.Der begleitende Katalog versammelt die 88 gezeigten Arbeiten, die hauptsächlich aus Berliner und Potsdamer Museen stammen, aber auch aus Privatsammlungen, sowie ergänzendes Material aus Hagemeisters Nachlass, wie Skizzen und Fotografien. Hagemeister malte zwar hauptsächlich nach der Natur, bei Wind und Wetter, in Schnee und Sommerhitze, nutzte aber auch die technischen Möglichkeiten der Fotografie, um Hell-dunkel-Kontraste zu erinnern und Bildkompositionen auszuprobieren. „Photographische Skizzen“, nennen es die Autoren im Katalog, die im Übrigen einen eigenen künstlerischen Wert besitzen und erstaunlich modern wirken. In seinen Notizbüchern versuchte Hagemeister, sein malerisches Konzept auch in Worte zu fassen, jedoch waren dies vor allem Versuche der Selbstfindung, nicht gedacht zur Publikation.Von großer Bedeutung ist Hagemeisters Naturverbundenheit, die entsprechend umfangreich im Katalog behandelt wird. Anders als seine Malerkollegen lebte Hagemeister nicht in der Stadt, sondern wirklich in der Natur, die er malte. 1880, also mit gerade einmal 32 Jahren, zog er sich in an den abgelegenen Schwielowsee zurück, ganz ähnlich wie die Maler von Barbizon, und ernährte sich von der Jagd und Fischerei. Die Empfindung der Natur betrachtete er als wesentlich, um sie darzustellen. So malte er fast ausschließlich im Freien, selbst auf ein eigenes Atelier verzichtend. Das „leistete“ er sich erst später, als sich der Erfolg einstellte, jedoch war dieser nur kurz. Sein Vermögen verliert Hagemeister in der Nachkriegsinflation, ab 1916 kann er, vermutlich wegen einer Bleivergiftung, nicht mehr malen. Danach wird er schnell vergessen.Hagemeisters Bilder wirken einerseits vertraut, in ihrer Spontaneität und Abstraktion gehen sie aber oft über das hinaus, was sich seine Zeitgenossen malerisch trauten. Das zeigen besonders auch die Detailaufnahmen, die in einem Beitrag über Hagemeisters Maltechnik gezeigt werden. In diesen Vergrößerungen erkennt man seine Meisterschaft vielleicht am besten: Hier sitzt jeder Strich mit einer Sicherheit, die Bewunderung verdient. Vielleicht hilft die Ausstellung und der hervorragend ausgestattete Katalog, diese Bewunderung auch über Berlin hinaus zu tragen.