Wovon leben Selbsthilfegruppen? Was macht die psychiatrische Selbsthilfe aus? Es ist der ermutigende und erfrischende Geist, der die Gruppen zu einem Rastplatz, zu einer Kraftquelle für Menschen macht, die von einer seelischen Erkrankung oder den Auswirkungen einer psychischen Erkrankung betroffen sind.Janine Berg-Peer sorgt mit dem Buch "Moderation von Selbsthilfegruppen" für den belebenden Geist, den vor allem Angehörige psychisch erkrankter Menschen nötig haben. Sie sorgt dort für Selbstbewusstsein, wo ursprünglich Niedergeschlagenheit erwartet wird. Das Buch lebt von den vielen persönlichen und vor allem reflektierten Erfahrungen der Berliner Autorin."In einer Selbsthilfegruppe sollte alles angesprochen werden dürfen, was die Teilnehmenden bewegt", schreibt Berg-Peer. Dies meint sie wahrhaftig ernst, wenn sie unmittelbar das Thema Suizid anspricht. Sie bringt es auf den Punkt, wenn sie schreibt, es helfe vielen, "über verbotene Gefühle oder Gedanken sprechen zu können" (S.90). In einer Selbsthilfegruppe habe jeder Gedanke Platz. Aus der allgemeinen Ansprache kommen konkrete Gedanken, über die sich Angehörige psychisch erkrankter Menschen unbedingt Gedanken machen müssen: "Ein Suizid kann ein Akt der Selbstbestimmung sein, den wir akzeptieren müssen. Wir können der erkrankten Person helfen, den Suizid nicht als einzigen Ausweg zu sehen, doch letztlich entscheidet jeder über selbst über sein Leben." (S.91)Was dem Buch gut tut, ist die persönliche Perspektive von Janine Berg-Peer. Sie hat ja nicht nur bereits zwei Bücher über das Miterleben der psychischen Erkrankung einer inzwischen erwachsenen Tochter geschrieben. Mit dem Wir-Ton des neuen Buchs nimmt sie den Leser mit auf den eigenen Weg oder begleitet den anderen Weg.Sie beantwortet nicht nur die Frage, was Selbsthilfegruppen leisten. Sie erläutert Grundlagen, wie eine Moderation in Selbsthilfegruppen gestaltet werden sollte. Berg-Peer erklärt, wie eine Gruppe gestaltet werden kann. Sie betont, dass innere Haltungen notwendig sind, um eine Gruppe zu führen. So macht es große Freude, ihren Erläuterungen zur "wertschätzenden Kommunikation" nachzufolgen. Ohne jede Besserwisserei erfahren die Leser mehr über die gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg."Es ist wichtig, dass sich jeder traut, seine Gefühle und Meinungen anzusprechen", betont sie in dem Zusammenhang, in dem sie das Miteinander umgehen thematisiert. Wer lerne, unterschiedliche Auffassungen respektvoll zu diskutieren, der erlebe auch einen Lerneffekt für den Alltag, glaubt Berg-Peer. Es lohnt sich, diesen Gedanken zu Ende zu denken. Denn ein Angehöriger eines psychisch erkrankten Menschen hat die Möglichkeit, auch gegenüber einem betroffenen Menschen eine größere Akzeptanz zu entwickeln.Das Buch "Moderation von Selbsthilfegruppen" füllt eine Lücke aus, mit der insbesondere Angehörige psychisch erkrankter Menschen in der Vergangenheit konfrontiert waren. Es ist ein niedrigschwelliges Angebot für Betroffene und Angehörige, den Weg aus dem Jammertal zu gehen.
Selbsthilfegruppen sind ein unverzichtbarer Teil in der Auseinandersetzung mit Erkrankungen und problematischen Lebenssituationen. Der Autorin ist es gelungen einen Leitfaden zu verfassen der mit kurzen, prägnanten Erklärungen die Thematik verständlich darstellt. Sie gibt Anleitungen zu Aufbau, Finanzierung, Öffentlichkeitsarbeit und natürlich der Moderation einer Selbsthilfegruppe. Ebenso wird der Umgang mit Problemsituationen und heiklen Themen wie Suizid vertieft. Die Sprache ist gut verständlich und das Werk leicht lesbar. Der Autorin gelingt es meiner Ansicht nach, vorhandene Hemmschwellen und Ängste vor einer Moderation abzubauen. Es ist ebenso geeignet um die eigene Moderationstätigkeit zu überprüfen. Ihre Anleitungen für die Moderation sind gut in die praktische Tätigkeit übertragbar. Und lassen zugleich den nötigen Spielraum, um einen eigenen Moderationsstil zu entwickeln. Die zugehörigen Downloadmaterialien erleichtern die Vorbereitung einer Gruppe.