Die christlichen Kirchen in Deutschland schrumpfen. Dabei waren sie noch vor hundert Jahren sehr einflussreich. Insbesondere die evangelische Kirche bzw. die evangelischen Kirchen waren Wegbereiter und dann aktive Stütze des NS-Regimes.Einzelne Ausnahmen wie der Mannheimer Pfarrer Erwin Eckert (1893-1972), dem das Buch seine Aufmerksamkeit widmet, die etwa aus sozialistischer oder gar kommunistischer Prägung antifaschistischen Widerstand leisteten, waren selten und hatten einen schweren Stand in ihrer Kirche. Das wird detailliert im Buch dargelegt. Rehabilitiert ist der unehrenhaft entlassene Erwin Eckert bis heute nicht.Sehr interessant erscheinen mir die Dokumente im Anhang des Buches, die zeigen, wie gewunden und schwülstig man sich nach 1945 wenigstens teilweise, wenigstens verbal von der tiefbraunen Tradition lösen wollte.Denkbar ist, dass sich die großen christlichen Kirchen in Deutschland wegen der sexuellen Missbräuche namentlich in der katholischen Zölibatskirche und mangels Mitgliedern in einigen Jahren auflösen werden. Das Vermögen dieser Kirchen, immer wieder aus staatlichen Mitteln gespeist, ließe sich für soziale Zwecke und eine echte historische Aufarbeitung trefflich verwenden.In diesem Rahmen könnte auch Pfarrer Eckert spät noch Gerechtigkeit widerfahren. Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. Der Autor Martin Balzer hätte damit ein Lebensziel erreicht.----‐--- Richard Sorg schreibt:Es ist ein großartiger Text, weil er am sog. „Einzelfall Eckert“ wichtige Aspekte der Realität der deutschen Geschichte allgemein und auch zentrale Aspekte der BRD-Geschichte vorführt, aufgehängt zunächst an der Erinnerung an die bis heute ausstehende angemessene Aufarbeitung der Berufsverbotspolitik in der BRD. Es ist eindrucksvoll, wie am ‚Fall‘ Eckert der mehrheitlich reaktionäre, antidemokratische Charakter des deutschen Protestantismus bis in die Zeit des NS hinein deutlich wird. Zugleich aber wird deutlich, wie unvollständig der vermeintliche Bruch mit der reaktionären Traditionslinie auch nach 1945 sich darstellte, wenn man genauer hinsah, wie z.B. die zitierten Wissenschaftler Abendroth oder Ridder, immerhin aber auch Leute wie der Historiker Fritz Fischer. Das entscheidende Flussbett, in dem sich der reaktionäre politisch-ideologische Strom auch nach 1945 weiter ergießen konnte, war der Antikommunismus. Da der Kampf gegen alle Formen von Kommunismus ja das Hauptgeschäft der Faschisten war (und ist), konnten diese nach 1945 im Kalten Krieg (der momentan in verwandelter Gestalt eine Neuauflage erlebt) vielfach dort weitermachen, wo sie auch schon vor 1945 aktiv waren, – subtrahiert man den Antisemitismus, der dann aber in eine Art Philosemitismus umgewandelt wurde, nun in Gestalt einer nahezu bedingungslosen Tolerierung der immer reaktionäreren Politik des Staates Israel. Der Text präsentiert ein zentrales Beispiel, wie sich an einem einzelnen historischen Fall wie in einem Brennglas die allgemeine Geschichte, hier Deutschlands, spiegelt.