Rezension zu: Omraam Mikhaël Aïvanhov "Eine Zukunft für die Jugend", 1. Auflage, Prosveta Verlag, Rottweil 1996.In seinen aufgezeichneten und hier zusammengestellten Vorträgen über das Thema "Jugend", beschreibt der Pädagoge Aivanhov (1900-1986) einen neuen Weg für die westlichen Menschen, insbesondere für junge Leute. Anstatt die Jugend zu kritisieren, gewährt er einen Einblick in die Seele junger Menschen, erklärt, weshalb viele Jugendliche die Achtung vor den älteren Mitgliedern ihrer Gesellschaft verloren haben. Er lässt durchscheinen, dass für diese Entwicklung auch die "kraftlosen" Erwachsenen verantwortlich sind, zeigt aber nicht mit dem Finger auf sie, sondern bietet der Jugend Methoden an, alles, was ihnen in der Welt, von den Medien, von den Lehrern und bis zur Politik, angeboten wird, darauf zu untersuchen, welche Eigenschaften und Qualitäten Angebot X oder Y in der eigenen Seele kultivieren will. (Die "Jugend" ist das Hauptthema des Buches, schließt die Erwachsenenwelt aber nicht aus, im Gegenteil. Auch dort setzt Aivanhov an und erklärt Prozesse, um falsche Bahnen zu korrigieren.) Aivanhov ging es nicht darum, der Jugend irgend ein Wertesystem aufzuzwingen, sie mit Weisheiten auf den von der Gesellschaft proklamierten "richtigen Weg" zu bringen oder etwas freundlicher zu den Erwachsenen zu stimmen.Wäre dem so, hätte ich, damals selbst ein Jugendlicher, die Lektüre des Buches abgebrochen und es in die Tonne geworfen. Aivanhov ging es um etwas anderes: Er bezweckte die Erziehung der Jugend zu mündigen Bürgern, um sie in die Lage zu versetzen, sich schützen und Verführer jeglicher Art anhand ihrer Angebote erkennen und abwehren zu können. Aivanhov ging es dabei mehr oder weniger um die Erneuerung der Kultur, weg von Drogen- und Alkoholexzessen, die einen genauso leer zurücklassen, wie davor, weg von der falschen, weil irrealen, Vorstellung vom idealen Leben, hin zu mehr Akzeptanz, Besserung und Gelassenheit.Er spricht sich für den Erhalt der Familie ein (S. 190), setzt sich aber gleichzeitig für eine Erweiterung dieses Begriffs ein. Nämlich, dass alle Menschen Brüder und Schwestern sind, und sich deshalb weder unglücklich noch verlassen fühlen müssen (S. 191). Jeder Mensch, so Aivanhov, kann mit Hilfe seiner "Gedanken, Gefühle und Wünsche" "das Paradies" in sich schaffen. Er beschränkt sich aber nicht auf die Erschaffung und Erhaltung des innern Glücks, sondern widmet sich auch dem "Sinn für das Heilige", ermahnt, dass Studium allein, dem Leben keinen Sinn gibt, erklärt, weshalb man seiner Ansicht nach in diese oder jene Familie hinein geboren wurde, zählt die Vorzüge der Liebe auf, ermuntert, nie aufzugeben und bespricht auch die Thematik "Sexuelle Freiheit", wo er eine sehr klare Position vertritt: "keiner hat das Recht zwei Menschen zu trennen, die sich lieben".Er moralisiert nicht, dafür argumentiert er aber; seine Logik ist eine ganzheitliche, die den Menschen als Ganzes begreift, deshalb auch seine geistigen Bedürfnisse berücksichtigt.Dieses Buch ist eine Wohltat und zeugt vom Bemühen Aivanhovs, allen Menschen zu helfen, sich zu bessern, ihr Leid zu mildern und glücklich zu werden. Wir sollten nicht so sehr an äußerlichen Dingen festhalten, diese seien doch vergänglich, sondern uns an dem festhalten, das stark ist und uns hochzieht.Mir hat das Buch weitergeholfen und ich danke den Verlag für die Zusammenstellung der Vorträge und für die Veröffentlichung dieses Buches. Ich empfehle es wärmstens allen Menschen weiter, die sich in einer Sackgasse befinden und nicht weiter wissen. Aivanhovs Ansichten und Einsichten zeugen von einer hohen geistigen Qualität, von der wir alle, unabhängig vom Weg, dem wir folgen, profitieren können.