Freudenberg
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EAN 9783942375658

Freudenberg

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Produktfakten auf einen Blick

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Produktbeschreibung

Freudenberg | Carl-Christian Elze | Buch | 176 S. | Deutsch | 2022 | Edition Azur

Bewertungen & Erfahrungen

4,3 von 5,0
4 Bewertungen
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Verteilung basiert auf 4 vorliegenden Einzelbewertungen.

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Redaktion 14.07.2026 testmonster.de · Redaktion
Gut
Mikka Liest 01.10.2023 amazon.de
Beim ‘Großen Longlist-Abend’ im Literaturhaus Hamburg stellten für den Deutschen Buchpreis 2022 nominierte Autor:innen sich und ihre Werke vor. Darunter war auch Carl-Christian Elze mit seinem klugen, tragischen, ganz und gar außergewöhnlichen Roman “Freudenberg”.Er werde selber nicht so recht schlau aus seinem wortkargen Helden, der sich so fremd in seinem Leben fühlt, so machtlos und gefangen in den Routinen seines Vaters. »Wer ist dieser Freudenberg eigentlich?«, habe er sich gefragt, und entdecke das ein Stück weit in den Gesprächen, die er mit Interessierten über seinen Roman führt. Im Nachhinein habe er das Gefühl, der Roman sei eine Höllenmaschine, durch die Freudenberg durchmüsse. Bedrückend, seltsam, kaum fassbar – mit einem Ende, das auch für ihn als Autor so wenig in Stein gefasst sei wie für seine Leser:innen.Eine Höllenmaschine?Ja, das trifft es sehr gut, das gibt dem Gefühl, das ich beim Lesen hatte, einen Namen. Die Erzählung ist so kraftvoll, so verstörend; du kannst dich ihr so wenig entziehen wie einem Albtraum, der dich im Zustand der Schlafparalyse überkommt. Freudenbergs Gedankenbilder machen aus vertrauten Elementen des Alltags etwas Morbides, düster Bedrohliches. Die Geschichte zerfasert sich in verschiedene Ebenen, die geradezu wirken wie aus verschiedenen Parallelwelten gegriffen. Das ist sprachlich meines Erachtens unglaublich stark.Die Realität ist hier ein zerbrechliches Gefüge, was nichts Befreiendes an sich hat, keinen erlösenden Moment der Katharsis. Aber wer hat die Deutungshoheit, um das mit Sicherheit zu sagen? Sicher nicht ich, und auch der Autor scheint sie nicht für sich zu beanspruchen.Das klingt schrecklich, und es ist in der Tat ein herzzerreißendes, schmerzliches Leseerlebnis – indes keines, das ich missen möchte.Aber warum? Nachdem ich auf Instagram erwähnte, dass ich von “Freudenberg” sehr angetan war, fragte mich Marc vom Blog “Lesen macht glücklich”: »Was hat dir an Freudenberg so gefallen?« Und da musste ich erstmal in mich gehen.Hier meine Antwort:Ich glaube, es war vor allem dieses Schwebende – was ist Realität, was Traum, was sind nur Erinnerungen oder Gedankenexperimente. Der Erzähler ist unzuverlässig, im Endeffekt löst sich die Geschichte meines Erachtens dadurch von einer schlichten Abfolge von Geschehnissen. Die Themen fand ich umso eindringlicher. Diese Haltlosigkeit von Freudenberg in einem Leben ohne echte Ziele, dieser Überdruss, diese Verachtung der Lebensmodelle seiner Eltern, ohne Entwurf einer Alternative. Was gibt den Menschen noch Sinn in einer übersättigten Welt? Aber am eindringlichsten fand ich, wie Freudenberg nach und nach zerbricht an einer Schuld, die er sich erst ganz am Schluss eingesteht. Er hat den Jungen nicht getötet, aber dessen Leiche für seine eigenen selbstsüchtigen Zwecke benutzt – dabei gar nicht in Betracht gezogen, wie das andere Menschen emotional verletzen muss. Auch hier wieder der Gedanke, dass Freudenberg das Resultat einer übersättigten Welt ist, einer egoistischen Welt, in der Gemeinschaft verloren geht und die Menschen sich selber immer mehr reduzieren auf das ICH, ICH, ICH.Aber vor allem ist “Freudenberg” ein Roman, der Kafka gefallen hätte. Dies ist in der Tat ein Buch, das auf uns wirkt ‘wie ein Unglück, das uns sehr schmerzt, wie der Tod eines, den wir lieber hatten als uns, wie wenn wir in Wälder vorstoßen würden, von allen Menschen weg, wie ein Selbstmord‘. Kurz gesagt: “Freudenberg” kann die vielzitierte ‘Axt sein für das gefrorene Meer in uns‘.Hier verschwinden Grenzen, hier verschwimmen Wahrnehmungen und Erinnerungen. Erwartungen werden auf die Spitze getrieben und dann gebrochen. Dabei ist Freudenberg ein hochintelligenter Junge mit einem scharfen Blick auf die Welt um ihn herum. Aber das hilft ihm nicht, es ändert nichts an seiner schrecklichen Haltlosigkeit.Ich hätte heulen können ob der schmerzvollen Unausweichlichkeiten seiner Heldenreise; ich haderte mit dem Schluss, den ich mehrfach für mich uminterpretierte. Der Charakter Freudenberg ist jedoch eine so klare Präsenz in meinem Kopf, regt mich so intensiv zum Nachdenken an, dass sich das lohnt.
SH 01.10.2023 amazon.de
“Freudenberg” von Carl-Christian Elze beginnt als relativ starker Roman über einen jungen Mann im Konflikt mit seinem Vater, der noch einmal mit der Familie in Urlaub fährt. Freudenberg selbst hat keinen Plan, was er mit seinem Leben anfangen will, der Vater will ihn in die Metallverarbeitung schicken. Direkt im polnischen Urlaubsort angekommen, zieht Freudenberg auf eigene Faust los und entdeckt einen Bunker im Meer. Auf diesen ersten 20 bis 30 Seiten merkt man bereits, dass Metall, als Gegenstand, als Geschmack im Mund und so weiter, leitmotivisch an entscheidenden Momenten eingesetzt werden wird. Der Konflikt wirkt nicht gerade wie etwas Neues, doch die sprachliche Gestaltung weicht ab vom gewöhnlichen Literaturschulen-Einerlei.Ginge der Roman nun seine erwartbare Bahn, hätten wir es vielleicht mit einem halbwegs überdurchschnittlichen Text zu tun. Aber Freudenberg wird zu etwas ganz Anderem. Der junge Mann wird im Bunker von einer Welle erfasst. Es geht ihm aber danach relativ gut, und er entdeckt am Strand einen Toten, laut Portemonnaie „Marek“. Aus einem Impuls heraus vertauscht er seine Kleider mit dem Toten und versteckt sich im Wald. Er lernt eine junge Frau namens Maja kennen und findet dort eine erste Liebe.Irgendwann kehrt Freudenberg zurück zu den Eltern, nach einer Mofa-Odyssee durch Polen und Deutschland. Anfangs versteckt er sich, denn er wurde ja bereits beerdigt. Dann, noch versteckt, versorgt ihn die Mutter mit Essen. Als ihm klar wird, dass beide Eltern von seiner Existenz wissen, zeigt er sich. Diese Episode wird relativ früh erzählt, viel von der Maja-Geschichte erfahren wir dann erst in späteren Kapiteln.Und auf diese Weise wird der Text sehr kompliziert. Lesen wir hier einfach Erinnerungen Freudenbergs? Und wie wurde das Problem seines „Todes“ gelöst? Wie ist er überhaupt zurückgekehrt? Auf diese Antworten, wenn wir sie überhaupt bekommen, warten wir lang. Oder lesen wir vielmehr Erfindungen? Hat Freudenberg sich seinen Sommer größtenteils ausgedacht? Lebt Freudenberg überhaupt noch? Vieles, was geschieht, etwa dass der Junge sich so brav in die Metallarbeit fügt, liest sich dann sogar eher wie eine Fantasie der Eltern. Oder fantasiert doch Freudenberg, aber nicht als Rückkehrer, sondern im Sterbebett? So richtig beantworten lassen sich all diese Fragen nicht, der Roman hält uns im Status eines ständigen Zweifels.Ab hier, falls das überhaupt denkbar ist, größere Spoiler.Allerdings gibt es doch ein paar interessante Hinweise, die bei einer Entschlüsselung helfen könnten. So erfahren wir spät den Vornamen Freudenbergs. Maik. Das klingt schon ziemlich ähnlich wie Marek, oder? Überhaupt, je mehr man darüber nachdenkt, und je mehr darüber gesprochen wird: die Ähnlichkeiten zwischen Maik und Marek, bis hinzu einer älteren Narbe am Körper, sind doch sehr frappierend. Und ist es nicht interessant, dass sowohl Freudenbergs Heimatstadt als auch der Urlaubsort eine Kopernikusgasse haben, die beide dann auch noch sehr explizit erwähnt werden? Maik-Marek-Maja... Selbst die Sommerliebe klingt an die Namen des „echten“ und des „falschen“ Toten an.Auch sprachlich hält der Roman das Niveau, und überschreitet seine Beschreibungen immer wieder mit stark komponierten Bildern, die die Befremdlichkeit des Szenarios noch verstärken. Ein wirklich gelungener Text. Lasst euch nicht von anderen Kritikern aufschwatzen, „Freudenberg“ hätte seine Fragen nach einer definitiveren Antwort hin auflösen müssen. Im Gegenteil, es ist das bis zum Schluss Rätselhafte, aus dem der Text seine Stärke zieht. Dies ist kein realistischer Roman (wäre er es, man müsste sich zB fragen, warum Freudenberg und Maja nicht auf die Idee kommen, auf Englisch miteinander zu kommunizieren. Immerhin, die Sprache wird doch in beiden Ländern gelehrt). Und wenn wir ehrlich sind: jede "Auflösung", die eindeutig wäre, würde das gesamte Werk zerstören, indem sie zwänge, die Konstruktionen nun auch auf ihren Realismus hin ab zu klopfen.Ein gelungener Roman abseits ausgetretener Pfade, der nüchtern betrachtet „Eine Liebe in Pjöngjang“ den ersten Platz unter den bisher besprochenen Buchpreis-Titeln streitig machen könnte. Letzterer liegt für mich persönlich allerdings noch knapp vorne.
MutzumBuch 01.10.2023 amazon.de
Die Idee und den Plot fand ich grundsätzlich gut. Ein Jugendlicher, der sich fremdbestimmt fühlt, verschwindet, und taucht wieder auf. Auch die Erzählweise spricht von einer gewissen sprachlichen Gewandheit. Dennoch konnte mich das Buch nicht überzeugen. Vieles blieb unklar bzw. hätte besser aufgeklärt werden müssen, ob es nun Traum, Wahn oder Wirklichkeit gewesen ist. Und ganz ehrlich, es war mir zu viel Eiter, Blut und Menschenfleisch im Spiel, die mit der Farbe von Hauswänden und Inneneinrichtungen assoziiert wurden. Hier wäre weniger mehr gewesen.Das alles hat dazu geführt, dass ich mit keiner der im Roman erwähnten Personen richtig warm wurde. Zusammengefasst war mir das Buch dann leider zu unrealistisch. Außerdem wird es den wahren Nöten von Kindern, die wegen psychischen Problemen vom Elternhaus abhauen, nicht gerecht. Das Ende ließ mich ebenso ratlos zurück, so dass ich leider nicht nachvollziehen kann, wie das Buch auf die Longlist des deutschen Buchpreises kam. Wahrscheinlich verstehen das nur Germanisten.Ich hätte eigentlich zwei Sterne vergeben, aber da es Stellen gab, in denen das Buch sprachlich sehr gut war, vergebe ich drei.
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