Ohne Wurzelsaft keine Baumkraft - Yuval (Hrsg ) Lapide Kartoniert (TB)
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Bücher EAN 9783943135244

Ohne Wurzelsaft keine Baumkraft - Yuval (Hrsg ) Lapide Kartoniert (TB)

Hersteller: Verlag Sankt Michaelsbund  ·  MPN: 9783943135244
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Produktfakten auf einen Blick

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Produktbeschreibung

Ohne Wurzelsaft keine Baumkraft | Yuval Lapide | Taschenbuch | 192 S. | Deutsch | 2014

Bewertungen & Erfahrungen

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Harmonia-mundi 30.05.2024 amazon.de
„Bücher haben ihre Schicksale“, heißt es – und manche Bücher sind selbst ein Schicksal. Und Menschen werden vom Schicksal ereilt, wenn ihre Worte der Zeit vorauseilen und erst in der Zukunft gehört werden. Diese Gedanken kommen mir in den Sinn, wenn ich Yuval Lapides Anthologie „Ohne Wurzelsaft keine Baumkraft“ in diesen Tagen lese, in denen sich die Befreiung der letzten Überlebenden der Shoa aus den Todeslagern des Faschismus zum 70. Mal jährt. Lapides Buch vereint Wortlaute von drei deutsch-jüdischen Denkern des 20. Jahrhunderts: Franz Rosenzweig, Martin Buber und Schalom Ben-Chorin. Die beiden letzteren wurden Zeitzeugen des Holocaust, aber ihre Botschaft der Verständigung und Versöhnung konnte dadurch nur vertieft werden.Das Buch vereinigt drei Zugänge zum inneren Wesen des Judentums, zu seiner „Wurzelkraft“, die im Ewigen gründet und deshalb durch keine Macht der Welt überwunden oder ausgerottet werden kann. Über viele Jahrhunderte hat das Judentum sich am Leben erhalten, indem es seine Lebensgeheimnisse verborgen hat, doch mit jeder neuen Zerstörungswelle hat es mehr von diesen Schätzen herausgegeben. Auf die Zerstörung des 2. Tempels und die Vertreibung aus dem Heiligen Land folgte die Verschriftlichung des Talmud; auf die Verwüstungen und Vertreibungen des Mittelalters folgten Übersetzungen und Drucke der heiligen Bücher. Und schon am Vorabend des Holocaust sprachen jüdische Denker nicht nur von ihrer Tradition und ihren Gesetzen, sondern vom Wesen ihrer Quelle, vom Ursprung und Ziel ihres zeitlosen Weges durch die Jahrhunderte. Innerste Begründungen wurden offengelegt, wie es gerade auch durch Buber und Rosenzweig geschah. Und diesmal geschah die Öffnung nicht als Folge einer Unterdrückung, sondern als Vorwegnahme einer erhofften Befreiung und Erlösung!Eine völlig neue Situation trat damit ein, und es gelingt Lapides Sammlung in eindrucksvoller Weise, diese neue Situation erkenn- und erlebbar werden zu lassen. Ich möchte dieses Neue mit dem Zelt Abrahams vergleichen, das Eingänge in alle vier Himmelsrichtungen hatte, um jeden Fremden schon am Horizont als Ankommenden ins Auge zu fassen, um ihm entgegenzugehen, ihn als Gast zu begrüßen und unter dem eigenen Baum zu bewirten. In dieser Weise öffnen uns Rosenzweig, Buber und Ben-Chorin drei verschiedene Zugänge zum Zelt des Judentums – der vierte Zugang darf der eigene persönliche des Lesers sein.Im Inneren des Zeltes spricht Gott mit jedem einzelnen, in der Sprache Gottes und in der Sprache des einmaligen Individuums. Er spricht vom Weg des Menschen, von der Schöpfung und vom Mittelpunkt, vom Herzen, der Stätte des Friedens, Jerusalem. Aus dieser Wurzel entwachsen andere Stämme, andere Bäume, andere Religionen, die mehr als 1400 Jahre einen erbarmungslosen Kampf gegen ihre gemeinsame Wurzel geführt haben (Christentum) und teilweise noch führen (Islam). Und sie können nicht verstehen oder wenigstens hinnehmen, daß der andere, uralte, verwitterte und dennoch immergrüne „Judenbaum“ so verzweifelt lebendig bleibt.Dann kam Auschwitz, und die ewige Unbegreiflichkeit Gottes wurde durch die ewige Unbegreiflichkeit des Abgrunds eingeholt. Jüdisches Leid wurde sogar seiner Gräber beraubt, und damit wurden auch die philosophischen Gottesbegriffe zu Staub und Asche. Doch noch aus dem Rauch der Krematorien tönten die alten Lieder Israels, die Gebete, die von sterbenden Lippen ausgehaucht wurden – und sie sind nach Jerusalem zurückgekehrt. Und endlich – warum so spät? – ist der Abgrund selbst zur Brücke geworden, auf dem sich Judentum und Christentum begegnen konnten. So tragisch es sicherlich ist, daß die wesentlichsten dieser Versöhnungsgedanken schon vor dem Holocaust geprägt wurden – sie haben sich als lebensfähige Samen erwiesen, deren Früchte in unserer Zeit aufgehen sollen. Yuval Lapide bietet einen Fruchtkorb dieser Lebensgedanken in der Form einer gutdurchdachten Komposition, eines „Seder“ könnte man sagen (Seder – das jüdische Gebets- und Festbuch zu Pesach/Pascha, dem Urbild des Osterfestes).Dieses Erbe der interreligiösen Verständigung muß jederzeit belebt und fortgeführt werden, denn es kann allzu schnell in Vergessenheit geraten und zu einem leblosen Ritual entarten. Die jüngste Zeit hat allen gezeigt, die es sehen wollen, daß die Gefahr des Hasses, gerade des Judenhasses, nicht gebannt ist und eines entschiedenen Entgegentretens bedarf. Zum Ausklang des „Wurzelkraft“-Buches bleiben gleichsam drei Sterne am Himmel stehen – so wie im Ausklang des jüdischen Schabbat. Diese drei Sterne sind als die bleibenden Botschaften von Rosenzweig, Buber und Ben-Chorin erkennbar. Solange diese Sterne leuchten und ihr Licht die Herzen erreicht, hat der Frieden Gottes unter den Menschen eine Heimstatt.
Thomas Neß 30.05.2024 amazon.de
Drei jüdische Denker läßt Yuval Lapide in dieser ausgezeichneten Anthologie zu Wort kommen. Es geht um das Verhältnis zwischen Judentum und Christentum - nach mehr als 1900 Jahren Verfolgung, Unterdrückung und Verleumdung bricht ein neuer Horizont auf. Im Spannungsfeld zwischen restloser Assimilation und entschiedenem Zionismus wagen jüdische Denker unerwartet eine "radikale", also zu den Wurzeln vordringende Neubesinnung: sie heißen Franz Rosenzweig, Martin Buber und später Schalom ben Chorin. Als hätte es all die Traumata der Geschichte nicht gegeben, jenseits von Täter und Opfer, frei von Anklage und Rechtfertigung, bringt sich in ihnen und durch sie das Judentum selbst zur Sprache - in der Essenz seiner Existenz, was wesentlich und schicksalhaft mehr beinhaltet als seine "Idee" oder seinen "Geist".Ein Wort gibt hier das andere. Yuval Lapide orchestriert eine Symphonie von Aussagen, Einblicken und Bekenntnissen, ein großes und farbenreiches Mosaik aus kleinen Textbausteinen, die immer nur 1-2 Seiten umfassen. Die Texte nehmen aufeinander Bezug, sind aber dennoch nicht nach abstrakten Oberbegriffen sortiert - es gibt keine Kapiteleinteilung -, sondern entwickeln sich organisch auseinander; bestimmte Leitmotive ziehen sich durch das Buch: die Offenbarung, die Prophetie, Jerusalem die heilige Stadt, der Bund zwischen Gott und Israel, die Sendung und das freie Individuum, der berufene Mensch als Brennpunkt des Geschehens. Biographisches zu Rosenzweig, Buber und Schalom ben Chorin dient keineswegs nur zur Information, sondern gehört ins Herz des "dialogischen Denkens", denn nicht abstrakte Allgemeinbegriffe und Prinzipien, sondern die lebendige Gegenwärtigkeit des ganzen jeweils einzigartigen Menschen im Austausch mit dem anderen bilden den Ort und die Zeit, in denen sich die Begegnung mit Gott ereignet, oder besser gesagt zu-eignet.Der interreligiöse Dialog wird durch dieses Buch auf eine essentiell höhere Stufe gehoben. Der Eine Gott, den alle monotheistischen Religionen gemein haben, bleibt doch zumeist ein blasser Allgemeinbegriff. Hier deutet sich ein weites und zusammenhängendes Sinn-Gewölbe an, in dem alle Religionen ihren je und je verschiedenen, andersartigen Platz einnehmen können, jede von Gott gerade so berufen und gewollt, unersetzlich und Teil eines umfassenden "Heilsplans". Hier ist natürlich Vorsicht geboten, denn dieser große Plan könnte allzu leicht wieder von "gläubigen Anhängern" auf ihre Fahnen geschrieben und zur Ausbildung neuer "Sekten" führen. So ist es aber ganz und gar nicht gemeint! Das Sinnhafte möge in Herz und Geist je individuell erlebt und gedeutet werden und sich immer wieder neu ereignen, wo Menschen verschiedenen Glaubens im Gespräch entdecken dürfen, daß sie in der Wurzel Eins sind. Wenn dieses Buch dieses Erlebnis, diese Einsicht vermitteln kann, hat es seine Aufgabe schon erfüllt.
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