Als Poetry Slam Fan war ich sofort interessiert an diesem Buch von Nik Salsflausen (der Transparenz halber erwähne ich hier, dass ich den Herausgeber auch persönlich kennengelernt habe). Sowohl den Herausgeber, aber auch andere Slammerinnen und Slammer aus dem Buch habe ich bereits selbst live gesehen, weshalb ich auch einen gewissen Zugang dazu habe, die Texte als Slam-Texte zu sehen und so auch zu lesen. Der Herausgeber weist in seiner kurzen, prägnanten und stichhaltig argumentierten Einleitung zum Buch auch darauf hin: Slam gehört auf die Bühne und wird erst im Live-Vortragen zu dem, was es ist.Unter den zahlreichen Texten gibt es sowohl amüsante Texte, die einen zum Schmunzeln bringen, als auch - und das schätze ich sehr - ernsthafte Texte, die sich nicht zum Ziel setzen, den/die Leser/in oder Zuhörer/in nur dadurch für sich zu gewinnen, das man besonders viel darüber lachen kann. Natürlich soll Slam unterhalten, aber es gibt auch Slammerinnen und Slammer, die entweder zu sehr ins kabarettistisch slapstick-artige verfallen oder aber einem ihre "Wir-sollten-uns-alle-lieb-haben-und-die-Welt-verbessern" message allzusehr ins Gesicht klatschen. Beides finde ich anstrengend. Und genau das finde ich in dem allergrößten Teil der Texte in diesem Buch nicht. Sie sind amüsant und mit Tiefgang zugleich, nicht zu belehrend und doch denkanstoßend. Freilich finde ich nicht alle Texte gleich gut.Interessanterweise haben mir einige Texte beim ersten Lesen gar nicht gefallen. Dann habe ich den im Buch zu findenden Audiolink gehört und beim zweiten Mal ein ganz anderes Bild desselben Textes gehabt. Obwohl es schon hervorzuheben ist, dass zu sieben Texten Audiolinks zur Verfügung stehen (teilweise findet man auch Youtube-Videos zu diesen Texten der Slammerinnen und Slammer im Internet), würde das Buch noch stärker davon profitieren, wenn im besten Falle alle Texte mit Audiolinks versehen wären.Bei all dem gesagten zu Poetry Slam im Allgemeinen muss auch hervorgehoben werden, dass der Umgang mit Figuren der griechischen Mythologie in diesem Buch ein völlig eigener ist und nicht die Lektüre der griechischen Mythologie ersetzt. Vielmehr ermuntert das Buch dazu. Die einleitenden Erklärungen zu jeder Heldenfigur von Nik Salsflausen sind in aller Regel köstlich auf den Punkt und zugleich satirisch überspitzt. Hier hat der Herausgeber ebenfalls ganze Arbeit geleistet.Auch wenn es mich reizt einiger meiner liebsten Textstellen schon hier anzuführen, möchte ich nicht spoilern, falls der/die Leser/in dieser Rezension ein eigenes Leseinteresse hat.Mein Erwartung beim Kauf einer solchen Zusammenstellung ist, dass ich das Buch genieße und vieles darin finde, dass mich zum Nachdenken anregt, das ich mit anderen teilen möchte und mir also insgesamt die Lektüre Spaß macht. Auch wenn ich nicht jeden einzelnen Text mag, zeigt mir die Tatsache, dass ich dieses Buch über Wochen ständig mit mir herumtrage und immer wieder Menschen daraus vorlese, dass nichts anderes als eine 5-Sterne-Bewertung gerechtfertigt ist.Viel Spaß beim Lesen und Vorlesen!
Inhalt:Diese Sammlung von Poetry Slam Texten verbindet eines: Die griechische Mythologie.NIls Salflausen hat Slammer zusammen gebracht um Helden und Heldinnen der Antike, in ihren Texten, aufleben zu lassen.Meine Meinung:Ich habe mich wieder an ein Poetry Slam Buch getraut und war diesmal nur bedingt begeistert.Aus dem Geschichtsunterricht und dem Alltag kennt man den ein oder anderen griechischen Gott. Doch wer hätte gedacht das man über diese Götter der Mythologie auch heute noch gut schreiben kann. In diesem Buch schreiben Slammer über diese Götter mal sehr verständlich, mal nachdenklich, manches Mal auch wütend. Egal ob es über die Liebe, um Eitelkeit oder um Enttäuschungen geht. Die Themen sind sehr vielseitig.Angenommen habe ich dieses Buch weil ich daraus ein paar Slammer kenne und ich neugierig war welche ihrer Texte ausgewählt wurden. So habe ich den Text von Sebastian23 erst vor kurzem auf Facebook geteilt und wurde hier leider nicht mit etwas neuem belohnt, doch deswegen war es nicht weniger schön. Marc-Uwe Kling ist vielen wohl durch seine Känguruh Chroniken bekannt. Von ihm gibt es ein schönes Gedicht in diesem Band.Die Schreibstile sind sehr unterschiedlich. Mal in Gedichtform, mal zumindest mit dem ein oder anderen Reim und mal als Kurzgeschichte findet man hier eigentlich für jeden etwas. Im Umkehrschluss ist aber auch nicht für jeden alles gleich gut. Es gab Texte bei denen ich mich fragte was der Autor mir nun damit sagen will, auch welche die ich mehrfach lesen musste weil ich sie etwas holprig fand. Es gab Slammer die mir noch nicht bekannt waren und die mich positiv überraschten.Dieses Buch hat ein paar Besonderheiten. Zum Einen wird jedes Mal der Held oder die Heldin der Antike beschrieben bevor der eigentlich Slamtext kommt. Wer also Spaß an der Mythologie hat wird schon hier auf seine Kosten kommen. So versteht man auch ein wenig mehr manch einen Zusammenhang zwischen Figur und Text. Außerdem gibt es sieben Audiolinks bei denen man die Texte hören kann. Ein Extra was ich besonders schön finde, denn so bekommt man den Rhythmus des jeweiligen Sprechers mit und kann manches Mal auch den Text besser verstehen. Denn die Art und Weise wie ein Text gesprochen wird macht doch viel aus.So wäre ein Poetry Slam Abend mit all den Autoren wohl, für mich, unterhaltsamer gewesen als dieses Buch, das durchaus gute und schöne Texte hat, jedoch mit dem gesprochenen Wort nicht mithalten kann.