Ich gebe zu, dass ich viele Therapiebücher gelesen habe, von denen sich eine ganze Reihe explizit mit dem Thema „Trauma“, im engeren und weiteren Sinn beschäftigen.Menschen gehen zu einem Psychotherapeuten, weil sie merken, dass in ihrem Leben etwas nicht in Ordnung ist. Sie stellen fest dass sie übergewichtig sind oder das Gegenteil. Sie merken, in Beziehungen läuft es immer wieder schief, trotz aller Bemühungen, gelingt es ihnen nicht, eine Beziehung, die länger als ein Jahr besteht, einzugehen.Es gibt eine Reihe von Bindungsforschern, John Bowlby, Mary Main, das Ehepaar Karin und Klaus Grossmann, die ganz herausragende Erkenntnisse zum Thema Bindung zusammengetragen haben.Es ist leider so, wir können uns unsere Eltern nicht aussuchen. Ob sie uns in den ersten und wichtigsten Jahren zuverlässige Begleiter sind, das lässt sich nicht voraussagen. Es sind die Kinder, die mit ihrem Verhalten, dafür sorgen, dass die Mutter oder der Vater, oder eine andere Bindungsperson sich ihnen zuwendet. Als Grundregel könnte man sagen, wenn die Mutter zu ihren Eltern eine sichere Bindung hatte, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass auch ihr Kind eine sichere Bindung zu ihr haben wird. Durch die Erfahrung, entstehen so genannte innere Arbeitsmodelle, d.h. wenn ich mich auf eine bestimmte Weise verhalte, z.B. die Mutter anlache, wenn sie in mein Gesichtsfeld kommt, dann mache ich die Erfahrung, dass sie sich um mich kümmert. Dass sie mich hochnimmt, dass sie sich freut, wenn ich in ihrer Nähe spiele. Wenn ich sicher gebunden bin, dann kann ich es aushalten, dass sie auch mal einige Minuten verschwindet. Je unsicherer das Bindungsprofil ist umso wahrscheinlicher ist es, dass in mir Angst und Panik entstehen und dass ich dementsprechend auf den Verlust reagiere.John Bowlby bekam etwa 1940 von der Regierung den Auftrag eine Untersuchung an jugendlichen Dieben anzustellen. Das Ergebnis seiner Studien war erschreckend. Viele dieser Jugendlichen hatten schwerwiegende Verlusterlebnisse gehabt. Die Eltern hatten sich getrennt, häufig gab es häusliche Gewalt, Alkoholkonsum und wechselnde Partner, des Vaters oder der Mutter. Man könnte diese Erkenntnisse so zusammenfassen, je mehr solcher ungünstiger Faktoren zusammen kommen umso wahrscheinlicher ist es dass dieser Mensch in seinem zukünftigen Leben einmal Schwierigkeiten haben wird.Man könnte eine psychotherapeutische Beziehung so charakterisieren, dass darin über eine längere Zeit hin, ein Nachreifungs- und seelischer Wachstumsprozess stattfindet. Dass das gut funktioniert, ist keineswegs selbstverständlich. Der Therapeut und der Klient, begeben sich auf eine spannende, manchmal schwierige, manchmal auch traurige Entdeckungsreise, traurig, wenn der Klient, die Entdeckung macht, einem meiner Elternteile war meine Ankunft gar nicht so recht. Es kann Jahre dauern, eine solche Erkenntnis für sich zu akzeptieren und zu integrieren. Aber gerade an solchen Klippen, scheint mir eine bindungsorientierte Therapie, besonders wertvoll zu sein. Wenn sich in einer schwierigen Situation, z.B. wenn der Patient alles hinschmeißen möchte, wenn der Patient sich wiederholt an Absprachen nicht halten konnte, Wenn der Therapeut den langen Atem hat, und sich weiterhin für den therapeutischen Prozess zur Verfügung stellt, dann macht der Patient vielleicht das erste Mal in seinem Leben die Grunderfahrung von Sicherheit und Gebundenheit in seinem Leben. Ich möchte an dieser Stelle an Martin Buber erinnern, der in seinem kleinen Büchlein „Ich und Du“, diese Worte als Grundworte bezeichnet hat. Diese Beziehungserfahrung ist vielleicht sogar dazu in der Lage, eine grundlegende Wendung im Leben eines Menschen herbeizuführen.Dieses Buch, das schreibe ich selten, ist ein ganz herausragendes Buch. Es vermittelt eine tiefe Kenntnis über die heilende Kraft einer sicheren Therapeut/ Patient- Beziehung.Das ist kein Ratgeberbuch. Es ist in erster Linie sicher auch kein Patientenbuch. Es ist ein Buch für jemanden der sich der schwierigen Aufgabe widmet, Menschen, die Bindungs- und Verlust-Traumata erlebt haben, zu helfen.Wir haben gerade Kinder aus schwierigen familiären Verhältnissen kennengelernt. Vor diesem Hintergrund würde ich sagen, dass das Buch durchaus in der Ausbildung von Erziehern und Pädagogen und Menschen die in sonderpädagogischen Einrichtungen tätig sind, ein wertvoller Baustein in der Ausbildung sein könnte.