Die Familie hat ein neues Haus bezogen, der Ort erinnert an den kalifornischen Westen, nicht zuletzt die Filmstudios und andere Referenzen lassen deutliche Parallelen zu Hollywood erkennen. Den Ort zu erkunden und zu entdecken, ist nun das neue Tagesgeschäft des Jungen und da gibt es viele Wege und Schleichwege auszukundschaften. Doch auf den Wegen ist Seltsames zu entdecken – eine geheimnisvolle Katze, gruselige Tunnel und Unterführungen, aber auch fliegende Fische, ein Pegasus, Fabelwesen und Horrorszenarien beginnen, die Welt des Jungen zu bevölkern. Mit Hilfe seines Bruders gelingt es ihm endlich, diese Ängste zu überwinden und darin eigene Stärken zu finden. So entsteht der Wunsch, Filme zu machen.Einar Turkowski erzählt ausführlich in Wort und Bild. Die für ein Bilderbuch langen Texte nehmen hinein in die neue Lebenssituation des Jungen, sie entfalten auch eine Atmosphäre, die eindrücklich wirkt. Demgegenüber stehen die ganzseitigen Illustrationen. Die feinen Bleistiftzeichnungen sind fast fotorealistisch gehalten. Sie zeigen Szenen, die meist von Einsamkeit und Leere geprägt sind. Nur selten sind Menschen zu sehen, fast nie der Protagonist. Stattdessen überschreiten sie immer wieder die Grenzen zum Fantastischen, wenn offenkundig oder gut versteckt in den Bilddetails wunderbare Wesen oder gruselige Geschöpfe die Bildwelten bevölkern. Die Bilder reichen dann oft über das im Text Gesagte hinaus, indem Andeutungen des Textes in den Bildern konkretisiert werden. Dabei arbeitet Turkowski auch mit Andeutungen und Referenzen auf bekannte Titel der Filmgeschichte. So werden die kindlichen Ängste greifbar.Das eindrückliche Bilderbuch stellt die Angst in den Mittepunkt, schafft aber eine komplexe Situation, die das Thema in Lebenssituationen einbettet und vorstellbar bzw. nachvollziehbar macht. Das fasziniert eindrücklich – sehr zu empfehlen!weitere Rezensionen auf ajum.de
„Pinewood Hill“ ist ein fiktiver Ort, in dem Einar Turkowskis Geschichte spielt. Der Erzähler schildert Erlebnisse aus seiner Kindheit in den Achtzigerjahren, als er mit seiner Familie nach Pinewood Hills zieht und langsam die geheimnisvolle Umgebung erkundet. Auf großen Grundstücken stehen verwunschene Häuser. Fast scheint es, als habe sich die Natur ihr Territorium bereits zurückerobert, denn Menschen sieht man nirgendwo. Aber selbst die unbelebten Dinge führen ein Eigenleben. Über allem schwebt eine unheimliche, surreale Atmosphäre, in der Phantasiewesen mit der realen Welt verschmelzen. Aber was dem Jungen zunächst Angst macht, verwandelt er mit der moralischen Unterstützung seines Bruders in eine kreative Kraft, die ihn letztlich dazu befähigt, seinen beruflichen Weg als Filmregisseur zu finden.Einar Turkowskis Zeichnungen sind absolut unverwechselbar. Kunsthistorisch gehören sie in die Kategorie des magischen Realismus, mit hyperdetaillierten Bleistiftzeichnungen, in die subtil surreale Elemente eingewoben sind. Das können Fabelwesen sein, gutmütige oder auch gruselige, oft unter Verwendung von verfremdeten Größenverhältnissen, oder es ist die Natur selber, die den Leser zu beobachten scheint. Manchmal haben mich die Szenen und Texte an Simon Stålenhag erinnert, ohne die Sci-Fi-Elemente, aber mit dieser Atmosphäre unterschwelliger Bedrohung. Auch wenn es auf den ersten Blick wie eine Kindergeschichte wirkt (und als solche kann man sie durchaus lesen), enthält sie doch viele Referenzen, die Kindern noch nicht zugänglich sind, sodass die Story auch für Erwachsene interessant bleibt. „Pinewood Hill“ ist z. B. eine Wortschöpfung aus den Pinewood Studios in England und Hollywood Hills in L.A., beides Filmhochburgen, wie spätestens das letzte Bild beweist: Da sieht man eine aus mehreren ikonischen Versatzstücken zusammengesetzte Ansicht von Los Angeles bei Nacht. Ein weiteres Beispiel ist der Pegasus, der scheinbar einen dunklen Tunneleingang bewacht und den ängstlichen Jungen daran hindert, hindurchzugehen. Natürlich ist Pegasus das mythische Dichterross, das ihm eigentlich den Weg zeigt und nicht versperrt, aber es gibt auch noch weitere Referenzen aus Filmklassikern zu entdecken. Ich bin sicher, dass Turkowski hier Autobiografisches verarbeitet, denn seine surrealen Phantasiewelten, die für ihn so typisch sind, haben ihm als Kind ganz sicher auch Angst eingeflößt. Genau darum geht es in diesem Buch: Die Angst zuzulassen und sie zu einer positiven Energie umzuwandeln. Das geht aber nicht ohne Unterstützung und persönliche Anerkennung, die hier durch den Bruder geleistet wird.Turkowskis Zeichnungen ziehen den Blick magnetisch auf sich und zwingen den Leser geradezu, auf die Suche danach zu gehen, was im Bild das Unterbewusstsein irritiert. Irgendwo lauert da etwas. Ganz sicher.(Dieses Buch wurde mir vom Verlag kostenfrei zur Verfügung gestellt. Auf meine Rezension wurde kein Einfluss genommen, der Inhalt stellt meine persönliche Meinung dar.)