Wie uns die Autorin in einem kurzen Epilog wissen lässt, hat sie als junge Frau bei einem Aufenthalt in Kanada vieles von dem Alltäglichen und Besonderen erlebt und beobachtet, das sie detailreich erzählt. Sie hat allerdings nicht wie die – fiktive – Neuzehnjährige, die nach dem Fachabitur den Querelen mit ihrem Vater in einem bayerischen Dorf mittels eines Aufenthalts als Au-pair-Mädchen in Toronto entflieht, ihre große Liebe zu einem Mohawk, einem jungen Studenten aus der Bevölkerungsgruppe der „First Nations“ erlebt. Doch hat sich die Autorin ihre Zuneigung zu den Nachfahren der Ureinwohner, den „Indianern“, bewahrt und schildert deren Lebensweise und Kultur, vor allen die der jungen Leute zu Beginn der 1980er Jahre in Toronto und Umgebung. Mit vielen Hinweisen auf den damaligen „Kulturkonsum“ der Jugendlichen von Fernsehserien, Kinofilmen und Musik-Hits öffnet sie diesen Leibesroman auch für alle diejenigen, die damals jung waren, zu einem nostalgischen Erinnern an die Zeit vor 40 Jahren. Probleme von latentem Rassismus gegenüber den in die moderne Gesellschaft hineinwachsenden Mitgliedern der „First Nations“ und auch von Verbrechen von ihnen werden aufgezeigt. Zufälle sind es, die so junge Menschen aus völlig unterschiedlichen Kulturkreisen zusammentreffen lassen. Aufgeschlossenheit gegenüber dem Fremden, Hilfsbereitschaft und Zuneigung lassen die Schranken zwischen angestammten unterschiedlichen Verhaltensweisen verschwinden. Es kann sich sogar daraus Liebe entwickeln, die - wie hier – ein junges Mädchen zu einer jungen Frau werden lässt, die eigene Entscheidungen gegen manche Schwierigkeiten fällt und so den eigenen Lebensweg bestimmen möchte. Dieser Roman ist jedoch nicht nur etwas für die ganz Jungen, die auf der Suche nach dem persönlichen Lebensglück sind, und für die Alten, die in Erinnerungen schwelgen können, was die Unterhaltungsszene ihnen einst zu bieten hatte. Er eignet sich auch besonders für junge Mädchen, die erwägen, als Au-pair-Mädchen ins Ausland gehen zu wollen, im vornherein zu beobachten und zu bedenken, was ihnen dabei alles passieren könnte. Wenn auch die Romanheldinnen und -helden frei erfunden sind, so doch nicht die vielen Einzelheiten, die das Leben ausmachen konnte, womit sie um 1980 in Kanada konfrontiert werden konnten und auch anderswo in einem gewissen Kulturschock zu bewältigen hätten.- Der angesprochene Leserkreis ist also groß!
Kennt man von Kerstin Groeper und dem Traumfänger Verlag sonst eher historische Romane, so versucht sie es diesmal mit einem vollkommen anderen Genre: Ein Liebesroman, zeitversetzt in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Wie man im Epilog des knapp 400 Seiten umfassenden Romans erfährt, sind große Teile der Handlung selbst erlebt, Kerstin war in den Achtzigern für ein Jahr als Au-Pair in Kanada, ihr „richtiger“ Vater war Schriftsteller, ob die übrigen Familienmitglieder reale Vorbilder besitzen bleibt im Dunklen. Auch die im Roman erzählte Liebesgeschichte wurde ergänzt …Doch zum Roman! Ich finde ihn wunderbar altmodisch (im positiven Sinne). Nun, alle Leser(innen) um die fünfzig aufwärts werden verstehen, was ich damit meine. Erinnerungen werden geweckt, an eine Zeit ohne Internet, Computer, selbstverständliche Fernreisen etc. Alles war noch etwas langsamer, persönlicher, die Welt war noch wirklich „weit“.Die junge Krissy zieht es nach dem Fachabitur in die Ferne, es geht in den Osten Kanadas, nach Toronto, wo sie eine Stelle als Nanny in einer wohlhabenden Familie antritt. Zum ersten Mal weit weg von Zuhause, damals gab es nur die Möglichkeit zu telefonieren und das war sündhaft teuer … So muss sie sich selbst zurechtfinden und „erwachsen“ werden. Doch nach kurzer Zeit gelingt auch das, sie findet Freunde, besucht Konzerte und geht ins Kino, nebenbei besucht sie den Sprachunterricht. Und sie lernt, eher durch Zufall, Jordan kennen, einen amerikanischen Ureinwohner vom Volk der Mohawk, zu dem sie sich von Beginn an sehr hingezogen fühlt. Schon bald wird mehr daraus, es entwickelt sich eine zarte Liebesbeziehung, die einige Schwierigkeiten meistern muss. Kanada, der Traum vieler Auswanderer aus Europa und die dortige Gesellschaft haben ein etwas merkwürdiges Verhältnis zu den Ureinwohnern des Kontinents. Durch ihre Beziehung zu Jordan muss auch Krissy erleben, dass Vorurteile und Rassismus oftmals tief in der Gesellschaft verwurzelt sind. Als dann auch noch eine von Jordans Schwestern entführt wird und wochenlang nicht auffindbar ist, wird ihre Beziehung zu ihm auf eine harte Probe gestellt …Doch diese Themen werden eher am Rande behandelt. Insgesamt, so schreibt die Autorin in ihrem Nachwort, wollte sie ja eine Liebesgeschichte verfassen, kein Sachbuch. Und vielleicht auch ein klein wenig den Träumen und Fantasien nachhängen, die sich damit beschäftigen, was gewesen wäre, wenn … Schriftsteller(innen) haben es gut, sie können das dann in einen Roman verpacken!Vielen Dank für diese schöne Geschichte, man konnte sich wundervoll in die Achtziger zurückversetzen. Ich habe sie in einem Rutsch gelesen und mich sehr gut unterhalten gefühlt … Ich lese zwar insgesamt lieber historische Romane über Nordamerikas Ureinwohner, aber dieser war durchaus lesenswert …