Die Protagonistin und Ich-Erzählerin, ein kleines Mädchen, dessen Namen die Leser*innen nicht kennenlernen, erzählt in diesem Buch von alltäglichen Situationen, die vielen Kindern so oder so ähnlich geläufig sind: vom ersten Übernachten außerhalb von zuhause, vom Hinfallen und Wiederaufstehen beim Rollschuhfahren, von der Angst in der Dunkelheit, wenn nachts gruselige Schatten aufs Bettchen fallen. Diese Herausforderungen kann sie gut meistern – zum Teil mit Unterstützung anderer, zum Teil alleine. Das Buch ist dabei dualistisch strukturiert: Auf je einer Doppelseite wird dargestellt, wie das Mädchen durch Hilfe von Familienmitgliedern oder Freund*innen ihre Emotionen reguliert, auf der jeweils nächsten, wie sie das in derselben Situation alleine tut. Beispielsweise hilft ihr eine Umarmung von Oma, mit Traurigkeit umzugehen, doch wenn diese mal nicht da ist, kann sie sich auch selbst in den Arm nehmen. Oder es macht ihr große Freude, mit ihrem Freund Matteo zu spielen, doch wenn sie mal alleine Zeit verbringt, kann sie sich ihre eigene Welt erschaffen.Die kolumbianische Autorin und Illustratorin Juliana Perdomo möchte mit diesem Buch die Konzepte der Selbstfürsorge, Eigenständigkeit und Achtsamkeit für Kinder zwischen 2 und 5 Jahren auf alltagsnahe Weise vermitteln. Nach zahlreichen illustrierten Kinderbüchern ist dies das erste Werk, für das sie auch selbst den Text geschrieben hat. Entstanden ist es zunächst als eine Art illustriertes Tagebuch, während sie selbst eine schwierige Zeit durchmachte. Ihr im Booktrailer selbst benanntes Ziel ist, Menschen in herausfordernden Lebensphasen durch dieses Buch daran zu erinnern, dass sie sich immer auf sich selbst verlassen können.er Text gewinnt durch die zweigeteilte Struktur eine gewisse Rhythmik und eröffnet so beim Vorlesen die Möglichkeit, mit den Kindern vorm Umblättern selbst zu überlegen, wie sie in den geschilderten Situationen allein für sich sorgen können. Allerdings stellt sich die Frage, wie realistisch das dargestellte Ausmaß an eigenständiger Emotionsregulation bei Kindern im Kindergartenalter ist. Psychologisch betrachtet geschieht diese bis zum Schuleintritt noch zu einem Großteil durch gemeinsame Regulation mit Hilfe von Erwachsenen, die die Gefühle der Kinder spiegeln und einfühlsam auf sie eingehen. Das im Buch geschilderte Maß an Selbstregulation erscheint eher Erwachsenen entsprechend als dem tatsächlichen Entwicklungsstand von Kindern. Dennoch kann das Buch zur Förderung und Thematisierung dieser Regulationskompetenzen gut genutzt werden und Gesprächsanlässe zum Thema Selbstfürsorge bieten.Illustriert ist das Bilderbuch digital und im Retro-Stil. Perdomo lässt in ihre Arbeit viele latinx-Einflüsse eingehen, beispielsweise durch die bunten Farben und starken Kontraste, durch florale Designs und Muster. Die Figuren und Gegenstände sind knallig und leuchtend illustriert und heben sich klar von den einfarbigen Hintergründen ab. Die unterschiedlichen Emotionen werden durch eine klare, simple Mimik sehr deutlich dargestellt. Insgesamt wirken die Bilder lebendig und schwungvoll, was stark zur positiven, bestärkenden Gesamtatmosphäre des Buches beiträgt. Alles in allem kann das Bilderbuch somit wärmstens empfohlen werden!Weitere Rezensionen auf ajum.de
Bunte Bilder, schlicht gestaltet, kurze Texte, so scheint es, ein Buch für kleinere Kinder. Das kleine Mädchen wohnt mit seiner Mama und dem Hund Rumba „in einem gemütlichen Zuhause.“ Wir sehen sie mit ihrer Mutter, die ein Buch liest, im Wohnzimmer mit dem Hund spielen. Manchmal gibt es andere, ungewohnte Situationen, wie das Zelten. Dann „werde ICH zu meinem eigenen Zuhause.“ Im Regen spielt das Kind mit ihrem Freund und erfreut sich an seinem Lachen. Allein erschafft sich das Kind eine eigene Welt, wir sehen sie als Zauberer zwischen ihren Spielsachen. Sie hört auch gerne Samba-Platten. Weshalb das Kind einen Plattenspieler besitzt, ist mir ein Rätsel. Diese Technik muss man den meisten Kindern beim Vorlesen erklären. Inmitten vieler bunter Blumen tanzt das Kind mit geschlossenen Augen. Nachts kommt ihr ihr Zimmer unheimlich vor, dann „schließt es die Augen und denkt an die Sonne.“ Sie liebt Omas Umarmung, kann sich aber, wenn die Oma nicht da ist selbst umarmen und erkennt „Manchmal bin ich alles, was ich brauche.“Trotz der oben erwähnten Merkmale die Buch für kleine Kinder ausmachen, finde ich den Inhalt des Buches doch schwierig zu verstehen und irgendwie macht mich der Gedanke, dass ein Kind sich selbst genügt, indem es sich selbst umarmt, traurig.