Mit dem Vorwort geht es gut los! Mantrailing ist ein Handwerk und man muss ständig arbeiten, seine Meisterschaft zu verfeinern. Dann kommt der Realeinsatz, was natürlich nochmal höherwertiger ist. Da geht es nicht um Kompensation von "Minderwetigkeitskomplexen und narzisstischen Störungen, sondern darum, jemanden möglichst lebend heimzubringen". Das triviale Trailen just for fun ist zwar einerseits gut, aber doch wie Perlen vor die Säue werfen. (Seite 8). 2 Absätze später steht, dass sie, die Profis, eher selten eine Person im Einsatz finden.Mantrailing dient der Persönlichkeitsentwicklung, hat meditativen Charakter… „Mantrailing im Realeinsatz braucht keine depressiven Jammerlappen, sondern Leute mit gesunder Härte.“Ich bin gespannt.S. 11- 6 : Haarspaltereien, Geschichte*, Berichte, Rettungshundestaffelbürokratie. *Das Interessante aus der Dhf-Schule Pretzsch wurde nicht vertieft. Schade.S. 67: Nur Mantrailer können mantrailen. Wer mal was anderes suchte, ist verdorben. Schattler sieht das anders. Ich auch, da etwas suchen können den Hund immer besser macht. Das in Deutschland Spürhunde nur eine Sache suchen (dürfen), hat rechtliche Ursachen. Man nimmt vorbeugend an, dass der Hund durcheinanderkommen könnte und beugt dieser Argumentation vor.S. 75: Leinenhandling: Lange Leine, damit der Hund beim abbiegen Platz hat und der Hf nicht gleich folgen muss. Vielleicht kommt noch mehr.S.76: Die Kunst, den Hund zu lesen. Hinweis-, Abbruch- und Sondersignale des Hundes beim Trailen erinnern mich doch in ihrer Darstellung schwer an K. Kocher, der im Quellenverzeichnis nicht aufgeführt ist. „Immer wieder gibt es Situationen, in denen der Hund einfach nicht weiterkommt. Wenn ausgeschlossen werden kann, dass es sich nicht um bequeme Orientierung nach hinten, sondern um wirkliches „Nicht-Weiterkommen“ handelt, dann ist der zweibeinige Partner gefordert.“ Wie und womit arbeiten diese Profis. Mein Hund läuft, bis das Herz stehen bleibt. Und wieviel bevormunden die ihrem Hund, damit der denkt, ich frage mal den Alten. Leider ist das auch bei Diensthunden der Behörden so.S. 85 – Wind und Wetter: Stellst du einen Flakon Parfüm auf die Erde und es entweicht Geruch (bei Frost eben nicht, aber wenn die Sonne rauskommt schon) kann mein Hund suchen. Bei Sturm nicht. Windrichtung ist egal, kann ich nicht beeinflussen. Muss man eben alles üben. Steht da aber nicht. Nur, dass am Anfang mit Rückenwind geübt werden soll.Bis Seite 125 Rettungshundestaffelbürokratie.S. 125: Geruchsträger finden, behandeln. Geruchsträger anfertigen wird auch behandelt. Über die Behandlung der Geruchsträger streiten sich die Gelehrten.Zigarettenkippen werden auch als Geruchsträger genommen. Bei der Verlorensuche musste ich immer viel trainieren, dass die Hunde Kippen verweisen. Vllt. weiß ein Leser mehr?S. 141: Wir kommen zum Trailen! Startritual- aufpassen, keine alten Geruchsträger vom letzten Training zu verwenden. Dann Beschreibungen zum Startpunkt und Wind. Ist in Ordnung. Der Start selbst wird kurz beschrieben: Geruchsvorhalt geben, Ruhe bewahren, Leine laufen lassen und nicht gleich nachlaufen. Ein Perimetern oder wie bei Kocher eine Einlaufrunde, Vorhalt beim anschirren auf der Erde etc. wird nicht beschrieben. Keine Bilder!S 159 - 180: Syrotuck Geruch und Fährte. Habe ich nicht gelesen. Wird richtig sein.S 181: Strategie und Taktik auf der Spur: „Auf diese Punkte ist zu achten: Sie zeigen uns die Stellen an, an denen eine Entscheidung gefallen ist oder fallen sollte“ Dazu Bilder, wo der der Hund was riecht und Schlussfolgerungen, wo er was zu tun hat.Dann folgt die Kreuzungsarbeit. Ohne Bilder. Das ist schlecht. Theoretische Erörterungen über Fahrzeugzahl oder wo der Gesuchte langgegangen sein könnte. Dann folgt U-Bahn und Autofahren mit dem Hund, wo nur an Bahnhöfen oder Abzweigungen gesucht wird. Wenn der Gesuchte dort im Bereich wohnt oder regelmäßig verkehrt, unterscheidet der Hund hier nach dem Alter der Spuren des Gesuchten und nimmt nur die Neueste aus dem Geruchsvorhalt wahr. Die älteren Geruchsspuren des Gesuchten quittiert der Hund mit Negativanzeigen. Ok.S. 211:-226: Örtliche Gegebenheiten, die die Geruchsverteilung beeinflussen können, wie der Hund darauf zu reagieren hat bis hin zum Cartrail. Gleicht sich mit den Büchern der Mitbewerber.S. 229: Die kalte Spur. Die Autoren schreiben, dass 24 h alte Spuren verfolgt werden können, aber oft die Mitarbeit des Hundeführers erfordert, der die Führung übernimmt. Das halte ich für falsch. Weiter sollen solch alte Trails trainiert werden. Das ist bei gelegentlich sicher richtig. Schettler hebt darauf ab, an der Motivation und Kondition zu arbeiten, dann kniet der Hund sich auch mit Leidenschaft in die Arbeit mit alten Spuren rein. Eine alte Spur ist wie die neue, nur eben mit weniger Geruch. Das ist auch meine Erfahrung.S. 227: Wieder mal geht der Hund in die richtige Richtung, was der Fund des Vermissten durch die Polizei später belegt.Dann folgt wieder Rettungshundestaffelbürokratie. S. 241: Nacharbeit nach einer abgebrochenen Suche. Alle sind müde…auch die harten Jungs aus der Einleitung. Da kann man nicht nacharbeiten, also eine neue Erfolgsfährte legen (Babytrail. Die alten DDR-Fährtenhunde haben sehr wohl zeitnah nach einem erfolglosen Einsatz eine Erfolgsfährte zugespielt bekommen.) Deshalb sollte man vielleicht nur mit solchen Hunden arbeiten, welche die Belohnung im Suchen an sich finden und bei denen Abbrüche der Trailarbeit nicht zur Frustration führen würden. Die Autoren meinen nun, dass Hunde, die dauernd motiviert werden müssten, vllt. doch nicht trailen sollten. Ok. Kann man so sehen. Es betrifft aber den größten Teil der Polizeifährten- und Personenspürhunde, deren Eignung sie in Frage stellen.Summa summarum: Wie immer ein professioneller Auftritt, Kynos hat sich Mühe gegeben, groß getrommelt, alles gut optisch gut dargestellt. Gute Verkäufer eben. Trailen lerne ich nach diesem Buch aber nicht. Wie beginne ich das Trailtraining und an welcher Örtlichkeit? Wie geht’s weiter? Wie sieht der Start aus, was ist mit Motivation, Richtungsentscheidungen (wo trainieren?), Leinenhandling, Regulierung der Geschwindigkeit (falls gewünscht. Ja, bei Eintritt in den Kreuzungsbereich wird das empfohlen, ich weiß) – schlicht die Basics fehlen. Dafür stehen im Vergleich exotische Sachen ohne Illustration wie Kreuzungsarbeit auf dem Plan. Das vergesse ich bei dieser Darbietung.Im Buch steht auf der letzten Seite als Empfehlung von Kynos Jeff Schettlers "K.9 Trailing" . Es gehört zu meinen Lieblingstrailbüchern und Laien können damit arbeiten.
Was in diesem Buch für mich auf jeden Fall zu kurz kommt, ist der Personenspürhund im Einsatz, dafür bekomme ich aber ein Gefühl dafür, wie wichtig man als Einsatztrailer ist (man darf sogar im Halteverbot parken), auch wenn damit kokettiert wird, dass gerade dies nicht der wahre Grund der Autoren ist. Wer an den theoretischen Abläufen rund um Einsätze interessiert ist, wird hier fündig werden. Auch wer an vielen wichtigen Zitaten interessiert ist, wird von diesem Buch begeistert sein. Die Faszination der gemeinsamen Arbeit und engen Verbundenheit mit dem Hund, die die Arbeit "auf Einsatzniveau" benötigt und schenkt, kommt hier leider vollkommen zu kurz. Schade. 270 Seiten, ich hätte aufgrund des Themas und Titels mehr Liebe und Hingabe zum Hund erwartet, weniger zu Kaffeemaschinen. Geschmäcker sind unterschiedlich. Schön für die Autoren, dass es viele zufriedene Leser gibt.