Wenn man an einer komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung leidet, weil man als Kind systematisch misshandelt und gedemütigt wurde, dann glaubt man irgendwann , dass man der Schuldige ist. Dieses Buch hat mir den Weg aus dieser Denkfalle gezeigt. Gleichzeitig habe ich erkannt, dass meine Eltern ebenfalls geprägt wurden. Letzendlich war nicht nur Vergebung sondern sogar (fast) Vergessen möglich.
Dieses Buch hat mir viele neue Einsichten gebracht und Verbindungen klar gemacht. Man muss sich Zeit lassen. Es erfordert, dass man viel Tiefgang hat und Bereitschaft mitbringt sich mit diesem speziellen Thema auseinanderzusetzen. Dann kann man viel daraus ziehen und gewinnen. Bei Frau Renz spürt man, dass sie sich nicht nur theoretisch mit den Themen beschäftigt hat, sondern vieles bei der Sterbebegleitung erlebt und mit viele Empathie begleitet hat und da großartige Erkenntnisse und Erfahrungen gesammelt hat. Ich kenne kein vergleichbares Buch indiesem Bereich. Gerade als Christ erkennt man Hintergründe und andere Erklärungen, die manches verständlich machen, zu dem mannicht so ohne weiteres Zugang findet. Für den interessierten Leser ein großartiges Buch!
Macht, Gier und Angst sind, so die Autorin, die Prägungen eines Menschen. Diese hat ihren Beginn zu dem Zeitpunkt, wo ein Mensch beginnt, Subjekt zu sein. Hier sieht sie die Atmosphären des frühen Werdens als Ursachen. Damit greift sie einen Verknüpfungspunkt zu den Ergebnissen der Bindungsforschung und den Auswirkungen der frühen Erfahrungen auf die Gehirnentwicklung auf. Denn ganze Dynamiken können gekennzeichnet sein von Stress, Angst und Kompensation, etwa vor Mangel, Kampf, Flucht und Trauma. Verhaltensweisen wie Verhärtung, ein sich Schützen-Müssen, Kämpfen-Müssen sind bereits Reaktionen, uralte Reaktionsmuster auf etwas. Entscheidend für alle Weiterentwicklung, für den Charakter der Lebensdynamik.Die frühe menschliche Entwicklung ereignet sich mehr oder weniger in einer Ära von Freiheit und Vertrauen oder aber sie steht unter dem Diktat von zu viel Angst, Schmerz und Stress.Erfahrungen als Leiterin einer Psychoonkologie im täglich Konfrontiert-Sein mit Leben und Tod lassen am Horizont etwas aufblicken, was man nicht so leicht messen kann. An dieser Stelle kommt jetzt auf der einen Seite die promovierte Theologin in der Autorin zum Zuge, die auf der anderen Seite der promovierten Psychotherapeutin in ihr Antworten gibt. Welche Antwort gibt eine Religion auf diese Urfrage des Menschen, wie und wo findet er Erlösung aus seiner Prägung: statt Macht, Liebe und Bezogenheit, statt Haben Sein, statt Angst Vertrauen. Wie kann er sich öffnen für Liebe und Bezogenheit und auf Macht verzichten, wie dem Sein mehr Raum geben als dem Haben, wie schafft er Vertrauen und kann die Angst hinter sich lassen?Ausgehend von den Erfahrungen heutiger Menschen, wie sie uns in Beratung und Therapie begegnen, sucht sie Antworten in der biblischen Botschaft, die immer eine Botschaft der Befreiung ist. Angefangen von der Befreiung aus der Sklaverei im Exodus bis hin zu der Auferstehung des Jesus von Nazareth, nämlich immer dann, wenn Psychologie und Theologie über den leibhaftigen Tod hinaus Tod als Metapher im übertragenen Sinne ernst nimmt. Dann bedeutet Tot Abstieg in die Unterwelt und Auferstehung entspricht der Überwindung des Erstarrten. Gerade so betrachtet wird deutlich, es gibt jenen äußersten Punkt von Wandlung, wo vom Menschen her nichts mehr möglich ist und doch etwas in Richtung heil werden geschieht. Wobei mit dem Heil nicht unbedingt Gesundheit im somatischen Sinne gemeint ist, sondern vielmehr im theologischen, das heißt im Ganz-Werden. Das Was und das Wie solcher Haltung ist nicht erklärbar, so wenig wie wir nachvollziehen können, wie sich Christi Auferstehung ereignet hat. Aber wir wissen um das Dass (er auferstanden ist) und können Wirkung bezeugen, wie die Autorin an vielfältigen Beispielen aus ihrer Praxis mit an Krebs erkranken Menschen.Ich selber kann die Erfahrung aus der Paarberatung teilen, wenn ich erlebe, dass mitten am Tag Partner miteinander „ein Fest der Auferstehung feiern können, immer dann, wenn Sätze aufgebrochen werden und ein Lied entsteht, wenn Sperren übersprungen werden und ein neuer Geist da ist“ (Kirchenlied von Alois Albrecht).Da die Autorin nicht nur Psychologin und Theologin ist, sondern auch Musiktherapeutin, ist dem Buch eine Klang CD beigelegt. Als ich sie mir angehört habe, spürte ich augenblicklich, wie tief mich Musik erreichen kann, jenseits aller Gedanken und ein Gefühl von Hoffnung und Aufgehoben-Sein vermitteln kann. Das Buch hat mich als Paartherapeut gepackt, wenn es etwa um hochstrittige Paaren geht. Statt im Rahmen einer Mediation Sachverhalte zu klären, ist es viel wichtiger, die verletzten Kinder von damals in der Paarberatung zu sehen und diesen Erfahrungen von Angenommen-Sein, Akzeptiert-Sein und Verstehen zuteilwerden zu lassen. Dann ist vielleicht eine Tür geöffnet, dass sie sich aus ihren selbst gezimmerten Gefängnissen des Machtstrebens, des Haben-Wollens und der Angst befreien können. Andererseits ist es für mich als Christ hilfreich zu wissen, dass ich lediglich Werkzeug bin aber nicht der Baumeister.Dr. Rudolf Sanders, partnerschule.eu