Neues System der philosophischen Wissenschaften im Grundriss - Dirk Hartmann Gebunden
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Neues System der philosophischen Wissenschaften im Grundriss - Dirk Hartmann Gebunden

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Neues System der philosophischen Wissenschaften im Grundriss | Dirk Hartmann | Buch | 1298 S. | 2023

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Adrian Brücker 03.06.2024 amazon.de
Hartmann will in seinem auf 7 Bände angelegten opus magnus die zentralen philosophischen Probleme aus ihren begrifflichen Zusammenhängen untereinander entwickeln und diskutieren und dabei integrieren, von welchen Fragestellungen die empirischen Wissenschaften ausgehen, welche Methoden sie erkenntnisbringend anwenden können und zu welchen Ergebnissen sie gekommen sind und prinzipiell kommen könnten, aber auch, was begrifflich nicht in ihren Zuständigkeitsbereich fällt. Ein erheblicher Teil, die Bände 3-5, ist der erkenntniskritischen Rekonstruktion der Einzelwissenschaften gewidmet. H. nimmt also auch eine wissenschaftskritische Funktion in Anspruch, im Gegensatz zur gegenwärtig dominierenden rein affirmativen „analytischen“ Wissenschaftstheorie. Das unterstütze ich voll und ganz. Es geht im Mainstream der gegenwärtigen „analytischen“ Philosophie, die aus meiner Sicht eher pseudoanalytisch-intuitionistisch ist, im Wesentlichen nur darum, „unsere Intuitionen“ - zur Erkenntnistheorie, Philosophie des Geistes und des Willens, Ethik etc. - zu rekonstruieren und nachträglich zu rationalisieren, bzgl. der Wissenschaftstheorie darum, das Vorgehen der real existierenden Wissenschaft/ler zu rekonstruieren und nachträglich als epistemisch ideal zu begründen, und diese nicht ergebnisoffene Vorgehensweise greift meines Erachtens zu kurz. Als ob „unsere Intuitionen“ (wer sind überhaupt „wir“ und woher wissen die Intuitionisten, ob „unsere“ Intuitionen einheitlich sind?) nicht auch in die Irre führen und die real existierende Wissenschaft nicht auch massive Irrtümer produzieren könnte (vgl. auch meine eigenen Arbeiten dazu). Philosophie dieser Art hätte im Grunde – man ersetze „unsere Intuitionen“ durch „die Heilige Schrift“ – auch schon von einem mittelalterlichen Scholastiker betrieben werden können. H. dagegen rekonstruiert nicht einfach die Ergebnisse der Wissenschaften, sondern legt den Schwerpunkt auf die Frage, wie man zu diesen kommen kann, wie man tatsächlich wissenschaftshistorisch zu ihnen gekommen ist und ob das epistemisch tragfähig war. Angesichts des ungeheuren Umfangs der modernen Wissenschaft muss er sich dabei natürlich auf die wichtigsten allgemeinen Ergebnisse der verschiedenen Fachbereiche beschränken. Neben der allgemeinen Diskussion der Grundlagen und Bedingungen wissenschaftlicher Forschung in der Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie (inkl. Logik und Sprachphilosophie), der die Bände 1 und 2 gewidmet sind, und der metaethischen Klärung der Grundlagen der Ethik und normativen Gesellschaftstheorie würde ich das als wichtigste Aufgabe des heutigen Philosophen einstufen.Hier (Bd. 4) geht es um „begriffliche Analyse des empirischen Feldes im Hinblick auf das Lebendige“ (XIII) und eine Rekonstruktion der wesentlichen allgemeinen biologischen Fachbereiche unter besonderer Berücksichtigung des Erkenntnisweges. Dabei wird die Biologie im engeren Sinne von der Naturgeschichte, bei der der Schwerpunkt auf die Evolution des Menschen gelegt wird, und der Neurowissenschaft getrennt. Biologie allgemein wird als „Wissenschaft vom Lebendigen“ bestimmt, Leben über das Zeigen von „Regungen“, was H. als eigenständige Bewegung/Ruhe inkl. Wachstum definiert, wobei diese „autopoietisch“ auf Erhalt des Individuums und Ermöglichung weiterer Regungen ausgerichtet seien. Soweit würde ich folgen. Das impliziert aber i.Ggs. zu H.`s Auffassung keineswegs begrifflich, dass es sich um einen „Organismus“ handelt bzw. der Körper in einzelne Organe mit unterschiedlicher diesbzgl. Funktion zerfällt, deren Zusammenwirken unter normalen Umweltbedingungen das Individuum und seine „Regungsfähigkeit“ erhalten, auch wenn es faktisch dafür notwendig zu sein scheint. H. weist zwar richtig darauf hin, dass künstlich bzw. willentlich erzeugtes Leben nicht ausgeschlossen wird, aber offenbar wären sich selbstständig bewegende und dabei nach Bereitstellung neuer Energie strebende, auch aktiv nach Energiequellen suchende und Umwelthindernisse sowie eigene Beschädigungen zu beseitigen/beheben versuchende Wesen, die dabei aber keine einzelnen Organe aufweisen würden (sondern sich z.B. nur in irgendwelche elektromagnetischen Felder begeben müssten, um neue Energie zu gewinnen) keine Organismen. Man müsste sie aber m.E. als lebende Wesen bezeichnen. So etwas mag naturgesetzlich unmöglich sein, ist aber logisch- begrifflich durchaus möglich, und die semantischen Grenzen oder eben der – zu erwartende – semantische Vagheitsbereich von Begriffen erschließt sich ja gerade über die Prüfung solcher „absonderlicher“, faktisch nicht auftretender Grenzfälle. Eine radikalisierte Form wären, in Fantasy-Geschichten ja durchaus anzutreffende, sich von selbst bzw. ohne Energiequellen und innere Energieumwandlung bewegende Steinwesen etc., die zwar offensichtlich schon dem Energieerhaltungssatz widersprechen, aber zumindest nicht rein logisch ausgeschlossen sind.H. spricht in Bezug auf die Organfunktionen auch von teleologischer Erklärung, die er als interne von externer, die Ziel/Willen voraussetze, ausdrücklich abgrenzt, aber das ist m.E. sehr missverständlich. Gemeint ist einfach, dass etwas, z.B. Herzschlag, material notwendig (bzw. zumindest unter den meisten Umständen) und gemeinsam mit einer Vielzahl anderer Faktoren auch hinreichend für etwas anderes, sein so genanntes „Telos“ (Blutversorgung der anderen Organe etc.) ist. Man sei primär an „Funktion“ z.B. der Bauchspeicheldrüse für den Organismus interessiert. Das ist einfach ein Interesse daran, für welche Prozesse, die das Überleben des Organismus bewirken oder seine Leistungsfähigkeit erhöhen, die Bauchspeicheldrüse faktisch-material notwendig und gemeinsam mit anderem (kausal) hinreichend ist. Also ein Interesse an ganz bestimmten Zuständen/Prozessen für die andere Zustände/Prozesse relevant sind, wobei das keineswegs der Fall sein MUSS, da es ja auch dysfunktionale bzw. sogar eher schädliche Organe gibt wie den Wurmfortsatz des Blinddarms oder die männlichen Brustwarzen/drüsen (die auch bei Männern ein, geringes, Brustkrebsrisiko einschließen). Jedoch können sich solche Organe evolutionär erhalten, wenn sie eben nicht gefährlich sind für das Erreichen einer Mindestreproduktionsrate („Dysteleologie“).Weiter werden die verschiedenen biologischen Taxonomien diskutiert sowie die Bereiche der Ethologie, Morphologie, Cytologie, Mikrobiologie, Genetik, Evolution und Entstehung des Lebens, wobei die Reihenfolge zu beachten ist: Statt bei den der Sache nach basalen biologischen Strukturen zu beginnen, wird hier wie angekündigt epistemisch vorgegangen und die Reihenfolge zugrunde gelegt, in der Wissen über die verschiedenen Teilbereiche gewonnen werden kann (und wissenschaftsgeschichtlich wurde). Biologische Gesetze sind wohl nur auf enge Bereiche von Strukturen bezogen; die theoretische Integration großer Bereiche ist nicht in Sicht. Das führte zur Spaltung „szientistischer“ (Biologie noch keine „reife“ NW) und „mechanistischer“ Position, der zufolge die Biologie eigenständige Erklärungskonzeption benötige. Letzteres ist m.E. unhaltbar, aber im Bereich des Lebens mag es ja einfach keine echten Gesetze geben, bzw. nur auf begrenzte Teilgruppen (Arten usw.) bezogen, wobei dann die Klassifikation über signifikante Unterschiede inkl. Gesetzmäßigkeiten gerade einen wesentlichen Aspekt der biologischen Arbeit ausmacht. H. meint zu Recht die Covering Law- Konzeption, allerdings in seiner experimentalistischen Fassung, sei unverzichtbar. Der Status als NW werde dadurch sichergestellt, dass die intern-teleolog. Beschreib/Erklärungen immer durch Kausalerklärungen „unterfüttert“ werden könnten.Er sieht richtig, dass Artbegriffe nur für den Kontext hinreichend scharf sein müssen und dass alle Unterscheidungen, so sie echte intersubjektivierbare Unterschiede herausgreifen, auch echte Arten konstituieren („promisker Realismus“), wobei es aber signifikante Unterschiede zwischen den Einzelfällen die unter sie oder nicht unter sie fallen konstituierende Eigenschaften/Gruppen und solche gibt, die nur über marginale Unterschiede bestimmt sind (z.B. alter, Wale einschließender vs. moderner Fischbegriff). H. will „natürliche Arten“ als in den meisten Einzelfällen nicht künstlich erzeugt (guter Punkt), nicht auf Zwecke Bezug nehmend (Nutztier usw.) und in Gesetze eingebunden bestimmen; letzteres ist m.E. nicht zwingend notwendig, da auch anderweitig Signifikanz bestehen kann. Ggw. werden durchaus verschiedene Artbegriffe diskutiert, wie H. referiert, wobei sich u.a. das Problem der „Ringspezies“ stellt (A und B noch kreuzbar, B und C ebenfalls, aber A und C nicht mehr, was bei Bestimmung nur über interne Fortpflanzungsfähigkeit das Problem aufwirft, dass sich Arten überlappen, was vermieden werden soll). Es bestehe aber weitgehende Einigkeit dass bei zwei jeweils einer Art angehörigen Individuen der letzte gemeinsame Vorfahr ebenfalls der Art angehören soll. Damit sind aber überlappende Arten über die Zeit hinweg kaum zu vermeiden. Ringspezies werden aber offenbar meist tatsächlich als eine Art gesehen, partiell fehlende interne Fortpflanzungsfähigkeit also hier in Kauf genommen. Dass ein konventioneller Aspekt bei der Artabgrenzung unvermeidbar ist, wird hier natürlich offensichtlich. Bei ungeschlechtlicher, zwittriger und parthenogener Fortpflanzung will H. nach typologischen Merkmalen differenzieren, die bei normaler geschlechtlicher Fortpflanzung mit der üblichen Artabgrenzung korrelieren. Auch die Diskussion über verschiedene taxonomische Systeme zur Kategorisierung der Arten in übergeordnete Gruppen ist bis heute nicht abgeschlossen, wie H. referiert, es scheint aber die „kladistische“ Ordnung nach Abstammung und mit binären Stammbäumen zu dominieren, die auch er favorisiert. Ich sehe i. Ggs. zu H. nicht, dass eine taxonomische Nebenordnung von Amphibien, Reptilien, Vögeln, Säugetieren die phylogenet. Zusammenhänge verstelle. Wieso sollte eine Gruppe sich nicht aus einer anderen der gleichen Kategorie entwickelt haben? Meines Erachtens wird damit das was zur Debatte steht, die Signifikanz von mit Abstammung korrelierten Eigenschaftsähnlichkeiten, schon vorausgesetzt.Die Ausführungen zur Entstehung des Lebens und zur zum Menschen führenden Naturgeschichte sind sehr gewinnbringend, zumal im Gegensatz zu den meisten Darstellungen nicht einfach das (bisherige) „Endprodukt“ der Forschung präsentiert, sondern stets der Erkenntnisweg kritisch rekonstruiert wird; daraus lernt man eine Menge. H. meint zwischen richtig verstandenem religiösem Glauben und Evolutionstheorie bestehe kein Widerspruch; ein Schöpfungsbericht dürfe nicht wörtlich ausgelegt werden, weil Offenbarung die kognitiven Fähigkeiten des Menschen in seiner Zeit und Kultur berücksichtigen müsse. Dem sehe ich mich kritisch gegenübergestellt; erstens könnte ein allmächtiger Gott diese Fähigkeiten ja erhöhen, zweitens ist es auch einfach falsch, dass die größtmögliche Annäherung an die tatsächlichen Verhältnisse, die einem Menschen um 1000 v. Chr. vermittelbar gewesen sei, ein empirisch offenbar unhaltbarer Kurzzeit-Schöpfungsbericht sei. Ich sehe nicht, warum auch ein Mensch dieser Zeit die allgemeine Tatsache einer allmählichen Entwicklung von Lebensformen aus anderen, unter Veranschaulichung durch sich von den Eltern/Vorfahren immer weiter entfernende Nachkommen, nicht hätte verstehen können. H. will im 7. Band noch zeigen, dass „einschlägige religiöse Geltungsansprüche nicht falsch (oder sinnlos), sondern vielmehr sinnvoll und wahr werden“ (372). Eine beachtliche Hypothek; man darf gespannt sein.Er differenziert einen allgemeinen und den biologischen Menschenbegriff und meint, der allgemeine schlösse über Vernunft/Kultur tatsächlich auch mögliche Außerirdische etc. ein, da man diesen ja auch Menschenrechte zugestehen würde (641). Das ist aber m.E. der Problematik des Begriffs „Menschenrechte“ geschuldet, die man nur (in H.`s Sinne biologischen) Menschen als faktisch angeblich allein vernunftfähigen Wesen zugestehen wollte, aber wohl auf andere solche Wesen (und faktisch nicht vernunftfähige biolog. Menschen) ausweiten würde, wenn solche unzweifelhaft wären, womit aber der Begriff m.E. nicht mehr passen würde. Als biologischen Menschbegriff schlägt er dann vor: „Maximale Klade von Kulturwesen, welche den anatomisch modernen Menschen mit beinhaltet“. „Mensch“ (Homo) soll biologisch also jedenfalls eine Gattung bezeichnen, keine Art, wenn auch mit nur einer rezenten Art. Er meint, die Grenze zum Kulturwesen sei, zumal aufgrund der rekonstruktiven Lücken und Unsicherheiten, nicht exakt zu ziehen, und irgendwo zwischen fortgeschrittenem Australopithecus und Homo erectus/ergaster anzusetzen (Homo habilis also zweifelhaft).H. zufolge ist libertäre Willensfreiheit, die Menschen eigen sei, Voraussetzung für jede Argumentation und Erkenntnis (881). Das ist m.E. falsch, was ich hier aber nicht begründen kann; vgl. mein eigenes Buch zur Willensfreiheit.Die Rekonstruktion der Geschichte der Rassentheorien und des Rassismus, die sich an die der Frage anschließt, ob moderner Mensch und Neandertaler verschiedene Menschenarten oder nur Unterarten seien, ist sehr ausführlich und fundiert. Kants rassistische Schriften werden ungeschönt vorgestellt und diskutiert (936ff.). Kants Rassentheorie sei aber schon zu seiner Zeit kaum ernst genommen worden und habe auch kaum Einfluss gehabt, auch wenn später immer wieder allgemeine Berufungen von Rassisten (auch im NS) auf ihn als Philosophen stattfanden. Vor allem aber weist H. (gegen u.a. Eze) richtig zurück, dass Kants Rassismus aus seiner Transzendentalphilosophie folge, an der H. selbst sich orientiert, wobei er m.E. noch stärker die Metafrage diskutieren müsste, ob und wenn ja inwiefern es überhaupt möglich ist, dass deskriptive oder gar normative Positionen aus transzendentalen oder analytischen folgen. Aus letzteren folgt bekanntlich nur selbst Analytisches. Als stärkst mögliche Lesart diskutiert H. die, dass weitere Kategorisierung der Menschen „a priori auf die Vernunftidee der (sinnlichen) Natur gegründet“ sei, wobei als gesetzmäßige Einteilung auch nach vererbten Merkmalen (Rassen) gesucht werden müsse. Jedoch bleibe es jedenfalls eine empirische Frage, ob es solche Rassen wirklich gibt, und auch wenn impliziere das weder Hierarchie noch Unveränderlichkeit. Ok. Die SUCHE nach weiteren Teilgruppen innerhalb einer Spezies ist tatsächlich ein epistemisches Desiderat, was sich m.E. rein analytisch ergibt, wobei diese für wiss. Signifikanz inkl. Gesetzmäßigkeit auch bei Lebewesen auch wenn sie gefunden werden können keineswegs auf Vererbung gegründet sein müssten. Teilgruppen von Menschen können ja auch auf ganz andere Weise signifikante Abgrenzungen bilden und auch in andere Gesetze eingebunden sein.Zur Neurowissenschaft, die er ausführlich auch um ihrer selbst Willen methodisch rekonstruiert, führt H. richtig aus, dass die Erkenntnistheorie dieser logisch vorgeordnet ist bzw. man die epistemischen Grundprobleme bereits (a priori) diskutiert haben und zu Ergebnissen gekommen sein muss, bevor man Gehirn und Nervensystem fundiert untersuchen und Korrelationen mit Denkprozessen konstatieren kann, welche aber keineswegs fundieren können, ob überhaupt und wenn ja in welchen Bereichen und mit welchen Methoden Erkenntnis möglich ist. Ebenso macht er deutlich, dass Neurowissenschaft und Philosophie des Geistes grundsätzlich begrifflich unabhängig voneinander sind, auch wenn sich natürlich faktische Korrelationen/Abhängigkeiten zeigen können. Hierzu meint er weiter, es seien nur notwendige, keine hinreichenden Kausalbedingungen psychischer Fähigkeiten zu fundieren, weil hierzu die neurologischen und sonstigen Antecedenzbedingungen gezielt herbeigeführt und variiert werden müssten. Es ist hier tatsächlich kein experimentelles Niveau erreichbar, schon aus ethischen Gründen.Beeindruckendes Opus, auch wenn ich philosophisch – auch bzgl. der anderen Bände - nicht mit allem übereinstimme (das wäre ja auch langweilig). Allein aufgrund der enormen Arbeitsleistung, die hinter dem ganzen Projekt steckt, muss man den Hut ziehen. Der Preis ist natürlich schon saftig, marktbedingt (Verlage rechnen damit, dass Bibliotheken solche Bücher trotz hoher Preise kaufen, sie aber auch bei erheblich niedrigeren Preisen nicht viele andere Käufer finden würden), aber dafür gibt es auch erhebliche Horizonterweiterung. Allein die Tatsache, dass ein solches Werk kaum beachtet wird, ist bezeichnend für den Zustand der akademischen Gegenwartsphilosophie (vgl. zu diesem auch das Nachwort in meinem Buch „Grundriss einer logisch-phänomenalistischen Wissenschaftsphilosophie“ ;) ).
T. Banaschewski 03.06.2024 amazon.de
Mit dem neuen “System der philosophischen Wissenschaften im Grundriss“ erarbeitet Prof. Dirk Hartmann, der in den 1990ern in Marburg gemeinsam mit Prof. Peter Janich den methodischen Kulturalismus begründet hat - und in der Tradition der Transzendentalphilosophie Kants und des Deutschen Idealismus u.a. Hegels, der Phänomenologie Husserls, der sprachkritischen Philosophie Freges und Wittgensteins und der konstruktiven und methodisch-kulturalistischen Wissenschaftstheorie steht -, eine herausragende und höchst empfehlenswerte monographische Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften in ihrem systematischen Gesamtzusammenhang, welche die grundlegenden philosophischen Probleme– gleichermaßen für die Natur- wie die Geisteswissenschaften – nicht katalogisch nacheinander, sondern konsequent auseinander entwickelt. Unter philosophischen Problemen werden dabei sowohl die traditionellen Problemstellungen der theoretischen und praktischen Philosophie im engeren Sinne behandelt als auch die erkenntnis- bzw. wissenschaftstheoretischen Grundlagen der Einzelwissenschaften Mathematik, Physik, Chemie, Biologie, Neurowissenschaften, Psychologie und Geisteswissenschaften sowie der Naturgeschichte.In insgesamt sieben Bänden behandelt Hartmann die Erkenntnistheorie, Wissenschaftstheorie, Wissenschaftsgeschichte, Mathematik, Logik, Physik, Chemie, Kosmologie, Biologie, Neurowissenschaft, Psychologie, Ethik, Rechtsphilosophie, politische Philosophie, Religionsphilosophie - die Bände I – IV sind bereits erschienen.Band I zur allgemeinen Erkenntnistheorie untersucht zentrale erkenntnistheoretische Probleme, wie z.B. “Was ist Wissen?”, “Lässt sich eine Logik begründen?”, "Was ist Wissenschaft und wie lässt sie sich methodisch beginnen?". Band II baut auf Band I auf und behandelt - als einen spezifischen Teil der Erkenntnistheorie - die Philosophie der Mathematik und die allgemeine Wissenschaftstheorie der Naturwissenschaften. Dabei geht es z.B. um Fragen wie „was sind die Gegenstände der Mathematik?", "Lässt sich Mathematik insgesamt auf eine grundlegende Theorie zurückführen?", "Was ist Wahrscheinlichkeit?", "Was ist Messen?", "Was leisten Experimente?", "Was ist Kausalität?", "Gibt es Naturgesetze?", "In welchem Sinne existieren theoretisch postulierte Entitäten?". Band IV fokussiert auf die Biowissenschaften, deren Forschungsgegenstand machen, zwischen Physis und Psyche vermittelt. Der Band hat u.a. die methodischen Grundlagen der Neurowissenschaften und ihre Grenzen als Beitrag zur Philosophie des Geistes zum Gegenstand. Behandelt werden u.a. weitere grundlegende philosophische Fragen, z.B. was es den Menschen ermöglicht, konkretes Wissen über die Naturgeschichte des Menschen zu erwerben und wie sich in diesem Zusammenhang dann der spezifisch biologische Gattungsbegriff „Homo“ zum allgemeineren Begriff des Menschen als eines Vernunft- und Kulturwesens verhält?Die bisherigen Bände (vor allem I, II und IV) sind liefern einen grundlegenden, unschätzbaren Beitrag für das Verständnis der philosophischen Grundlagen und Gegenstandsbereiche von Psychologie, Psychiatrie, Neuro- und Kognitionswissenschaften und sind für Kliniker und Wissenschaftler, die in diesen Bereichen arbeiten unbedingt empfehlenswert.Prof. Dr. Dr. Tobias Banaschewski
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