In diesem Buch – so versprechen es die Autorinnen – wird eine neue wirkungsvolle Lernmethode vorgestellt, mit der sich Inhalte nachhaltig vermitteln lassen. Dabei geht es um prototypische Strukturaufstellungen, die klassische Situationen in Organisationen simulieren und Themen aufgreifen, die im Berufsalltag vieler Menschen von Bedeutung sind. Da ich vor Kurzem selbst meine ersten Systemaufstellungen (mit sogenannten „Repräsentanten“ bzw. „Stellvertretern“) angeleitet habe, war ich neugierig zu erfahren, wie genau ich mir systemisches Arbeiten mit dem Eisenhower-Modell zur Priorisierung von Arbeitsaufgaben oder dem Wertequadrat vorstellen kann? Inwiefern ist es überhaupt sinnvoll, dazu passende Musterfälle aufzustellen?Zunächst führen die Autorinnen in die Grundlagen der Systemaufstellungen ein, wobei sie die zentralen Fachbegriffe verständlich erläutern und zahlreiche Tipps für die systemische Arbeit geben. Was ist eine „repräsentierende Wahrnehmung“? Was unterscheidet die sogenannte „Raumsprache“ von der verbalen bzw. transverbalen Sprache? Was sind „semantische Reaktionen“? Was charakterisiert eine offene Aufstellung verglichen mit einer verdeckten oder teilverdeckten? Was hat es mit dem „Einrollen“ oder dem „Geben eines Echos“ auf sich und was hat Ludwig J. J. Wittgenstein damit zu tun?Nach diesen und weiteren einführenden Erläuterungen folgen die Kapitel über die prototypischen Strukturaufstellungen. Bei einigen der Themen, die von den Autorinnen dabei aufgegriffen werden, stellte sich mir die Frage, ob es wirklich hilfreich ist, ein solches Verfahren anzuwenden? Jedenfalls werde ich auch künftig nicht damit arbeiten. Dennoch gefallen mir einige Ansätze, die in diesem Buch besprochen werden, sehr gut! So hat mich die Vorgehensweise, die in dem Kapitel „Ziele definieren und Ziele erreichen“ dargestellt ist, dazu motiviert, sie gleich mal in einem Workshop vorzustellen und von den Teilnehmern/-innen im Rahmen einer praktischen Übung ausprobieren zu lassen. Die anschließende Diskussion hat mir aufgezeigt, dass ich mit meiner Einschätzung nicht allein bin. Die Rückmeldungen waren durchweg positiv, d. h. dass wohl in allen Gesprächen, die in den Kleingruppen (bestehend aus Therapeut/-in, Klient/-in und Beobachtern/-innen) geführt wurden, tatsächlich etwas in Bewegung gekommen ist. Für problemzentrierte Aufstellungen ist dieses Tool m. E. also hervorragend geeignet.Wie die meisten Bücher aus der Edition „Training aktuell“, ist auch dieses Werk didaktisch gut aufgebaut. Sämtliche Modelle sind so erklärt, dass sie intuitiv zu verstehen sind. Obwohl sie mir zwar fast alle bereits vertraut waren, konnte ich bei den Erläuterungen der dazugehörigen Übungen, die sich sowohl im Einzel- wie im Gruppensetting anwenden lassen, noch etwas dazulernen. Dabei wird jeder Schritt ausführlich beschrieben und es werden einem zusätzlich noch zahlreiche Tipps für die praktische Arbeit mit an die Hand gegeben.Fazit: Obwohl es sich mir bei einigen Themen nicht erschlossen hat, welchen zusätzlichen Erkenntnisgewinn die Anwendung einer „prototypische Strukturaufstellung“ bringen soll, lassen sich die entsprechenden Anleitungen problemlos so modifizieren, dass sie sich nicht nur für die Bearbeitung sogenannter „Musterfälle“ eignen, sondern sie auch bei individuellen Fragestellungen zum Einsatz kommen können. Die Anschaffung dieses Buches hat sich für mich also gelohnt!
Meiner bisherigen Erfahrung nach lässt sich Aufstellungsarbeit am besten im Tun lernen. Bisher fand ich Literatur zu diesem Thema zwar interessant, aber schwierig aus der Theorie in die Praxis zu transferieren. Umso mehr war ich gespannt auf dieses Buch. Dass Aufstellungsarbeit ein sehr komplexes Thema ist, zeigt sich bereits beim Durchblättern des Buches. Nahezu alle Interventionen sind sehr ausführlich beschrieben worden. Dies ist notwendig, damit man sich als Leser*in auch in diese Komplexität hineinversetzen und Dinge nachvollziehen kann. Der hohe Praxisbezug erleichtert es dranzubleiben und besser zu verstehen. Sehr professionell gestaltet ist der Aufbau des Buches, der zunächst die notwendigen Grundlagen einer Aufstellung erklärt, wie z.B. die unterschiedlichen Arten der Aufstellung, der Wahrnehmung und der Sprache sowie weiterführend die Durchführung von Aufstellungen. Es folgen das Lesen von Aufstellungen sowie weiterführende Beschreibungen zu Interventionen und Umsetzung in der Praxis. Im zweiten großen Teil des Buches geht es um prototypische Strukturaufstellungen in der Praxis, wo anhand unterschiedlicher Methoden, wie z.B. der Eisenhower-Matrix oder dem Modell der situativen Führung von Ken Blanchard sehr gute Anwendungsbeispiele formuliert und Anregungen für die eigene Coachingarbeit gegeben werden. Die Praxisbeispiele behandeln typische und oft vorkommende Fragestellungen, die Coachees mit in eine Sitzung bringen. Daher gefällt es mir sehr gut, dass genau solche Themen auch aufgegriffen wurden. Dies ermöglicht ein schnelles Ausprobieren in der Praxis. Beispiele hierfür sind ob eine Führungsposition angestrebt werden sollte/ zum Coachee passt oder wie man positiv und sympathisch Nein sagt.Alle beschriebenen Vorgehensweisen fand ich absolut verständlich und nachvollziehbar beschrieben. Besonders gefällt mir, dass die Interventionen sowohl in 1:1s als auch in Gruppenarbeiten angewendet werden können. Besonders wichtige Dinge sind in separaten Bildern und Boxen festgehalten. Ebenso findet man als Trainer*in/ Coach sog. Trainerhinweise, die zeigen, worauf man achten sollte bzw. die Anregungen dafür geben, wie man weiterführend arbeiten kann und ggf. abwandeln kann.Wie eingangs beschrieben, war ich eher „vorsichtig“ bzw. „neugierig“ darauf, wie sich die Autorinnen Carmen Diebolder und Kerstin Reich mit dem Thema Strukturaufstellung auseinandersetzen. Ich muss sagen, dass ich positiv überrascht bin und jedem dieses Buch empfehle, der/ die sich mit dem Thema „from scratch“ auseinandersetzen möchte. Daher gibt es von mir 5 Sterne!