An der Geschichte dieser Familie kann man vieles deutlich erkennen, was sonst im Verborgenen bleibt. Allein schon deshalb lohnt sich die Lektüre dieses ziemlich dicken Wälzers, der vermutlich auf ungewohnt tiefen Recherchen der Autorin beruht.Zunächst einmal erstaunt der von den Guccis bis zu ihrem Untergang angesammelte Reichtum. Mich hat verblüfft, wie man mit Taschen und anderem Zeug, die man in ein paar Dutzend Läden verkauft, ein solches Millionenvermögen anhäufen kann. Es wäre noch viel größer gewesen, hätten sich die Guccis nicht permanent gegenseitig verklagt. Sieht man sich einfache Gucci-Produkte aus der Gegenwart an, dann fällt auf, dass sie meistens nicht besonders schön sind, aber einen völlig überdimensionierten Preis besitzen. Warum kaufen sich Leute zum Beispiel eine hässliche Sonnenbrille für mehrere Hundert Euro? Vermutlich weil der Gucci-Schriftzug deutlich erkennbar ist. Und der sagt, dass man sich diesen Unfug leisten kann. Man unterscheidet sich gerne von anderen armseligen Zeitgenossen. Auf diesem Prinzip beruht der Erfolg aller Luxuswaren-Hersteller.Aber auch Gucci fing klein an. Mit einer Manufaktur und einem Laden. Der Gucci-Gründer hatte drei Söhne, von denen besonders Aldo Gucci einen außerordentlichen Geschäftssinn besaß. Er war es, der Gucci erst groß machte. Unter anderem dadurch, dass er in die USA expandierte. Zwischenzeitlich starb einer der drei Brüder, sodass die beiden verbliebenen Gucci-Söhne jeweils die Hälfte des Unternehmens erbten. Doch dann machte Aldo einen strategischen Fehler und gab seinen drei Söhnen noch zu seinen Lebzeiten jeweils 3,33 Prozent der Gucci-Anteile. Das war der Anfang aller folgenden Familienkriege.Denn bei den Guccis herrschte bis dahin ein eisernes Prinzip: Kinder hatten zu gehorchen und blieben ohne Firmenanteile bis der Vater starb. Doch alle Gucci-Männer waren eitel, herrschsüchtig, dickköpfig und mehr oder weniger dumm. Durch Aldos Fehler konnte nun einer seiner Söhne sich mit Aldos Bruder Rodolfo zusammentun und die Machtverhältnisse gegen ihn ändern. Das geschah dann auch. Der eigentliche Macher bei Gucci war jedoch Aldo. Die andauernden Kriege innerhalb der bald völlig zerstrittenen Familie ruinierten das Unternehmen zunehmend. Das verschärfte sich nach dem Tod von Rodolfo noch mehr, denn nun erbte dessen einziger Sohn seinen Anteil, und das Spiel begann in verschärfter Form. Ständig bildeten sich neue, aber brüchige Allianzen, die sich um die Macht im Unternehmen prügelten. Das ging so weit, dass interne Finanzunterlagen an die Steuerbehörden Italiens und der USA gelangten, was in der Folge zu erheblichen Turbulenzen im Unternehmen führten und Aldo Gucci in den Knast brachte.Man kann sich so viel Dummheit, Eitelkeit und Kurzsichtigkeit eigentlich nicht ausdenken. Und man glaubt kaum, was man in diesem Buch vorgesetzt bekommt. Aber es kam noch dicker. Rodolfos Sohn Maurizio brachte schließlich mit Hilfe einer arabischen Investmentgesellschaft Gucci mehr oder weniger an sich. Doch seine unternehmerische Unfähigkeit brachte Gucci bald darauf dem endgültigen Ruin sehr nahe. Schließlich griff die Investmentgesellschaft ein und beendete die Gucci-Führung von Gucci.Maurizio Gucci hatte sich, wie von seinem Vater vorausgesagt, sehr verändert nachdem er sein Erbe angetreten hatte. Seine Ehe ging in die Brüche, und auch dort setzte sich fort, was in dieser Familie üblich war. Schließlich endete das alles in der Ermordung Maurizios, wohl angestiftet von dessen Ex-Frau.Die ganze Gucci-Geschichte ist so haarsträubend, dass man kaum glauben kann, wie eigentlich erfolgreiche Menschen sich dermaßen gegenseitig schaden können. Aber offenbar besaßen und besitzen alle männlichen Guccis ähnliche Gene. Maurizio verkaufte seinen 50 Prozent-Anteil für weniger als 200 Millionen Euro. Heute ist Gucci mehr als 20 Milliarden wert und gehört einem französischen Konzern.Gucci-Produkte sind Blendwerk, das den Preis niemals wert ist, der für sie verlangt wird. Und die Guccis selbst waren alle Blender, die Leute mit ihrem italienischen Charme beeindruckten. Verkäufer halt. Doch am Ende ruinierten sie sich gegenseitig.Das Buch beschreibt das alles sehr detailliert und eigentlich in chronologischer Reihenfolge. Allerdings kann die wegen der zahlreichen Nebenschauplätze, die einzeln erzählt werden, nicht immer eingehalten werden.Die ganze Geschichte ist ein außerordentliches Beispiel dafür, was sich dumme Menschen gegenseitig und am Ende immer auch zum eigenen Nachteil antun können.
5,- EUR günstiger als der Neupreis, dafür erhielt ich ein Buch mit dem Stempel "Mängelexemplar" und zerdrücken Kanten.Hätte ich das Buch im Laden gesehen, hätte ich es für diesen Preis niemals gekauft.