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Vernichtungskrieg im Osten | Judenmord, Kriegsgefangene und Hungerpolitik | Hannes Heer (u. a.)
Bewertungen & Erfahrungen
3,8 von 5,0
6 Bewertungen
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Verteilung basiert auf 6 vorliegenden Einzelbewertungen.
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Redaktion21.08.2026
testmonster.de · Redaktion
Dieses Buch ist eine unglaublich wichtige und fesselnde Darstellung der schicksalhaften Verstrickung des Völkermords im Osten und der verbrecherischen Wehrmach während der Gründung der Bundesrepublik. Es ist ein essenzielles Werk, das man unbedingt lesen sollte.
Redaktion21.08.2026
testmonster.de · Redaktion
Das Buch behandelt ein sehr wichtiges und tragisches historisches Thema, bietet aber in der Darstellung einige subjektive Interpretationen, was die Bewertung etwas kompliziert macht.
Redaktion21.08.2026
testmonster.de · Redaktion
Ich habe dieses Buch für eine Recherche gekauft. Der Druck ist gut lesbar und die Seiten halten in Ordnung. Die Bindung ist etwas wackelig, aber es ist zum Lesen geeignet. Beim Durchblättern der Seiten ist alles gut nachvollziehbar.
Dank an die Autoren für dieses Buch! Endlich ein Werk, dass sich dem zweiten Genozid der NAZIs widmet: Dem Vernichtungskrieg gegen die Slawen (insbesondere in der früheren Sowjetunion).Das Buch ist keine leichte Lektüre. Die Fakten sprechen für sich. Und sie haben mich all zu oft sprachlos gemacht. Fassungslos angesichts des geschilderten Grauens und der Bestialität der Täter. Ekel über die Kälte der Planer und Organisatoren des Völkermords.An einigen Stellen musste ich einfach heulen...Was bei mir bleibt ist ein Gefühl von SCHAM. Und WUT darüber, dass auch fast achtzig Jahre danach, dieser zweite Genozid in seiner ganzen Grausamkeit und Tragweite nicht nur der deutschen Öffentlichkeit vorenthalten, sondern auch vom Politischen Deutschland geflissentlich ignoriert wird!Ich hoffe, das Buch bewegt auch andere Menschen. So wie es mich bewegt...Dirk Bunzel
Wer diese anspruchsvolle und fordernde Lektüre zur Hand nimmt und studiert, gehört in der Tat zu einer interessierten und bereits sehr kundigen Leserschaft. Die Erstauflage (2012) geht zurück auf eine Tagung zum 70. Jahrestag des Überfalls der Wehrmacht auf die Sowjetunion. In der erweiterten Neuauflage (Juli 2020) wurden zwei neue Beiträge aufgenommen: Hannes Heer geht der Rolle der Wehrmacht beim Judenmord in der Periode der Anfangsverbrechen im Juni/Juli 1941; Christian Streit untersucht die deutsche Hungerpolitik im Osten.Nur der historisch-politisch gebildete Leser wird diesen Blick in den geschichtlichen Abgrund verkraften. Denn der vorliegende Sammelband handelt vom Vernichtungskrieg im Osten und von den deutschen Verbrechen in Polen und in der Sowjetunion. Neben dem Holocaust war der Ausrottungs- und Vernichtungskrieg der Wehrmacht das übelste Kapitel in der deutschen Geschichte.Die Frage, wie mit der NS-Vergangenheit umzugehen sei, war in der „alten“ Bundesrepublik stets heftig umstritten. Schon bald nach Kriegsende wurde in weiten Teilen der deutschen Gesellschaft die Forderung laut, doch „endlich“ einen „Schlussstrich“ unter die politische und strafrechtliche Auseinandersetzung mit dieser NS-Vergangenheit zu ziehen. Hier meldete sich das „gesunde Volksempfinden“ zu Wort. Jahrzehnte später gelangte Jürgen Habermas zu der Einsicht: „Und je mehr die Bosheit zunimmt, um so stärker ist offenbar die Nötigung, das Verschuldete zu verdrängen und zu vergessen.“ Zu dieser wirkungsmächtigen Verdrängungsstrategie gegen die Legende von der sauberen Wehrmacht. Mit der Eröffnung der Wehrmachtsausstellung wurde ab 1995 diese Legende zerstört, obwohl Veteranen der Wehrmacht dagegen aufmarschierten und obwohl der damalige Bundesminister der Verteidigung Volker Rühe (CDU) den Soldaten der Bundeswehr jeden Kontakt mit der Ausstellung verbot. Freilich: Im Gefolge der Ausstellung kam es innerhalb der Bundeswehr zu einem Umdenken in der Traditionspflege. Anstößen aus der Zivilgesellschaft war es zu verdanken, dass Kasernenbenennungen, die Kriegshelden der Wehrmacht (u.a. Dietl, Kübler, Mölders) öffentlich ehrten, widerwillig umbenannt wurden.Es ist nun aufschlussreich, die historischen Erkenntnisse des vorliegenden Bandes zu vergleichen mit dem Mythengeraune des Admirals Rolf Johannesson, dessen Traditionswürde von der Bundeswehr verstockt und verbissen verteidigt wird.Der Angriff auf Polen war der Auftakt zum Vernichtungskrieg. Aber in den traditionsstiftenden Worten von Admiral Johannesson: „Die Polenkrise begann. Am 25. August 1939 erhielten wir den Befehl für den Angriff auf Polen. Ein Zipfel des Mantels Gottes rauschte durch die Zeit.“Mit dem Angriff auf die Sowjetunion begann ein rasseideologisch-weltanschaulicher Vernichtungskrieg. Hier nun die weiterhin wirkungsmächtige Deutung von Johannesson, der sich damals in Frankreich befand: „Mit Blick über die Weinfelder trank ich nachdenklich eine Flasche Rotwein. Meine Gefühle waren zwiespältig. Warum wurden bei diesem Entschluß nicht alle Kräfte auf äußerste angespannt?“ Auffallend bei Johannesson ist eine durchgängige Gefühlsstarre seiner Wahnwelt, mit deren Hilfe er die Einsicht in die überwältigende Schuldlast verdrängt und sich in das Totschweigen flüchtet.Auf Seite 56 (Anm. 141) wird Peter Bamm als Zeuge angeführt, wie SS-Kommandos Leichen verstümmelten, um die Juden zu denunzieren und Pogrome gegen sie einzuleiten. „Der Kriegsgott entfesselt nicht nur die Dämonen“, so Peter Bamm nach dem Ende der NS-Gewaltherrschaft, „er macht auch die Engel mobil.“ Sein Erlebnisbericht Die unsichtbare Flagge (1952) erlebte viele Auflagen. Hier berichtete der Autor von seinen Erlebnissen und Erfahrungen als Chirurg in der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Adolf Hitler bezeichnete er durchgängig als den „primitiven Mann an der Spitze“. Stets grenzte sich Bamm von „den Anderen“ ab, die sich in Schuld verstrickt hatten. Nach der Eroberung Sewastopols auf der Krim im Frühjahr 1942 sammelten „die Anderen“ die jüdischen Bewohner „Mauer an Mauer“ mit der Sanitätskompanie Bamms und töteten sie in speziellen Fahrzeugen, in die während der Fahrt Abgase geleitet wurden - ein Verfahren, das sich während der Euthanasie-Aktion „bewährt“ hatte. Bamm bekennt: „Wir wußten das. Wir taten nichts.“ Nach ihm ist seit 1986 in Munster die Peter-Bamm-Kaserne benannt.Auf Seite 140 stößt der aufmerksame Leser auf diese Sätze: „Am 25. Juni 1941 hatte die 11. Panzer-Division die westukrainische Stadt Dubno eingenommen. Zweidrittel der 18.000 Einwohner waren Juden. (…) An der Exekution in Dubno hatte auch ein hoher Stabsoffizier des übergeordneten LI. Armeekorps, Hauptmann Robert Bernardis, teilgenommen. Er hielt sich drei Tage beim 226. Infanterie-Regiment auf. (…) Die Exekution war also keine spontane Racheaktion für Verluste an der Front, sondern eine geplante, exemplarische Hinrichtung von Juden.Anmerkung des Rezensenten: Hier sollte Bernardis, „Österreichs Stauffenberg“, mit einer Fußnote dem Leser vorgestellt werden! Es besteht Forschungsbedarf: Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 wurde der mittlerweile zum dritten Generalstabsoffizier (Ic) des 51. Armeekorps (LI.) avancierte Offizier in einem Lager bei Shitomir, etwa 200 Kilometer westlich von Kiew, Zeuge von Massenerschießungen und Kannibalismus. Als Bernardis das Lager wieder verließ, musste er sich übergeben und sprach an diesem Tag nicht mehr. Auch bei der Einnahme von Charkow Ende Oktober 1941 musste Bernardis miterleben, wie hunderte Einwohner, vornehmlich Juden, in den Straßen öffentlich gehängt wurden. Man war entschlossen, „die Stadt durch Abschreckungsmaßnahmen und Repressalien rücksichtslos zu befrieden.“Seit Januar 2020 ist die Rossauer Kaserne in Wien, also der Sitz des Bundesmininisteriums für Verteidigung, nach Oberstleutnant Robert Bernardis und Feldwebel Anton Schmid benannt. Das Vorwort des vorliegenden Bandes stammt vom Juli 2020. Es wäre hilfreich und zielführend gewesen, wenn erfreuliche neue Ansätze in der Traditionspflege der Bundeswehr mit zwei oder drei Sätzen gewürdigt worden wären! Denn am 22. Juni 2016, am 75. Jahrestag des Überfalls der Wehrmacht auf die Sowjetunion, wurde die Liegenschaft in Blankenburg (Harz) neu benannt nach Feldwebel Anton Schmid, der Ikone des Rettungswiderstandes.
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Letzte Aktualisierung: 30.09.2026 18:21 Uhr.