Schurk, dem Schurken, der als junger Hund die Wohnung verwüstete, geht es an den Hundstagen eines brüllend heißen Sommers nicht gut. Sein Herrchen scheint auf einmal nicht mehr sein Lebensmittelpunkt zu sein. Beim Tierarzt, er kennt Schurk schon ewig, erfährt Henk, dass sein Schurk an Herzschwäche leidet und nicht mehr lange zu leben hat. Der Mitte 50jährige Intensiv-Pfleger weitet auf die Nachricht hin seinen Blick auf die Welt, als hätte jemand seine Brille geputzt und gerichtet. Dass Henk sich längst um seine Gesundheit hätte kümmern müssen, ist nicht zu übersehen. Ihm wird bewusst, dass Schurk auch seiner Ex-Frau Lydia viel bedeutet, die inzwischen in New York lebt. Seine Brüder, der Ältere starb schon vor Jahren, seine ehemalige Kollegin, die wegen Altersdemenz im Heim lebt, seine 17jährige Nichte – Henk ist zwar Single, hat jedoch innige Beziehungen zu nahestehenden Personen. Die Begegnung mit Mia, Ebenbild von Pattie Smith und auf einem Hausboot wohnend, entpuppt sich als große Überraschung – auch für Sander Kollaards Leser:innen.Henk ist - mit Ausnahme seines Bruders - offenbar von Frauen umgeben, die er schätzt und umsorgt. Als er mit dem absehbaren Tod seines Hunds Schurk konfrontiert wird, übernehmen „alte Geister“ sein Denken, als würde auch er sich vom bisherigen Leben verabschieden. Die Handlung läuft an einigen Stellen in die Zukunft voran, so wuchs meine Hoffnung, dass ich mich um Henk nicht weiter sorgen musste. “Ein Tag und ein ganzes Leben“ ist weder ein Hunde- noch ein Alte-Männer-Buch, sonder es setzt sich neben der „Henkhaftigkeit“ seines Protagonisten mit dem Sterben, schwerer Krankheit, Einsamkeit und Entfremdung auseinander. Lassen sie sich davon überraschen!
Das Buch "Ein Tag und ein ganzes Leben" von Sander Kollaard fasziniert vor allem durch seine einfühlsame und tiefgründige Erzählweise. Es geht weit über oberflächliche Betrachtungen hinaus und als Leser:in lernt man Henkt vielschichtige Facetten kennen - ein Riese auf Sand gebaut.Die Geschichte kreist um Themen wie die Vergänglichkeit des Lebens, die Bedeutung von Momenten, Erfahrungen, Verlust und vor allem reflektiert es das eigene Dasein. Kollaard gelingt es, durch die Augen seines Protagonisten, eines älteren Mannes namens Henk, den Leser auf eine ganz persönliche Reise mitzunehmen. Es ist die Art von Buch, das zum Nachdenken anregt und dabei gleichzeitig eine ruhige, fast meditative Stimmung schafft. Die detaillierten Beschreibungen des Alltags und der Natur lassen die Leser tief in die Gedankenwelt von Henk eintauchen, was das Buch besonders mitreißend macht. Am Anfang ist der Schreibstil etwas kurz und fast schon abgehackt. Die Sätze werden aber von Seite zu Seite länger und fast schon poetisch. Kollaard schafft es dabei, die kleinen, oft übersehenen Momente des Alltags in einer Weise zu beschreiben, dass das Buch noch lange nachwirkt.Die Lektüre ist nicht nur eine Erzählung über einen Tag im Leben des Protagonisten, sondern auch eine Reflexion über das, was im Leben wirklich zählt. Es lädt dazu ein, über die kleinen Dinge, die oft unbeachtet bleiben, nachzudenken und die Schönheit in den gewöhnlichen Momenten zu sehen. Es gibt Hoffnung, Wärme und Trost.Kurz gesagt, die Mischung aus Gefühl und Tiefe macht dieses Buch besonders lohnend. Es berührt das Herz und regt gleichzeitig zum Nachdenken an. Einfach wunderschön!
Ein Samstag im Juli. Henk ist 56 Jahre alt, geschieden, Krankenpfleger auf der Intensivstation und er hat heute frei. So weit, so unspektakulär.Doch Henk, der sein Leben mit Hund Schurk teilt, wird heute eine ganze Menge erleben – Schlechtes wie Schönes. Ein Tag, der so viel für ihn bereithält, dass es für ein ganzes Leben reichen könnte. Das ahnt Henk nur noch nicht, als er an diesem Morgen die Augen aufschlägt …Sander Kollaards Roman „Ein Tag und ein ganzes Leben“ heißt im niederländischen Original „Uit het leven van een hond“ und erhielt vor vier Jahren den Libris-Literaturpreis, der als wichtigste literarische Auszeichnung der Niederlande gilt.Entsprechend hoch waren meine Erwartungen und groß die Lust auf die Lektüre, auch vor dem Hintergrund, dass sich die Niederlande in diesem Jahr als Gastland der Leipziger Buchmesse präsentierten.Sander Kollaard komprimiert ein ganzes Leben auf einen Tag und diesen wiederum auf 180 Seiten. Der Leser verbringt diesen Samstag an Henks Seite, von Anfang bis Ende, und erlebt die Aufs und Abs dieses Juli-Tages hautnah mit. Ganz bezaubernd ist dabei die Freundschaft mit seiner Teenie-Nichte Rosa, denn sie und Henk mögen einander sehr. Im Mittelpunkt steht aber die innige und zu Herzen gehende Beziehung zu seinem Hund Schurk, Henks Kooikerhondje, der schwer krank ist, wie sein Herrchen an diesem Tag leider erfahren wird.Henk selbst ist sympathisch, eine Art Riesenbaby, dessen Gedanken niemals stillstehen. Er denkt und sinniert und fantasiert fortwährend in inneren Monologen. Das wird mit der Zeit ziemlich anstrengend, zumal sein Gedankenkarussell sich in fast schon kafkaesken Sätzen dreht, an deren Ende man nicht umhinkommt, den Anfang noch einmal zu lesen, um den Zusammenhang zu verstehen. Für meinen Geschmack philosophiert Henk zu viel. Und bei seinen Gedankensprüngen hinterherzukommen, ist gar nicht so leicht.Nicht nur Henk, sondern alle Figuren in „Ein Tag und ein ganzes Leben“ wirken sehr lebendig und vor allem durch sein illustres Personal hält Sander Kollaard die Balance zwischen Tragik und Komik hervorragend.Hauptdarsteller Henk befasst sich beim Philosophieren nicht mit Kleinigkeiten, sondern er widmet sich den ganz großen Fragen des Lebens – und das geht auch am Leser nicht spurlos vorbei. Dabei wagt Sander Kollaard einen Blick in die spätere Zukunft Henks – eine originelle Perspektive, die dem Leser tröstlich vor Augen führt, dass man auch schlimme Ereignisse überwinden wird. „Ein Tag und ein ganzes Leben“ verbreitet eine Art beruhigender Hoffnung und ist eine Ode an die Lebensfreude – und schon allein deshalb lohnt sich (trotz teils anstrengender Henk-Philosophie-Monologe) das Lesen dieses Buchs!