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EAN 9783990020852
Psychobiographisches Pflegemodell nach Böhm - Band I: Grundlagen
Psychobiographisches Pflegemodell nach Böhm | Band I: Grundlagen | Erwin Böhm | Taschenbuch | 304 S.
Bewertungen & Erfahrungen
4,8 von 5,0
4 Bewertungen
5 ★3
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Verteilung basiert auf 4 vorliegenden Einzelbewertungen.
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Redaktion04.07.2026
testmonster.de · Redaktion
Dieses Werk ist eine tiefgehende und faszinierende Zusammenfassung jahrzehntelanger Forschung und bietet einen unschätzbaren Einblick in das Psychobiographische Pflegemodell nach Böhm. Ich empfehle es jedem, der sich für die Psychogeriatrie interessiert.
Redaktion04.07.2026
testmonster.de · Redaktion
Das Buch bietet einen tiefgehenden Einblick in das Psychobiographische Pflegemodell und ist eine wertvolle wissenschaftliche Grundlage. Allerdings ist der Umfang sehr umfangreich, was für manche Leser eine gewisse Konzentration erfordert.
Wenn ein Fachbuch in der fünften Auflage erscheint, dann muss es überzeugend sein. Mit dem „Psychobiographischen Pflegemodell“ nach Erwin Böhm ist es so. Der österreichische Krankenpfleger und Pflegewissenschaftler hat mit seinem unorthodoxen Ansatz die Menschen überzeugt. Über die mehr als 300 Seiten hinweg stellt man sich die Frage, was denn das Erfolgsrezept Böhms ausmacht. Für mich ist es der Blick auf die Individualität der zu betreuenden Menschen und seinen Ansatz zum Verstehen der persönlichen Lebenswege gewesen.Böhm wird immer mal wieder vorgehalten, dass sein Modell einer „Psychobiographischen Pflege“ zu wenig Struktur habe und die Nachweisbarkeit einer Evidenz zu schwierig sei. Kritikern kann sicher entgegengehalten werden, dass die Lebenswege der zu pflegenden Menschen so vielfältig sei, dass es auch einmal Sinn macht, diese Wege nicht in die Schubladen verkürzter Denkmodelle zu stecken.Böhm hat sein Berufsleben lang vor allem in der Gerontopsychiatrie gewirkt. Seinem Grundlagenwerk „Psychobiographisches Pflegemodell“ ist dies anzumerken. Böhm versteht sein Modell als einen „dynamischen Prozess“ (S. 29). Es zeichne einen „gangbaren, praxisrelevanten Weg“ (S. 30). Er bringt wiederholt den Begriff des Verstehens in den Diskurs ein. Ganzheitlichkeit bedeutet nach seinem Verständnis „meine und die Seele des anderen verstehen lernen“ (S. 31).Kritisch blickt Böhm auf seine Kolleginnen und Kollegen in den pflegenden Berufen. Sehr plastisch formuliert er: „Nun stellt aber Pflegen an und für sich schon eine Ausnahme-, eine Grenzsituation dar. Es ist somit nicht verwunderlich, dass wir Pflegenden instinktiv – regredient oder aggressiv – agieren. Wir setzen aufgrund der extremen Belastungssituation regredierende Ersatzhandlungen, schalten unseren Muttertrieb, unseren Bruttrieb ein oder nennen gar den Klienten Omi oder Opa.“ (S. 33)Für Böhm steht die Beziehung im Fokus der Betrachtungen. Beziehung heiße, „etwas weiterzugeben, also dass ein Mensch auf den anderen weiterwirkt“ (S. 44). Dieser Ansatz erscheint für viele Pflegende als eine Herausforderung. Schließlich provoziert dieses Denken und Fühlen Böhms professionell Pflegende, denen ein Abarbeiten und Lösen von Problemlagen näher liegt als ein Verstehen und Eingehen auf ein Gegenüber.Was Böhm von den Berufskolleginnen und Berufskollegen einfordert, ist ein gelebter Paradigmenwechsel. Sein Modell sei ein Mittel gegen eine zu hohe Medikation, „da ein Mehr an Pflege ein Weniger an Medikation bedeutet“ (S. 68). Das Modell fördere die Ich-Identität des Pflegenden und des Klienten (S.68).Neugierig macht beispielsweise die Böhmsche Unterscheidung zwischen den Begriffen der Erinnerung und des Gedächtnisses. Ein Gedächtnis habe man für Daten, Hausnummern, Gesichter und Vokabeln, die man auswendig lerne. Erinnerung zeige, „dass es mehr im Inneren wurzelt“ (S. 113). Bei der Erinnerung handele es sich um Bestandteile des eigenen Lebens, „also um Tatsachen, die eine positive oder negative Bedeutung haben und dem Lebenszusammenhang als sinnbestimmend zugeordnet sind“ (S. 113).Die Ideen von Böhm sind eine ständige Anregung für den pflegerischen und insbesondere psychiatrisch-pflegerischen Praktiker. Sein Modell hat er vor allem für gerontopsychiatrische Versorgungsbereiche entwickelt. Er regt jedoch gleichzeitig die Kreativität des Praktikers an, der im allgemein-psychiatrischen Versorgungskontext tätig ist. Denn es geht um den grundsätzlichen Zugang zum Menschen und um den bodenständigen Umgang mit Menschen, die in Ausnahmesituationen leben.Wenn wir nur ein wenig von den Alten verstehen wollten und ihre Bedürfnisse ernst nähmen, müssten wir schon die Biographie, das Daheim wenigstens kennenlernen, wenn wir sie schon nicht verstünden. Wir müssten ihr gelebtes Leben begreifen lernen, die Geschichte historisch, regional vor allem aber singulär nachvollziehen können. Erst dann könnte, so Böhm, von Bedürfnispflege und Ganzheitlichkeit gesprochen werden. Dies setzt voraus, einer Entfremdung Adieu zu sagen, die das Miteinander von Pflegenden und Gepflegten prägt. Böhm gibt zu bedenken, dass Ärzte und Pflegende Latein sprächen, Klienten sprächen Dialekt (S. 133).Böhms „Psychobiographisches Pflegemodell“ fordert den pflegerischen Praktiker heraus. Formales Denken gerät in den Hintergrund. Subjektivität rückt in den Vordergrund. Für die Menschen, die gepflegt werden müssen, kann dies nur eine gute Nachricht sein. Leider ist nur der Weg von der Idee Böhms zur konkreten Umsetzung seines Modells vor Ort ein weiter.Böhms Biographie-Bezogenheit hat eine deutliche Überzeugungskraft. Seine Terminologie spricht für sich. Das Daheim nimmt er in den Blick. Das Normalitätsprinzip konkretisiert er. Es gehe dabei um Alltagserleben und Autonomie. Dass er in diesem Zusammenhang Schlüsselreize anspricht, ehrt Böhm. Das vergessene Material erscheint identitätsstiftend.Pflegerische Praktiker müssen Böhms „Psychobiographisches Pflegemodell“ nicht als das Rezept zu einer gelingenden Pflege verstehen. Was die Praktiker jedoch zugestehen und auch in die Tat umsetzen müssen, dies ist die Beachtung mancher inhaltlicher Inspirationen. Sie tun den Menschen gut, die pflegerischen Praktikern anvertraut sind.
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Letzte Aktualisierung: 28.09.2026 14:11 Uhr.