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Die Schrecken des Eises und der Finsternis | Christoph Ransmayr | Buch | Lesebändchen | 280 S.
Bewertungen & Erfahrungen
4,6 von 5,0
5 Bewertungen
5 ★3
4 ★2
3 ★0
2 ★0
1 ★0
Verteilung basiert auf 5 vorliegenden Einzelbewertungen.
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Redaktion27.05.2026
testmonster.de · Redaktion
Dieses Buch ist ein absolut faszinierendes Abenteuer, das mich von der österreichisch-ungarischen Nordpolexpedition tief in die eisige und mysteriöse Welt entführt. Die Beschreibung der Schrecken und der Finsternis ist meisterhaft und hält das gesamte Buch fesselnd.
"Denn das Vorspiel zu Manzinis Verschwinden begann, als er unter den antiquarischen Beständen der Buchhandlung Koreth die mehr als hundert Jahre alte Beschreibung einer Eismeerfahrt entdeckte, die so dramatisch, so bizarr und am Ende so unwahrscheinlich war wie sonst nur eine Pahantasie: Es war der Bericht Julius Ritter von Payers über die k.u.k. österreich-ungarische Nordpolexpedition..."Diese Begeisterung für ein abseitiges Thema durch ein altes, fast vergessenes Buch aber geschah offenbar nicht nur der fiktionalen Gestalt von Josef Manzini. Auch Christoph Ranzmayr, erfahrender Autor mit einer Neigung zu Romanen, denen irgendwie das Ende fehlt, scheint in einem Antiquariat auf etwas gestoßen zu sein, was ihn nicht wieder losgelassen hat. Und auch ich, als Leser von Ransmayrs Buch und Rezensent, habe diese Erfahrung gemacht. Ausgangspunkt zur Entdeckung dieses Romans war genau der Kauf des Expeditionsberichtes von 1876, in dem über die Fahrt in den Jahren 1872 bis 1874 in den hohen Norden berichtet wird. Und da dieser Bericht im Original mit seiner antiquierten Schrift, seinen vielen Illustrationen und seiner manchmal ein wenig weitschweifenden (fast 700 Seiten plus zwei schöne Karten), aber dennoch unglaublich spannenden Handlung, seiner soliden Bindung und seines prachtvollen Einbandes wirklich ein Schatz ist, kann ich die merkwürdige Begeisterung von Manzini und Ransmayr nur teilen.Um Entdeckungen geht es, und zwar um Entdeckungen rein um des Entdeckens willen, fern von jedem finanziellen oder machtpolitischen Interesse. Um das Leiden einer einsamen Gruppe von Männern gefangen jenseits der Grenzen der bekannten Welt geht es hier. Es geht darum, wie die Natur, die Kälte, die Dunkelheit, die Formation einer Landschaft Menschen an die Grenze bringen, diese es dann aber doch schaffen, die letzten Grenzen der Zivilisation gerade nicht überschreiten - denn Teilnehmer anderer, gescheiterter Expeditionen haben genau das getan, wie Ranzmayr ebenfalls hier erzählt. Und dann geht es auch noch um soziale Hierarchien, die sich auch in extremen Situationen bewahren (der Autor scheint mir recht konservativ zu sein in diesem Punkte). Und nicht zuletzt geht es um die Schönheit einer einsamen Landschaft, die aus sich heraus Menschen so sehr verändern kann, dass sie ihrem eigenen Schicksal fremd werden können.Großartig geschrieben ist dieses Buch, auch weil Ranzmayr es diesmal nicht mit seiner Sprachkunst übertreibt. Und weil er oft genug die originalen Quellen sprechen lässt, die eigenes Erleben zeigen und deshalb diesem Roman in die Nähe eines Tatsachenberichtes führen. Aber das wäre nur die halbe Wahrheit, denn dem Furor der Entdecker des 19. Jahrhunderts ist die entsprechende Verrücktheit aus dem 20. Jahrhundert in Form des schon genannten Manzinis gegenüber gestellt. Und man merkt, dass dies alles nicht zuletzt ein etwas trauriger Blick von heute auf gestern ist: Das Zeitalter der Pioniere wird so nicht wiederkommen. Statt Entdeckern und einsamen Jägern kommen die Rohstoffkonzerne. Und diese Entwicklung dürfte seit den 80er Jahren noch eine weitere Wendung genommen haben. Jetzt sind es die Touristen, die ins Eis wollen. Profanisierung nennt man das, glaube ich.Beide Bücher, den Bericht über die Nordpolexpedition aus dem 19. Jahrhundert und seine literarische Verarbeitung aus den achtziger Jahren des zwanzigsten Jahrhundert zugleich lesen zu können, war jedenfalls das bisher großartigste, literarische Erlebnis dieses (allerdings noch jungen) Jahres. Mir wird das in Erinnerung bleiben. Und vielleicht mache ich mich ja doch selbst noch auf in den hohen Norden wie Manzini...
Entdeckergeschichten sind per se für mich interessant, umso mehr, als Ramsmayr von einen doch etwas unbekannten Entdeckerfahrt erzählt. Im Kontrast schildert er einen Nachahmer nach mehr als 100 Jahren im Düsenflugzeugzeitalter. Offenbar wollte er diesen Kontrast, obwohl dadurch für mich die eigentliche Story etwas verwässert wird!
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Letzte Aktualisierung: 29.09.2026 18:10 Uhr.