"Die dunkle Seite des Mondes" handelt von einem Wirtschaftsanwalt, der, unzufrieden mit seinem Leben und in der Midlife-Crisis, in die Hippie-Szene gerät, in welcher es Ritual ist, psychedelische Pilze zur Bewusstseinserweiterung zu sich zu nehmen. Durch dieses Experiment ändert sich das Leben des Anwalts nachhaltig.Soweit die Geschichte, ohne zuviel verraten zu wollen.Die Idee, das Spannungsverhältnis zwischen dem hochmodernen Menschen (Urs Blank) und seinen natürlichen Wurzeln (der Wald, der zum Lebensmittelpunkt von Urs Blank wird) auf diese Weise herauszuarbeiten, gefiel mir sehr gut. Mit einer Prise schwarzem Humor gelingt es Martin Suter regelmäßig, den Leser zum Schmunzeln zu bringen. Die Geschichte bietet viel Interpretationsspielraum, ist oberflächlich aber sehr leicht zugänglich und liest sich wie ein Jugendbuch oder ein Krimi. Deshalb wurde "die dunkle Seite des Mondes" wohl auch von den Kultusministerien als Schullektüre ausgewählt.Jedoch: Diese Stärke des Buches ist gleichzeitig auch seine Schwäche. Stilistisch hat Martin Suter nicht viel zu bieten; kurze Sätze, viel Dialog, einzig die Naturbeschreibungen stechen etwas hervor. Auch der Plot als solches ist keine runde Sache. Zu viele Handlungsstränge bleiben ungelöst, Charakter tauchen auf und verschwinden einfach wieder, zu Ende hat man sogar das Gefühl, einen 0815-Krimi zu lesen. Wieso musste dieser sinnloser Handlungsstrang mit der Polizei eingeführt werden? Wahrscheinlich, um solche Leser, die bisher eher gelangweilt waren (und somit das Buch offensichtlich nicht verstanden haben), doch noch zu "fangen". Es hätte vollkommen gereicht, hätte Suter sich auf Urs Blank konzentriert. 50 Seiten weniger hätten dem Buch gut gestanden.Ebenfalls schwer verständlich war für mich, wieso das Pilz-Thema nun die ganze Geschichte durchziehen musste. Suter hat sich bestimmt etwas dabei gedacht, evtl. werde ich dazu noch einige Interpretationen lesen müssen. Notwendig war es jedenfalls nicht. Die radikale Abkehr des Urs Blank vom zivilisierten Leben hätte dem Buch völlig genüge getan.Fazit:"Die dunkle Seite des Mondes" ist mitnichten ein literarisches Meisterwerk. Handwerklich gewinnt Martin Suter bei mir keinen Platz im Bücherregal. Jedoch habe ich selten ein Buch gelesen, in dem der innere Konflikt des modernen Menschen auf eine derart lustige und unterhaltsame Art und Weise dargestellt wurde. Mit einer stärkeren Konzentration auf diese Facette hätte das Buch ein wirklich Großes werden können. So ist es nur ein überdurchschnittlich gutes Buch, welches besonders für jüngere Leser geeignet scheint, da es sich ohne Anstrengungen lesen lässt, aber dennnoch viel Sprengstoff für Diskussionen bietet.