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Kleine Geschichte Tibets | Karénina Kollmar-Paulenz | Taschenbuch | Beck Paperback | 216 S. | 2026
Bewertungen & Erfahrungen
3,5 von 5,0
4 Bewertungen
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1 ★0
Verteilung basiert auf 4 vorliegenden Einzelbewertungen.
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Redaktion17.08.2026
testmonster.de · Redaktion
Ein informativer und anschaulicher Überblick über die Geschichte Tibets, der sehr gut für einen ersten Einblick ist. Allerdings fehlen mir noch ein paar detailliertere historische Einblicke.
Das Buch ist eine exzellente kurze Studie der politischen und kulturellen Entwicklung Tibets. Nahe an den Quellen, gibt es sich keiner Mythologisierung hin.
1951 marschierte die Armee der Volksrepublik China in Tibet ein, um den buddhistischen Staat zu annektieren. Seitdem ist Tibet als autonome Region Teil der Volksrepublik. Dabei kommt es immer wieder zu Protesten, Aufständen und Zusammenstößen von Tibetern mit chinesischen Soldaten. Der 14. Dalai Lama, der eigentliche Führer der Tibeter, kämpft aus dem Exil gegen die Besatzungsmacht.So kennt man Tibet am Anfang des 21. Jahrhunderts. Weniger bekannt ist die Vorgeschichte dieses Staates am Himalaya. Die "kleine Geschichte Tibets" von Karénina Kollmar-Paulenz, Professorin an der Universität Bern und Expertin für Religions- und Kulturgeschichte Tibets und der Mongolei, soll hier Abhilfe schaffen. Auf rund 150 Seiten wird die Geschichte des Landes vom 7. Jahrhundert bis heute nacherzählt. Aufgrund der schon im Titel angesprochenen kürze des Buches kann natürlich lediglich ein grober Überblick über die Geschichte des Landes gegeben werden.In der Einführung erhält der Leser auf rund 10 Seiten eine kurze Übersicht über Geographie, Völker, Sprachen und Erforschung Tibets. Anschließend folgen im ersten Drittel des Buches die frühen Jahre bis ins 12. Jahrhundert. Über Tibet in dieser frühen Zeit ist jedoch relativ wenig bekannt, und so beschränkt sich die Geschichte hier mehr oder weniger auf eine Auflistung der jeweiligen Herrscher und ihr Verhältnis zur Religion. Interessanter wird es ab dem 13. Jahrhundert, wenn Tibet in ständigem Konflikt mit der Mongolei und China steht, der Aufstieg des Buddhismus und die Epochen der Dalai Lamas beginnen. Die letzten rund 20 Seiten des Buches beschäftigen sich schließlich mit den Jahren nach 1950 und der chinesischen Annektierung des Landes.Im Anhang befinden sich neben Quellen, Anmerkungen und Registern drei zu vernachlässigende Karten, eine gute Zeittafel und Auflistungen der Dalai Lamas und Panchen Lamas, sowie wissenschaftliche Transliterationen von tibetischen Namen und Worten.Die kleine Geschichte Tibets von Karénina Kollmar-Paulenz hilft, einen groben Überblick über die Geschichte Tibets zu bekommen, und erfüllt somit ihren Zweck. Allerdings kommt, obwohl das Buch nur rund 150 Seiten umfasst, besonders im ersten Teil gelegentlich Langeweile auf. Zum Teil mag dies daran liegen, dass gerade über die frühen Jahrhunderte zu wenig Informationen über Tibet vorliegen, um eine spannende Geschichte zu erzählen, doch streckenweise verstärkt der etwas trockene Schreibstil dieses Gefühl auch noch weiter. Und so erfüllt die kleine Geschichte Tibets zwar ihren Zweck, macht aber leider nicht immer Spaß.
Geschildert wird die Geschichte dieses Landes am (unter dem? auf dem?) ‚Dach der Welt’. Dabei wird deutlich, dass die religiöse Ausrichtung des traditionellen, durch den im Exil lebenden Dalai Lame verkörperten Tibets, wie wir sie in der Öffentlichkeit, den Nachrichten, der Presse etc. wahrnehmen, erst vor zwei- bis dreihundert Jahren entstanden ist. Auch gab es nie eine einheitliche politische oder religiöse Identität der Tibeter; ganz im Gegenteil ist die Geschichte dieses Landes eine Gesichte von Kriegen (wie bei den meisten Ländern der Welt), nicht nur nach außen, sondern besonders gern in inneren Auseinandersetzungen.Überhaupt bildet sich eine politische und kulturelle Identität Tibets eigentlich erst in der Zeit der Exilregierung, also seit Mitte des 20. Jahrhunderts, heraus, die sich, obwohl nur in Teilen gelingend, hauptsächlich speist aus dem Wunsch, eine Gegenmacht zu China aufzubauen. Dies zeigt das Buch gut nachvollziehbar auf. Die Autorin ist eindeutig parteilich für ein unabhängiges Tibet und gegen die chinesische Besetzung, verschweigt dabei aber nicht die Einflüsse, die auswärtige Mächte, insbesondere Großbritannien und die USA, bis in die heutige Zeit hinein durch geheimdienstliche und andere Aktionen zu nehmen versuchen.Einen deutlichen Mangel weist diese Geschichte Tibets allerdings auf: Es ist Geschichte aus der Sicht der Herrschenden oder der herrschen Wollenden, also jener religiösen und weltlichen Kräfte des Landes, die seine Geschicke bestimmten. Das ist mangelhaft insofern, also China seine Interventionen der letzten Jahrzehnte begründet mit dem Los der breiten ‚Volksmassen’, die abhängig, in Armut und Unterdrückung lebend, von Wohlergehen und Selbstbestimmung ausgeschlossen seien. Von diesen Menschen erfährt man so gut wie nichts. Diese Art Geschichte zu betrachten und wiederzugeben ist schon lange nicht mehr zeitgemäß, weil unvollständig.Das Buch beschränkt sich auf die Händel der politischen und religiösen Eliten. Auch der Widerstand gegen die chinesische Oberhoheit wird nur aus diesem Blickwinkel beleuchtet.Geht es dem ‚einfachen Volk’, also dessen Mehrheit, besser als vor 50 oder 60 Jahren? Und wird das auch so empfunden? Darüber erfährt der Leser in diesem Buch leider nichts.
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Letzte Aktualisierung: 21.10.2026 18:18 Uhr.