An 2 Tagen habe ich dieses kurze, aber wichtige Büchlein über eine Familie,In einem Bergdorf Anfang des 20. Jahrhunderts gelesen, die großes Leid ertragen musste.Monika Helfer schreibt über ihre Großmutter Maria, die mit ihrem Mann Josef in einem Bergdorf, vermutlich im Vorarlberg, ein bescheidenes zu Hause ihr eigen nannte. Maria ist wunderhübsch, so schön, dass sie allen Männern den Kopf verdreht. Diese können gar nicht anders, als sie anzuschauen. Der erste Weltkrieg bricht aus, und ihr Josef muss in den Krieg ziehen. Er beauftragt den Bürgermeister des Ortes, darauf Acht zu geben, dass Maria treu bleibt, er soll die Männer fernhalten. Maria wird schwanger, ob von Josef, der zweimal auf Front Urlaub nach Hause kam oder von jemand anderem erfahren wir nicht. Die ganze Dorfgemeinschaft rechnet sich aber auf Basis von Gerüchten und Mutmaßungen aus, dass Josef nicht der Vater ist. Von da an geht es der Familie mit vier, bald fünf Kindern, immer schlechter. Und auch Josef glaubt nach seiner Heimkehr, dass das „Balg“ nicht seins ist.Dieses Buch hat mich traurig und auch wütend zurückgelassen. Es ist schwer auszuhalten, wenn man merkt, wie abhängig man vom Urteil anderer ist. Zumindest hing in der Vergangenheit häufig das Überleben davon ab. Und wie schäbig Menschen dies ausnutzen können ist für mich unfassbar.Maria, eine eigentlich sehr lebensfroher Person, wird sehr lethargisch beschrieben , fast wehrlos oder so, als hätte sie eh keine Chance, irgendetwas klarzustellen. Lorenz scheint seinem Alter weit voraus. Eine ziemlich große Last, der Verantwortung lädt der Neunjährige sich auf seine Schultern. Die erwachsenen Männer kommen in diesem Buch nicht besonders gut weg. Sie sind dominant und agieren über die Köpfe von Frauen und Kinder hinweg. So war es damals wohl.Dies ist kein Buch für zwischendurch. Obwohl es nur knapp 160 Seiten hat, muss man sich beim Lesen gut konzentrieren. Es gibt kaum wörtliche Rede, die gekennzeichnet ist. Die Sprache wechselt oft schnell zwischen indirekter und direkter Rede, sowie Dialogen oder Mutmaßungen der Autorin, so dass ich einige Male von Protagonisten der Geschichte ausging, die es aber dann in dem Moment doch nicht waren. Die Sprache wirkt oft etwas altmodisch. Besonders wenn die Menschen sich miteinander unterhalten und sich gegenseitig in der dritten Person Singular befragen. Oft gibt es Wiederholungen, einzelner Wörter im gleichen Satz. Auch die Zeitsprünge, die manchmal sehr abrupt passieren, verlangen höchste Aufmerksamkeit, denn wir erfahren nicht nur die Ereignisse rund um Maria und Josef, sondern erhalten auch Einblick in das spätere Leben der Kinder und Enkelkinder, zu denen die Autorin gehört. Ich konnte dem Buch aber trotzdem gut folgen.Insgesamt hat mich die Geschichte über zwei Tage sehr gefesselt und mich emotional berührt. Ich werde sicherlich auch die beiden Folgebände der Autorin lesen.