Kaz Brekker gehört zu einer der Gangs von Ketterdam, und man sagt ihm allerhand nach, auch, dass er Unmögliches möglich machen kann. Als einer der Kaufleute des Kaufmannrates sich an ihn wendet, hat dieser einen wahrlich unmöglichen Auftrag für ihn, er soll jemand aus dem Eistribunal befreien. Kaz traut sich das schon zu, aber nicht allein, er muss zunächst noch ein paar besonders talentierte Mitstreiter rekrutieren – zu Sechst machen sie sich schließlich auf nach Fjerda, um Unmögliches möglich zu machen.Der Roman spielt in der Grisha-Welt der Autorin, aber auch wenn man diese nicht oder nicht gut kennt, kann man ihn verstehen und genießen. Ich selbst habe vor Jahren „Goldene Flammen“ gelesen, und danach – leider – keinen weiteren mehr. Die Welt ist durchdacht, aber es gibt ja einige Romane, die in ihr spielen. Das Eistribunal befindet sich in Fjerda, wo auch die Drüskelle beheimatet sind, diejenigen, die, wie Hexenjäger, fanatisch nach Grishas suchen. Und, überraschenderweise wird unter Kaz Mitstreitern auch einer von ihnen sein. Zu Beginn des Romans gibt es eine Karte der Welt und eine des EistribunalsDie Hauptcharaktere lernt man nach und nach besser kennen, dazu trägt auch bei, dass abwechselnd aus ihren verschiedenen Perspektiven erzählt wird, wobei – leider – einer von ihnen, nämlich Wylan, ausgelassen wird. Schade, wie ich finde. Jeder der Sechs ist besonders, und man erfährt nach und nach mehr über sie, Dinge, die zunächst noch Fragen aufwerfen, werden entschlüsselt. Ich kann gar nicht sagen, wen ich am liebsten mag, sie sind alle interessant und haben ihre guten und schlechten Seiten.Zunächst fand ich den Roman recht langatmig, und ich wusste nicht, ob ich die vielen Seiten bis zum Ende durchhalte, obwohl es nicht uninteressant zu lesen war, doch dann, etwa zur Mitte, hat die Spannung ordentlich zugelegt, und ich konnte das Buch kaum noch aus der Hand legen. Es endet mit einem Cliffhanger, aber es handelt sich ja auch um den ersten Band einer Dilogie – ich bin schon sehr gespannt auf den Nachfolgeband.Es hat ein bisschen gedauert, doch dann hat mich der Roman sehr gefesselt. Sehr interessant sind auch die Welt und die Charaktere, über die man nach und nach immer mehr erfährt. Ich vergebe 4,5 Sterne, die ich, wo nötig, aufrunde, und eine Leseempfehlung für Genrefans.
Man stelle sich eine dezent europäisierte Fantasywelt im Zeitalter der frühen Industrialisierung vor, in der bestimmte Individuen Feuer, Wasser, Wind, Menschen und Rohstoffe beeinflussen können. Jene "Grisha" genannten "Elementarmagier" (der Begriff trifft es nicht ganz, die Fähigkeiten aber um so mehr) haben jedoch kein leichtes Leben und werden entweder staatlich verfolgt oder aber von mächtigen Gruppierungen gekauft und für ihre Zwecke benutzt. Kaz Brekker, seines Zeichens Leutnant einer der Banden Ketterdams, erhält den Auftrag, den Hersteller einer Art Droge, die in der Lage ist, die Kräfte der Grisha in chaotischem Ausmaß anwachsen zu lassen, aus seiner Hochsicherheitsverwahrung zu entführen. Gemeinsam mit einigen Spezialisten macht er sich an jene unmöglich erscheinende Aufgabe, gerät dabei aber immer mehr in ein Netz aus Intrigen- glücklicherweise ist er selbst ein Meister jenes tödlichen Spiels.Zu Beginn tat ich mich etwas schwer, denn die Ereignisse entflechten sich eher zäh und die Protagonisten erscheinen recht stereotyp. Wenn man sich ein Mal durch "Das Lied von Eis und Feuer" und die "Hexer"-Saga gelesen hat, fällt es aber wohl generell schwer, sich bei neuem Lesestoff nicht unweigerlich daran zu erinnern, was jene Werke so auszeichnete - ein, im Grunde, immer wieder unfairer Vergleich. Lässt man diesen fallen und erreicht gemeinsam mit Kaz & Co. die eisigen Weiten Fjerdas, steigt mit ihm in das unknackbare Eistribunal ein und begleitet ihn auch bei den finalen Zügen der Ereignisse, sieht das schon wieder ganz anders aus. Die anfangs austauschbar wirkenden Figuren erhalten ausreichend Raum, sich zu entwickeln und sobald man die letzte Seite hinter sich hat, kann man eigentlich kaum anders, als sich auch den zweiten Teil heranzuholen. Übrigens war dieses Buch mein erster Kontakt mit dem "Grishaverse" und ich konnte der Geschichte und der Welt auch ohne Vorkenntnisse aus anderen Werken gut folgen. Auch die Covergestaltung mit dem teils geprägten Titel und der an den Seiten schwarz eingefärbte Buchblock passen wunderbar.Warum "nur" vier Sterne? Wie gesagt, verläuft der Einstieg etwas zäh und sterotyp. Hat man die ersten 100 Seiten erst einmal hinter sich, gibt sich das aber zunehmend. Dazu gibt es einige Schlampereien im Lektorat, ich würde sogar fast behaupten, dass es in diesem Band mehr Schreibfehler als in der gesamten "Geralt"-Saga gibt. Die kann man runterschlucken, da sie den Lesefluss nicht wirklich behindern.Schnöder Einstieg, gute Entwicklung und packendes Finale. Wer sich gerne durch mehr oder weniger einschlägige Fantasywelten liest, darf auch ohne bisherige "Grishaverse"-Kenntnisse einen oder mehrere Blicke riskieren.