Der Roman spielt in einer Kleinstadt im Südosten Irlands in den 60er Jahren. Durch die ruhige und nachdenkliche Erzählweise erschliesst sich einem die Geschichte erst nach und nach und wird mit fortschreitender Lektüre immer eindringlicher.Nora, die Protagonistin ist eine mutige Frau, die sich über Konventionen hinwegsetzt, keineswegs unsympathisch erscheint und immer mit einer grossen Gelassenheit und Ruhe, die Dinge angeht. Dies geschieht nicht immer zur Freude ihrer Mitmenschen. Eine Grimmigkeit, wie sie auf dem Umschlag des Buches beschrieben ist, konnte ich jedoch nicht ausmachen. Mir erscheint die Handlungsweise der Figur durchaus klug, sich stets den Abhängigkeiten bewusst (Arbeit, Familie, Gesellschaft). Trotz ihrer grossen Trauer um den geliebten, verstorbenen Ehemann gelingt ihr die Rückkehr ins gesellschaftliche Leben und dies oft entgegen der vielen gut gemeinten, aber auch teils überfordernden Ratschläge der Umgebung.Nähe und Distanz der gesellschaftlichen und familiären Beziehungen werden sehr feinsinnig dargestellt. Man spürt auch als Leser intuitiv, welche Zuwendungen echt und ehrlich gemeint sind. Es sind nicht immer diejenigen Personen die aufrichtigsten, welche Nora am nächsten stehen.Ein sehr lesenswerter Roman, den man ungern zur Seite legt, wenn er zu Ende ist.
Nora Webster, verliert viel zu früh ihren Mann und muss sich und ihre 4 Kinder im Irland der Sechzigerjahre durchbringen. Gegen alle Konventionen und immer unter Beobachtung der Familie und der Nachbarn emanzipiert sie sich und findet den Weg in ein selbstbestimmtes Leben.So habe ich den Klappentext verstanden. Ich hatte mich auf eine interessante Geschichte gefreut, ich hatte mich darauf gefreut etwas mehr über das Irland der Sechziger Jahre zu erfahren und dem Leben der Frauen in dieser Zeit.Eins vorweg, ich mochte das Buch wirklich, ich konnte Noras Sorgen um ihre finanzielle Existenz und um das wohlergehen ihrer Kinder und die Sehnsucht nach ihrem Mann und ihr früheres Leben, absolut mitfühlen und damit auch die Entscheidungen die sie teilweise treffen musste.Dafür gebe ich schon mal eine absolute Leseempfehlung, das Buch ist schön, anders kann ich es gerade nicht beschreiben. Es erzählt die Geschichte vieler Frauen, ob sie nun in der Vergangenheit lebten oder im hier und heute.Der Schreibstil ist angenehm und flüssig, ich habe mich zu keiner Zeit gelangweilt.Jetzt kommt aber das große Aber, das ihr sicher schon erwartet habt.Achtung SpoilerNora muss nicht um ihre Existenz kämpfen, sie hat ein Ferienhaus, das sie verkauft, zwei Renten und sie bekommt einen Job in der Firma, in der sie schon vor ihrer Heirat gearbeitet hatte, ihre Kinder werden finanziell unterstützt so das sie studieren können oder auf einem Internat zur Schule gehen können. Sie kann sich auf ihre Familie immer verlassen. Sie ist nicht wohlhabend, aber es reicht und sie wird in der Gesellschaft geachtet.Niemand sieht sie schräg an, weil sie arbeitet oder sich die Haare färbt, komische Blicke erntet sie nur, weil das Ergebnis wohl eher nicht so gelungen ist.Und das zieht sich leider durch die gesamte Geschichte.Nora ist von vornherein eine starke, selbstbewusste Frau, die wie jede andere auch mal unter Selbstzweifeln leidet oder Schwäche zeigt, absolut nachvollziehbar in ihrer Situation.Durch andere Romane, Biografien und Erzählungen, meine ich zu wissen was der Autor vermitteln wollte, leider ist ihm das meiner Meinung nach nicht ganz gelungen.Trotzdem gibt es eine Leseempfehlung von mir, denn wie ich schon schrieb:Nora Webster ist ein schönes Buch, das mir einige schöne Lesestunden bescherte.
Was man nicht alles auf der Rückseite eines Buches von den " Profis" so liest: Meisterwerk, glanzvoll, große Literatur....Eine unsterbliche Frauenfigur (Süddeutsche Zeitung) wurde auf jeden Fall nicht erschaffen. Nora Webster als Witwe mit 4 KIndern wurde viel zu wenig deutlich. Kann ein männlicher Autor sich wirklich in eine solch dramatische Lebenssituation einer Frau hineindenken? Das politische und gesellschaftlche Umfeld der 60er Jahre in Irland wurden klar und angenehm lesbar herausgearbeitet. Vielleicht ist auch nur der Titel falsch und führte deshalb zu meiner Enttäuschung.