Anna Seghers’ Roman Treibgut ist eine packende Erzählung, die sich intensiv mit den Themen Flucht, Exil und Identität auseinandersetzt. Die Geschichte spielt vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs und beleuchtet das Schicksal von Menschen, die aufgrund von Krieg, Verfolgung und politischen Umwälzungen zu heimatlosen Wanderern werden. ein eindrucksvoller und tiefgründiger Roman, der die Auswirkungen von Krieg und Vertreibung eindrücklich darstellt. Anna Seghers erzählt nicht nur die Geschichten der Geflüchteten, sondern macht deutlich, wie Krieg und politische Verfolgung das Leben ganzer Generationen prägen. Ein zeitloses Werk, das zum Nachdenken anregt und gerade in unserer heutigen Zeit von großer Relevanz ist.
Julien Green, Treibgut (herausgegeben und neu übersetzt v. Wolfgang Matz)Im letzten literarischen Quartett des ZDF empfahl die Literaturkritikerin und Chefin des Feuilletons der Wochenzeitung „ZEIT“ Iris Radisch die Neuübersetzung des Romans von Julien Green. Er war einer der bedeutendsten französisch schreibenden Autoren des 20. Jahrhunderts, das er fast in voller Länge erlebte, nämlich von 1900 bis 1998. Bereits seine ersten drei Romane, die als eine Art lockere Trilogie wahrgenommen wurden, machten ihn zu einer Berühmtheit. In seinem vierten, hier jetzt neu vorgelegten und mit einem hervorragenden Anhang versehenen Roman, verlegte er die Handlung erstmals nach Paris und macht zumindest die Seine zu einer fast mythischen weiteren Hauptfigur.Mit einem abendlichen Spaziergang an der spätherbstlichen Seine beginnt der Roman. Der reiche Philippe wird Zeuge, wie in der Dunkelheit eine Frau von ihrem Begleiter drangsaliert wird. Die Frau ruft um Hilfe aber Philippe entfernt sich, ohne einzugreifen. „er blieb reglos; durch sein ganzes Wesen ging ein Zögern (…) vielleicht hatte er sich vor dieser Minute noch niemals erkannt“. Zuhause angekommen berichtet er seiner ihm immer aufmerksam zuhörenden Schwägerin Eliane der älteren Schwester seiner ihn betrügenden Ehefrau Henriette, wie „gewohnheitsmäßig alle kleinen Erlebnisse seines Tagesablaufs“, ohne das Erlebnis zu erwähnen. Die bereits leicht welkende Eliane, später auch immer wieder als „altes Mädchen“ bezeichnet, liebt Philippe mit einer stillen geheimen Leidenschaft, um die jener weiß und vor der er sich wiederum fürchtet. So ist es diese Sprachlosigkeit, die das Zusammenleben in dieser Zusammensetzung erst ermöglicht. Das ändert sich jedoch im Laufe des Romans bis sich Elianes immer deutlicher zu Tage tretende Leidenschaft Bahn bricht.An sich ist dieses Buch recht handlungsarm, innere Monologe und Reflexionen der Protagonisten bilden den Schwerpunkt. Wir bewegen uns in einem großbürgerlichen wohlhabenden Niveau, das nur ab und an mit den sozialen Problemen des Volkes konfrontiert wird, was namentlich auch bei einem der immer wiederkehrenden und geschilderten Spaziergänge Philippes durch das nächtliche Paris geschieht. Während Henriette eine eher banale Randfigur bleibt sind es der leicht jämmerlich wirkende Philippe und die nach und nach ihrer Leidenschaft immer mehr Recht gewährende Eliane, die diesen Roman prägen. Letztere ist, in ihren inneren Kämpfen verstrickt, für mich die sehr viel spannendere Figur. Er hingegen erscheint eher als ein abstoßender ohne eigene Leistung zu Wohlstand gekommener Langeweiler. Und immer wieder kommt die von Green in mythischen Sentenzen beschriebene Seine ins Spiel, an der der Roman auch endet.Dieser Roman wird oft auch als die Beschreibung eines Bürgertums in der tiefen Krise und zu Beginn einer großen Katstrophe, nämlich dem sich anbahnenden zweiten Weltkrieg gelesen. Das Buch spielte im Jahr 1932 kurz vor der Machtergreifung Hitlers in Deutschland. Dies alles kann der Leser in dem sehr instruktiven und lesenswerten Nachwort des Herausgebers erfahren. Das Buch ist so oder so ein Stück große Literatur des 20. Jahrhunderts, ein absolut lesenswerter und sprachlich wundervoller Roman.