Ich hatte das Buch vorbestellt. Natürlich kam es pünktlich am ersten Tag und ich habe den ersten Samstag genutzt, um die erstmalige Übersetzung des achten Falls von Gamache, dem charismatischen Leiter der Mordkommission von Quebec, in einem Rutsch zu lesen. Natürlich. Anders geht das für mich nicht, denn die Spannung hat mich nicht raus gelassen aus dem Buch.Louise Penny gibt nach dem siebten Band der Reihe, in dem sie es etwas ruhiger angehen ließ - es war wie ein Atemholen vor der nächsten großen Runde - richtig Gas in der Entwicklung der großen Storyline. Es war die ganze Zeit schon zu spüren. irgend etwas hat da geknistert im Gebälk der Surete du Quebec. Hier werden jetzt die Informationen ausgespielt. Armand Gamache hat sich Feinde gemacht in der Chefetage. Natürlich ist er selber ein Chef, aber auch Chefs haben Chefs und denen hat er hart zugesetzt, indem er seinen obersten Chef festgenommen und angeklagt hatte., und dafür hatte er allen Grund. Es gab keine Alternative. Was für eine Geschichte. Er hat den unteren Chargen der Polizei ihren Stolz zurückgegeben und ihnen damit ermöglicht, wieder ihren Dienst für die Bevölkerung leisten, statt eigenmächtige Selbstjustiz zu praktizieren. Aber die Führung hat ihm nicht vergeben, dass er die Fehler öffentlich gemacht hat, und jetzt beginnt dieses Imperium der Macht zurückzuschlagen. Hart. Sie greifen ihn dort an, wo es ihm richtig weh tut - bei seinen Mitarbeitern.Die Autorin packt diese große Linie in die Ermittlung eines Mordes am Prior eines Klosters. Ein genialer Musiker. DER Spezialist für Gregorianik und ein eigenwilliger Mann. Dem Kloster ging vor ein paar Jahren finanziell die Puste aus. Man hatte einen enormen Reparaturrückstau aufgetürmt. Mit der Veröffentlichung einer CD - die eigentlich nur für den Freundeskreis des Klosters gedacht war - haben sie ein weltweites Echo ausgelöst. Die CD stürmte die Charts. Alle Welt wollte rein ins Kloster. Wolle Heil und Erlösung und Erbauung finden. Oder die eigene Neugier stillen - doch das Koster gehört einem kontemplativen Orden an, hat Schweigen gelobt. Die Tore des Klosters blieben also verschlossen wie eine Auster, und doch hat der Erfolg alles verändert. Ein Riss geht durch die Gemeinschaft. Auf der einen Seite will man bewahren. Auf der anderen Seite will man die Welt und sich selbst beglücken. Was ist der Wille Gottes? Hat er den Erfolg möglich gemacht, damit eine 2. CD aufgelegt wird? Wie das so ist mit der Interpretation des göttlichen Willens, man kann sich das prima zurechtlegen, und so schaukelt sich der Konflikt hoch und höher - bis ein Schädel eingeschlagen wird.Wer war es? Armand Gamache wird es rausfinden. Gemeinsam mit seinem Stellvertreter Inspektor Jean-Guy Beauvoir macht er sich auf den Weg in den Norden, denn das Kloster liegt weitab der Zivilisation. Ein Fluchtort. Herrlich, wie Louise Penny die Architektur beschreibt. Das Licht, das gebrochen durch alte Fensterverglasungen Regenbögen malt, tanzt, Räume und Gänge in Farben badet. Die Musik eines Chors, der perfekt aufeinander abgestimmt ist. Die Beschreibung der Klangnuancen, der Aufstieg von Stimme zu Stimme zur vollen Harmonie. Timing des Gesangs, der aus voller Stille urplötzlich und vollendet gleichzeitig in Fülle geradezu ausbricht und überfließt. Das ist einfach großartig geschrieben. Jeder, der einen Hauch von Faible für Gregorianik hat wird sich begeistern lassen von diesen Sequenzen des Buchs.Und doch, der Weg zum Ermittlungserfolg wird hart für Armand Gamache, denn er wird Herzblut lassen und die Wucht und Dramatik für die Folgebände auf die Spitze treiben. Was für eine Serie!
Ich habe mir das Buch gekauft weil mir der Ansatz, kriminalistische Ermittlung in einem Kloster mit Schweigegelübde der Mönche, sehr interessant erschien. Auch wenn das Schweigegelübde am Ende nur eine äußerst untergeordnete Rolle spielt, fand ich diesen Roman faszinierend. Die Grundlagen sind hervorragend recherchiert und bieten einen exzellenten Rahmen für die Handlung. Gewisse Ähnlichkeiten mit Umberto Ecos „Name der Rose“ sind nicht von der Hand zu weisen. Nicht nur der Mord spielt eine Rolle, auch alte Geheimnisse müssen gelüftet und entdeckt werden. Insgesamt ein absoluter Page Turner. Trotz der vielen Hinweise und Verweise auf vorangegangene ist es als abgeschlossene Geschichte gut zu verstehen. Ich werde jetzt beginnen die Reihe von Buch eins an zu lesen.
Beim Lesen wird deutlich, was die Autorin selber am Ende in ihrer Danksagung bestätigt: "Unter dem Ahorn begann mit einer Begeisterung für Musik und einem sehr persönlichen und rätselhaften Verhältnis zu ihr. Ich liebe Musik. ..."Die Fähigkeit der Autorin Orte, Menschen, Begegnungen und Dialoge atmosphärisch dicht, einfühlsam und teils kritisch zu beschreiben, kommt auch in diesem Krimi wieder voll zur Geltung.Beim Lesen fühlt man sich in die alten Gemäuer des Klosters mit seinen besonderen Lichteffekten hineinversetzt und kann die Kraft der uralten Gesänge förmlich hören und spüren. Dabei lässt sie sehr viele interessante Informationen über die kirchlichen Choräle einfließen. Das soziale Miteinander im Kloster sowie die Begegnungen und der Austausch der Mordermittler mit diesen Bewohnern sind sehr empathisch beschrieben.Jedoch nehmen diese Beschreibungen einen großen Teil des Buches ein und die Mordermittlung selber tritt teilweise in den Hintergrund. Dies fand ich schade und ich hätte mir ein ausgewogeneres Verhältnis gewünscht.Doch die Spannung wurde mit dem Auftauchen von Francoeur, dem Chef und Widersacher von Gamache und dem dadurch entstandenen Spannungsfeld zwischen Francoeur, Gamache und Beauvoir bis zur letzten Seite hochgehalten.Für diejenigen, die die Serie in der richtigen Reihenfolge lesen, sicherlich ein weiterer spannender Krimi rund um Gamache mit ein paar Längen! Freue mich bereits auf den 9. Fall und bin gespannt, wie es mit den Protagonisten weitergeht!