Die Idol-Kultur in Japan - und auch in Korea - ist etwas sehr Spezielles. Ganze Gruppen von Idols werden von Agenturen zusammengecastet und vermarktet. Ihre Fans? Bei weitem nicht nur junge Menschen wie Rin Usamis Protagonistin Akari. Gestandene Geschäftsmänner jubeln in Tokyo jungen Frauen auf Bühnen zu, können Texte und Choreografien auswendig. Hausfrauen seufzen beim Anblick ihrer Idols, Schülerinnen geben ihr ganzes Taschengeld aus, um ein Idol zu treffen.Von dieser fast schon manischen Popkultur erzählt “Idol in Flammen”. Im Zentrum steht Akari, psychisch instabil, stellenweise ungepflegt und irgendwie abgeschnitten vom Leben der anderen um sie herum. Für sie zählt im Leben nichts mehr als ihre Verehrung für Masaki, Sänger in einer Idol-Band und gerade unter Verdacht: Hat er einen Fan geschlagen?Akari führt akribisch Buch über Masakis Auftritte, kauft alles, was auf den Markt kauft und versucht sich dafür sogar wenig erfolgreich in einem Nebenjob. Rin Usami wirft uns mittenhinein in diese Manie und lässt uns unmittelbar an Akaris Gedanken teilhaben. Die Spannung, die sich darin aufbaut, ist unheimlich bis zum Ende, das sich der Erwartung entzieht.Akari ist keine liebenswerte Protagonistin und die Autorin gibt sich auch keine Mühe, sie uns mit ihren besten Seiten näherzubringen. Stattdessen stößt sie uns manchmal ab, besonders dann, wenn die Sprache auf ihre mangelnde Körperpflege zu sprechen kommt oder auf den Zustand ihres Zimmer. Aber dies passt gut zur Fassungslosigkeit, die uns ergreift, wenn wir von Akaris Fandom lesen.Mit 100 Seiten ist “Idol in Flammen” kurz - aber dieser Platz reicht für diese ungewöhnliche Geschichte.
Idol in Flammen von Rin Usami ist zweifellos ein Werk, das mit einer unglaublichen Kreativität und einem lebendigen Geist erstrahlt. Die Autorin schafft eine faszinierende Welt, in der die Grenzen zwischen Realität und Fantasie verschwimmen. Die Darstellung der Künstlerwelt und des Idol-Lebens ist beeindruckend detailliert und verleiht der Geschichte eine authentische Note.Die Hauptfigur, die Protagonistin Akari, ist mit tiefer Emotionalität gestaltet und auch wenn ich am Anfang dachte, dass das Buch in eine eher andere Richtung gehen würde, war ich trotzdem begeistert. Die Leser*innen werden mühelos in Akaris Welt hineingezogen, während diese sich durch die Höhen und Tiefen ihres Lebens kämpft. Usamis Fähigkeit, die inneren Konflikte und Probleme ihres Charakters darzustellen, ist bewundernswert und sorgt dafür, dass man sich um sie sorgt.Dabei zeigt sie den Wahnsinn, der hinter dem Fankult in Japan steckt.Wie sehr sich die Fans hineinsteigern, wie stark ihr Denken und Handeln von dieser Art Kult eingenommen wird und was sie daraus für Gefühle ziehen, die stark an einen Suchtkranken erinnern.Auf den ersten Blick denkt man, dass es ein furchtbar übertriebenes Bild ist und wenn man über die ganze Vermarktung und Manipulation der Fans liest, kann man sich schwer vorstellen, dass das zieht. Aber ja, genauso läuft es ab und die Autorin schreibt erschreckend ehrlich über die gefährliche Idol-Industrie.Einige Schwachpunkte hat der schmale Band aber, die mich beim ersten Mal lesen gestört haben, nämlich die Zeitsprünge, die ich nicht gleich sah, und ein paar Szenen, die mit nur der Hälfte an Worten ebenso gut gewesen wären.Trotz dieser Kritikpunkte sollte nicht übersehen werden, wie “Idol in Flammen” als Gesamtwerk beeindruckt. Die Kreativität der Autorin, ihre Fähigkeit, lebendige Szenen zu erschaffen, Mitgefühl und Angst gleichzeitig auszulösen und die authentische Darstellung der Idol-Welt sind bemerkenswert.Insgesamt ist “Idol in Flammen” von Rin Usami eine empfehlenswerte Lektüre für Fans von Geschichten über Popkultur, Japan, Idol-Welt und aktuelle Geschehnisse. Während es einige Schwächen in der Erzählweise aufweist, überwiegt die lebendige Darstellung der Idol-Kultur, was aktuell ein wichtiges Thema ist, da sich neben J-Pop auch K-Pop bei uns in Deutschland immer mehr Beliebtheit erfreut und ein sehr ähnliches Konzept fährt.Kurzum, ein junges und aktuelles Thema, das kritisch und auf brillante Weise von der Autorin beleuchtet wird und von vielen gelesen werden sollte!
Mein Leseeindruck, subjektiv, aber spoilerfrei ;)In Japan ging dieses Buch durch die Decke ;) ab und zu lese ich gerne Geschichten aus Asien, weshalb ich gespannt war , ob ich auch so begeistert sein würde.Der Schreibstil ist typisch asiatisch wie ich finde, schnörkellos, klar, sachlich und reserviert. Erzählt wird aus der ICH- Perspektive der Protagonistin.Trotz dieser Sichtweise hielt mich Usami allerdings auf Distanz und ihre Gedankengänge wirkten eher befremdlich. Auch die Nebencharaktere, wie ihre Freundin, die Schwester oder die Eltern hinterliessen einen blassen Eindruck. Es kommt eher selten zu Interaktionen zwischen den einzelnen Personen.In dieser Geschichte tummeln sich so einige schwerwiegende Problematiken, leider wurden diese aber für meinen Geschmack viel zu oberflächlich, minimalistisch und emotionslos umgesetzt. Ich persönlich mag dünne Bücher, hier hätten aber einige Seiten mehr nicht geschadet.3 Sterne