Neben Bestimmungsmerkmalen wie Laubblätter, Früchte, Knospen von Bäumen gesellt sich nun ein weiteres: die Baumrinde als arttypisches, aber dennoch individuelles Merkmal, vergleichbar mit einem Fingerabdruck. Ganz nebenbei bieten Baumrinden wunderbare Fotomotive in der Makrofotografie, wie uns dieses Bestimmungsbuch auch erleben lässt. Ca. 70 Baumarten lassen sich damit anhand ihrer Rinde identifizieren und zwar ganzjährig, denn die Rinde ist etwas von bleibendem Wert. Bevor es jedoch an den Bestimmungsteil geht, gibt es viele Sachinformationen zur Rinde selbst: Was ist überhaupt (Baum-)Rinde, wie entsteht sie, inwieweit haben Tiere Einflüsse auf ihr Aussehen, sicherlich für so manchen Leser verblüffende Informationen, die erklären, warum Rindenstrukturen so vielgestaltig sind. Mit Hilfe des „Artenteils“ können nach dem bewährten Prinzip einer zum Habitus, den Rinden von Zweigen. Ästen sowie Stämmen vorliegenden Fotodokumentation plus entsprechende Detailtexte die Rinden ihrem jeweiligen Besitzer zugeordnet werden. Insgesamt gestaltet sich das Buch wie ein informatives Fotoalbum zu Baumrinden, das auch die Ästhetik von Rinden gut herauskommen lässt.Dr. Christiane Högermann
Der Titel des Buchs klingt ein wenig nach Understatement. Denn hier geht es zwar vor allem um die Rinde der in Mitteleuropa am häufigsten anzutreffenden Baumarten, aber man erhält darüber hinaus noch viel mehr Informationen. Das Buch beginnt mit sehr aufschlussreichen Erläuterungen zu Aufbau und Funktionen der Baumrinde, zu unterschiedlichen Arten und Ausbildung von Rinden, ihrer Verwendung sowie zu Rinden als Nahrungs- und Lebensraum für Algen, Pilze, Moose, Flechten, Gliederfüßer, Vögel und Säugetiere. Die Erläuterungen sind mit interessanten Fotos, Zeichnungen und Diagrammen sehr aufschlussreich illustriert. Rindentypen und auffällige Formen werden außerdem in Text und Fotos beschrieben.Ein dichotomer Bestimmungsschlüssel, der nach fünf verschiedenen Rindentypen aufgebaut ist, führt dann zum Artenteil. Hier werden 70 Baumarten und ihre Rinde vorgestellt. Dabei werden die häufigsten Laub- und Nadelbäume, die in Mitteleuropa heimisch oder in Gärten und Parks zu finden sind, berücksichtigt. Die Beschreibungen umfassen Portraits mit vier bis sechs Seiten, denen jeweils ein ganzseitiges Foto der typischen Baumrinde vorangestellt ist. Die Bäume werden sodann hinsichtlich Standort, Wuchs, Höhe, Kronenform, Stamm und Wurzelausprägung portraitiert, also mit einer Vielzahl von Informationen über die Funktionen der Rinde hinaus. Darauf folgen Beschreibungen der Rinde von Zweigen, Ästen und Stamm, jeweils mit Verweisen auf die altersabhängigen Veränderungen. Außerdem werden eine Menge an zusätzlichen Kenntnissen vermittelt über besondere Eigenschaften oder die Verwendung der Rinde.Die ausführlichen und verständlichen textlichen Beschreibungen sind mit sehr guten, detaillierten Fotos erläutert. Diese zeigen analog zu den Texten, mit entsprechenden Verweisen versehen, die Rinde der Zweige, Äste und des Stamms, und dies jeweils noch zu verschiedenen Altersstufen der Bäume. Hervorragend gelöst sind dabei die in den Fotos abgedruckten Größenangaben zu den dargestellten Ausschnitten, so dass man hier eine gute Orientierung hat für die tatsächlichen Dimensionen. Schön und hilfreich ist auch, dass die Bäume jeweils in ihrem Gesamthabitus abgebildet sind.Nach dem Bestimmungsteil folgen ein recht ausführliches Literaturverzeichnis, ein Glossar und ein Stichwortregister.Alles im Allem macht das Buch auf den ersten Blick einen sehr guten Eindruck. Es ist logisch aufgebaut, praxisnah, verständlich, mit qualitativ hochwertigen Fotos und sehr guten Zeichnungen illustriert, und es vermittelt in den ausführlichen Artenportraits eine Menge Informationen zu den Bäumen. Die Zahl der 70 vorgestellten Bäume ist allerdings recht "übersichtlich". Somit kann das Buch nur der Beginn der Beschäftigung mit dieser Thematik sein.Nachteilig finde ich die Gliederung der Artenportraits nach der alphabetischen Reihenfolge ihrer wissenschaftlichen Namen. Die zur gleichen Gattung gehörenden Bäume stehen zwar jeweils beieinander und sind somit gut vergleichbar. Ich hätte aber eine systematische Gliederung bevorzugt. Wenigstens die Aufteilung nach Nadel- und Laubbäumen hätte man vornehmen können. Die m. E. völlig zweckfreie alphabetische Gliederung nach dem Namen ist ein leider häufiges Manko bei Bestimmungsbüchern aus dem Quelle & Meyer Verlag! Zumal man bei der Bestimmung im Gelände dadurch absolut keinen Vorteil hat!Der Verlag Eugen Ulmer hat vor einigen Jahren ein Buch von Jean-Denis GODET unter dem Titel "Baumrinden: Vergleichen und bestimmen" herausgebracht. Obschon man mit dem hier vorliegenden Buch weit weniger Bäume anhand der Rinde bestimmen kann, würde ich es dem GODET vorziehen, weil dort viel weniger Informationen und nur sehr begrenzte Bestimmungshilfen gegeben sind, und viele Fotos ohne weitere Erläuterungen. Von dem hier beschriebenen Buch hat man also letztendlich deutlich mehr.Ich empfehle das Buch gerne weiter. Es macht Spaß, darin zu blättern, sich anhand der ausführlichen Texte zu informieren, sich an den Fotos zu erfreuen, und sich an der Bestimmung von Baumrinden zu versuchen. Auch, wenn das ein wenig Übung braucht, und auch wenn man nur einen Teil der heimischen Baumarten bestimmen kann. Aber die Beschäftigung mit dem Buch verschafft einen guten ersten Überblick über die Baumrinden und viele neue Kenntnisse zu den bei uns häufig zu findenden Bäumen. Wenn die leidige alphabetische Gliederung nicht wäre, würde ich fünf Sterne vergeben.