Daß Kultur, Kunst und Barbarei zusammengehen können, das zeigt die differenzierende Analyse aus dem Jahre 1981, die auch heute weiterhin Gültigkeit hat.Die Aufarbeitung der Verquickung von ideologisch rassistischem Nazi-Terror und Kunst gelingt überzeugend.Der Autor zeigt vor dem Horizont nazistischer Kunst-Ideologie die chaotisch- willkürliche, wechselvolle, von Intrigen und Denunziationen mitbestimmte Entwicklung in der rassistischen Umstrukturierung der Kultur-Kunstszene ab 1933.Diese war gekennzeichnet von Anpassung, Anbiederung an die Nazi-Ideologie, in deren rassistischer Ausgrenzung des Jüdischen in der Kunst.Tragende Säulen waren dabei die überzeugten Nazis in der Kunst, die Karriere machten, unterstützt aber von den vielen Anpassern aus unterschiedlichsten, individuellen Motivlagen. Die sogenannten "Säuberer" waren die fanatische Gruppe ideologisch rassistischer Glaubensgeneigtheit, praktisch weit entfernt von einer sachlich rationalen Durchdringung der Materie.Dieser Rassenfanatismus hatte seine Denkwurzeln in Stuart Houstan Chamberlain, "Die Grundlagen des 19.Jh.", die vielgelesene Lektüre völkischer Kreise, weitergeführt vom Nazi-Ideologen Alfred Rosenberg. Beide teil-basierend auch auf Richard Wagners "Das Judentum in der Musik." Allerdings sehr einseitig verkürzt, verschärft in der Nazi-Ideologie, die nur abstammungszentriertes schwarz oder weiss Denken kannte, im Gegensatz selbst zu Chamberlain und Wagner, die noch mental-charakterliche Abstufungen und Zuordnungen vornahmen.Ergebnis war ein Nazi-Weltbild der Kunst/ Kultur in trivial empfindungsorientierter Weise, das keinerlei rational faktische Basis hatte, pseudowissenschaftlich aufgebockt als einzig wahre Lehre, eine rigide, dogmatische Blut und Boden Ideologie, die auch vor Absurditäten nicht zurückschreckte.Die angebliche Überlegenheit der sogenannten arischen Rasse war reines Wunschdenken; fand aber in der breiten Aufstelllung eines nur affirmativen Bildungsbürgertums, das nie den hinterfragenden, kritischen Reflex gelernt hatte, große Zustimmung.Der Autor liefert liefert viele Einzelschicksale ohne in ein wertendes schwarz-weiss Denken zu verfallen. Zweifellos war in vielen Fällen die Angst vor dem Terror der überzeugten Nazis die Triebfeder für Anpassung. Zwischen Karriere, Anpassung, Anbiederung, Widerstand war ein schmaler Pfad. Aber es bleibt auch die Feststellung, das Künstlertum, Bildung, akademische Ausbildung nicht vor dem Absturz in die Barbarei schützen muss. Gewalt und Intelligenz schliessen sich nicht aus. Wahnhafte Ideologie ist in jedem Milieu möglich, das ist das potenzierend Erschreckende. Kultur-Kunstaffinität ( z.B.Frank, Heydrich) und Verbrecher, im Dritten Reich war es Realität.
Das ist bestimmt das Umfangreichste Werk für Musikgeschichte auf diesem Gebiet, das mir bekannt ist. Absolut empfehlenswert für Leute, die sich in diesem Bereich vertieftes Wissen aneignen und Zusammenhänge erschließen wollen.
Wenn man sich für Musik bzw. Musikpolitik im "3. Reich" interessiert, dann ist dieses Buch hier genau das Richtige. Es ist klar strukturiert und man bekommt die politische Situation an Hand vieler sehr guter Beispiele näher gebracht. Es werden in der Regel Zitate abgedruckt und danach näher untersucht. Außerdem findet man in diesem Buch viele Abbildungen, darunter Lieder und Werbung von Opern. Als zusätzliche (ergänzende) Literatur empfehle ich "Musik und Musikpolitik im faschistischen Deutschland" von Hanns-Werner Heister und Hans-Günter Klein. Dieses Buch wurde 2 Jahre später veröffentlicht und enthält viele Zusatzinformationen. Außerdem bezieht es sich immer wieder auf das Buch von Prieberg. Mit Hilfe dieser beiden Bücher habe ich ein Geschichtsreferat zum Thema gehalten, was bei meinem (anspruchsvollen) Lehrer gut angekommen ist!