Der österreichische Mediziner Dr. med. Georg Weidinger lädt Sie mit diesem Buch auf eine ganzheitliche Reise ein und stellt vor allem die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) in den Vordergrund. Ich sehe all seine Ansätze als eine Einladung an, die jeder Einzelne für sich prüfen kann. So werden verschiedene Themen, wie z.B. die Grundlagen der TCM, die Rolle der Gefühle, die Formen der Depression und begleitende Beschwerden, westliche und chinesische Heilkräuter, Meditation, Yoga und Zen-Achtsamkeit beschrieben. Wenn der Leser aber aufmerksam ist, liest er zwischen den einzelnen Zeilen noch viel mehr Tipps, die er selbst für sich nutzen kann. Achtung dieses Buch fordert Sie als Leser sanft und liebevoll auf, selbst aktiv zu werden und hier liegt auch schon die Stärke des Autors. Weidinger informiert nicht nur, er nimmt die Leser an die Hand und führt sie Schritt für Schritt weiter, zeigt unterschiedliche Wege auf und erläutert in einem 10 Punkte Plan, wie „Sie wieder lieb zu sich und ihrer Mitte werden“. Gerade dieser 10-Punkte-Plan, den er gern auch als Hausaufgabe bezeichnet, ist nach meiner therapeutischen Erfahrung hier nicht nur ein entscheidender Schlüssel für den Ausstieg aus der Depression, sondern für viele weitere Erkrankungen angezeigt. Wer das versteht, bekommt hier noch mehr fürs Geld. Er lernt nämlich die TCM auf besondere Weise lieben. Denn diese umfasst die Ganzheitlichkeit des Organismus und trennt nicht wie die Schulmedizin Körper, Geist und Seele. Der Autor zeigt hier genau diese Ganzheitlichkeit auf, die Rolle und Bedeutung der Gefühle erhält hier besondere Aufmerksamkeit.Um die eigene Mitte zu stärken und sich von den äußerlichen Einflüssen zu trennen/nicht beeinflussen zu lassen, zeigt der Autor zudem praktische Übungen und Teerezepte (sowohl chinesische als auch westliche Kräuter) auf, beschreibt die Wirksamkeit der Akupunktur und geht auf Antidepressiva und Psychotherapie ein. So entsteht im Verlauf eine ganze Bandbreite an Hilfestellungen, aus denen jeder Einzelne sich das Richtige für sich aussuchen kann.Die TCM besteht aus fünf Säulen, der Akupunktur, der Arzneimittellehre – hier als Heilkräuter in Form von Tees beschrieben, der Tuina-Massage, Qigong und der Ernährung. Die Akupunktur und die Heilkräuter werden in diesem Buch sehr umfangreich beschrieben, so dass auch Nicht-Therapeuten durch die Akupressur einen guten Fahrplan für die Selbsthilfe an die Hand bekommen. Das macht das Buch für mich vor allem aus. Auch wenn Laien möglicherweise Schwierigkeiten haben, die Zusammenhängen zu verstehen, können Sie dennoch mit dem Buch intensiv arbeiten, weil sie klare Anweisungen bekommen, wie sie zum Beispiel durch Akupressur ihren Körper sowie das Qi stärken können.Die Erklärungen sind verständlich beschrieben, die Sprache ist einfach gehalten, der Einbau von Illustrationen und Skizzen sowie angeführte Fallbeispiele aus dem Praxisalltag tragen dazu bei, die Zusammenhänge noch mehr zu verstehen und sorgen immer wieder für AHA-Effekte beim Leser. Was mir besonders gut gefallen hat, sind die Sprachbilder, die immer wieder im Buch herangezogen werden, um komplexe Zusammenhänge einfach darzustellen. Dieses Buch ist kein Roman, was in einem Rutsch gelesen werden sollte, sondern viel mehr ein Nachschlagewerk für Laien und Therapeuten. Gerade die Lese-Pausen nach einzelnen Kapiteln sorgen beim Leser nämlich für neue Erkenntnisse. Das macht es mich so besonders.Zusammenfassend ist es für mich als Therapeutin ein rundum gelungenes Buch, welches die Leser mit auf eine Reise in die östliche Medizin und damit in eine ganz natürliche Medizin nimmt. Ich persönlich hätte auf die Psychotherapie im Buch verzichtet, weil sie für mich eben nicht den Ansatz der TCM stärkt, sondern eher schwächt. Während in der asiatischen Medizin die Gefühle durchaus auch gelebt und gespürt werden dürfen, um das Qi wieder ins Fließen zu bringen und damit zu gesunden, hält die Psychotherapie diese oft durch die Verschreibung von Antidepressiva unter Kontrolle. Da dieses Buch für mich aber eine Einladung an alle Leser ist, hat der Autor sie hier wahrscheinlich dennoch für die Gesamtheit mit aufgeführt.Den Hinweis, die Kräuter für Teerezepturen ausschließlich in Apotheken zu bestellen, ist hier meines Erachtens dringlich erforderlich. Den Grund beschreibt der Autor auch ausführlich. Hier sieht man, wie sorgfältig Weidinger das Thema angeht und wie sehr es ihm am Herzen liegt, dass beschriebene Rezepturen frei von z.B. Pestiziden und Schwermetallen sind. Denn nur wer richtige und reine Kräuter verwendet (und keine Pseudo-Kräuter, die auch im Internet erhältlich sind, dem Laien aber nicht bewusst oder bekannt), kann am Ende die Wirkung erfahren, die hier weitergegeben werden möchte.Was manch einem Leser hier möglicherweise fehlt, ist der immer wieder erwähnte Ansatz zur Depression, dem kann ich aber nur widersprechen. Denn auch aus der Komplementär-Medizin ist bekannt, dass eine Beziehung zwischen Darm und Hirn (der Bauch-Hirn-Achse, Bauchgehirn) besteht und das psychische Erkrankungen wie u.a. die Depression schon allein über den Bauch (die Mitte – hier ist es das Erdelement und damit Magen/Milz) behandelt werden könnte und sollte. Nichts anderes tut der Autor hier, indem er Wege aufzeigt, wie die eigene Mitte gestärkt werden kann und damit selbst Einfluss auf die Depression genommen werden kann. Für mich ein rundum gelungenes Werk, welches in jede ärztliche/therapeutische Hausapotheke gehört.