Es gibt so Bücher, die überfallen einen zur richtigen Zeit. Und dieses Buch hat so einen trocknen Humor, dass ich mich sofort ergeben habe. Selten habe ich so laut gelacht, dass mir schon Tränen in den Augen standen.Schon die Eingangsszene hatte mich voll im Griff. Nach der Kündigung durch den Vermieter muss sich die Familie für ihre bis dahin 2 Kinder und knapp 5000 Bücher eine neue Bleibe suchen. Was sie zum Kauf angeboten bekommen, ist so grotesk, dass ich mich an meine Wohnungsbesichtigungen in Hamburg erinnern musste. In dem einen Haus gab es keine Wasserleitungen, im nächsten keine Heizung, das darauffolgende hatte kein Schlafzimmer. Schon leicht traumatisiert von der Dreistigkeit der Makler finden sie endlich eins, das zwar einem Labyrinth aus Anbauten glich, aber zumindest über oben genannte Grundausstattungen verfügte.»Das Fielding-Haus? ... Was wollt ihr denn mit dem?«»Na ja«, sagte unsere Gastgeberin, »es ist ungefähr tausend Jahre alt.«»Eher eine Million Jahre«, sagte unser Gastgeber. »Es ist ...«, er machte eine hilflose Geste. »Es hat so riesige weiße Säulen vor der Fassade«, sagte er.»Und ist hinter den Säulen ein Haus?«, fragte mein Mann. »Denn wenn es Rohre hat und einen Ofen und ein Schlafzimmer, und die vermieten uns das, dann ziehen wir ein.«Was folgt, ist der normale alltägliche Wahnsinn, von dem früher wie heute alle Mütter ein Lied singen können. Laurie, ihr ältester Sohn, erfindet einen aufmüpfigen Klassenkameraden, dem er seine eigenen Streiche anhängt. Jannie hat gleich eine ganze Reihe imaginärer »Kinder« und Sally, die Jüngste, plappert in ihrer ganz eigenen Sprache.Im Mittelpunkt steht eine liebevolle, nahbare Mutter, die sich von dem täglichen Chaos nicht unterkriegen lässt, vieles mit Humor nimmt und manchmal gedanklich abwesend ist. Der aus der Ich-Perspektive geschriebene Alltag einer amerikanischen Durchschnittsfamilie erinnert mit all seinen Pointen an die Mütter von heute, die es schaffen, einen Spagat zwischen Kindererziehung und Ehe, Tumult und Gemütlichkeit zu schaffen. Da geraten akribisch geplante Einkaufstouren schnell mal zu einem Abenteuer, das in dem Vorsatz gipfelt, die Kinder nie wieder mitzunehmen, weil einfach alles aus dem Ruder läuft. Oder, dass die Hausfrau sich mit der passenden Größe von Moccatassen auseinandersetzen muss, unter Berücksichtigung der Vorlieben aller Freundinnen, die letztlich sowieso an allem was auszusetzen haben. Unzählige Alltagsszenen werden auf eine pragmatische Weise von der Mutter erzählt, die aber urkomisch beim Leser ankommen.Auch wenn das Buch bereits in den 1940ern und 50ern als einzelne Episoden in Zeitschriften erschien, kommt es nicht angestaubt daher. Dank der Übersetzung von Nicole Seifert ist die Sprache frisch und modern und lässt sich in einem Rutsch weglesen.Aufgewertet wird das Buch durch ein ausführliches Nachwort, in dem auf das Leben der Autorin und ihr Werk eingegangen wird.Von mir eine ganz, ganz große Empfehlung, ich habe selten so gelacht und mich an manche eigenen Familienszenen erinnert gefühlt.
Shirley Jackson schreibt sehr gut und teilweise hab ich es sehr gern gelesen. Aber nach und nach merkt man schon, dass es einzelne Kolumnen sind. Teilweise fand ich sehr lustig, dann wiederum war es einfach furchtbar langweilig.