Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Tolle Rezepte drinnen, die man gut vorbereiten oder auch mit motivierten Kindern kochen kann. Die Rezepte passen sehr gut zu den Märchen – mit viel Kreativität hat die Autorin Rezepte kreiert, wie Spinatknödel bei Froschkönig oder Spaghetti Carbonara bei Rapunzel. Was mir ganz besonders gefallen hat: die Illustrationen sind alle mit einem Augenzwinkern gemalt.
Hinter diesem Kochbuch steckt die Idee einer gemeinsamen kreativen Zeit in Familien, in denen es noch Kinder im Märchenalter gibt. Zuerst soll ein Märchen vorgelesen werden, danach kommt die Essenszubereitung. Mir sind beim Lesen der Einleitung verschiedene Gedanken durch den Kopf gegangen. Zu allererst: Für welche Familien eignet sich ein solches Buch? Vermutlich für Menschen, die eine ähnliche soziale Stellung aufweisen und ähnlich denken wie die Autorin, also für Familien der akademischen Mittelschicht. Dem entsprechen übrigens auch die Rezepte.Danach meldete sich meine Erfahrung: Märchen liest man Kindern von drei bis sieben Jahren vor. Da wird es bei der Küchenhilfe schon etwas schwierig, weil Kinder in dieser Altersgruppe noch nicht so fingerfertig sind, wie es manche Gerichte erfordern. Natürlich – und das ist die Idee – kann man beim Zubereiten der Speisen auch interessante Fragen diskutieren, etwa, wie und was die Menschen vor 200 Jahren gegessen haben. Wie man gekocht hat und welche Nahrungsmittel es überhaupt gab. Allerdings kann man solche Fragen nicht jedes Mal behandeln.Und schließlich: Essen die Kinder die Speisen aus diesem Kochbuch auch tatsächlich gerne? Die Autorin schreibt, dass dies so sei. Jedenfalls nach ihrer Erfahrung. Ich möchte das nicht bestreiten, kenne aber auch ganz andere Erfahrungen. Dazu gleich mehr. Die Getränke und Kuchen jedenfalls dürften bei allen Kindern Gefallen finden.Nun zu den Speisen: Da kann man auch unterschiedlicher Meinung sein. Beispiel: Bei den Bremer Stadtmusikanten. Da gibt es zunächst einen (vermutlich) alkoholfreien kleinen Cocktail mit dem für Kinder seltsamen Namen "Virgin Mule". Die akademische Mittelschicht lässt grüßen. Cocktail-Trinker kennen dieses Getränk, die wörtliche Übersetzung generiert dann auch sofort einen interessanten Bildungsauftrag. Dann wird "Räubersuppe" gekocht. Das ist eine scharfe Paprika-Suppe. Anschließend gibt es einen fetten Burger mit Banditenkartoffeln. Hier werden die Brötchen selbst gebacken und anschließend mit gebratenem Rinderhack und anderen Zutaten zu einem großen Berg zusammengestellt. Das ist endlich einmal ein nicht ganz so übersichtliches Gericht. Ein Nuss-Nougat-Tiramisu und ein kalter Hund schließen das erquickliche Mal ab, bei dem man nicht hungrig ins Bett muss.Das Kontrastprogramm dazu folgt mit dem nächsten Märchen, vom Fischer und seiner Frau. Man muss vermuten, dass diese Herrschaften in einer Kate an der Nordsee hausten. Da gibt es zunächst einen Cocktail mit dem typisch norddeutschen Namen "Blue-Lagoon", der sich als blaugefärbter Birnensaft herausstellt. Danach folgt das typisch norddeutsche Arme-Leute-Gericht "Garnelen mit Guacamole". Sehr übersichtlich. Es folgen "Tintenfischringe mit Gurken-Dill-Salat", gewissermaßen ein klassisches Kindergericht aus der Zeit, in der noch Tintenfische in der Nordsee schwammen. Für den Nachtisch wird ein "Galette des rois" gebacken, was nichts weiter ist als in Blätterteig gefüllte Mandelcreme. Man kann das auch durch eine alkoholfreie Eierlikör-Sahnetorte ersetzen, deren Rezept dieses Kapitel abschließt.Auch wenn mir die Idee großartig gefallen hat und ich auch die Rezepte an sich wirklich gut fand, so möchte ich dennoch Folgendes zu bedenken geben: Erstens sollte man bei einem Kinder-Kochbuch keine unaussprechlichen Namen verwenden, die vielleicht nur dazu da sind den eigenen Bildungsgrad hervorzuheben. Zweitens gibt es bei den Märchen sicher auch noch typischere Gerichte, die man vielleicht aus einem ähnlichen Grunde nicht genommen hat. An der Nordsee beispielsweise isst man rustikaler. Und Kinder brauchen auch keine Gerichte, die fotografiert geradezu großartig aussehen. Sie matschen hinter sowieso alles irgendwie zusammen. Kurz gesagt, ich hätte mir gewünscht, dass man die Sache etwas kindgerechter angeht und weniger aufs eigene Image achtet.