Rolf Meier ist es gelungen, ein Werk zum Thema Lernen im Unternehmen und Lernende Organisation zu schreiben, dass den Leser dort abholt, wo viele Unternehmen noch immer stehen: beim Gießkannenprinzip: Schulungen und Seminare, die als Präsenz- oder Onlineveranstaltungen in separaten (auch virtuellen) Lernräumen stattfinden, bestenfalls ergänzt durch blended Learning-Formate. Und genau hier macht der Autor sehr deutlich, dass Lernen heute, zumindest in Teilen, anders stattfinden muss: zielgerichteter, on demand, selbstorganisiert, am Arbeitsplatz. Da, wo Wissen direkt angewendet und ausprobiert werden kann. Wo es direktes Feedback gibt und die Möglichkeit besteht, Erfahrungen zu sammeln und Gelerntes so anzupassen, dass es im täglichen Doing integriert werden kann.Herr Meier bietet zahlreiche fundierte Informationen und Grafiken an, wie Lernen überhaupt stattfindet, erläutert verschiedene Lerntheorien und beschreibt, welche Faktoren Lernen beeinflussen und welche Lernformate es gibt.Er erklärt, warum es so wichtig ist, dass Lernen systematischer, persönlicher stattfinden muss, wie man bedarfsgerecht trainiert und dass vor allem etablierte Transferprozesse sicherstellen, dass Gelerntes behalten und in den Arbeitsalltag integriert wird. Ganz speziell geht er im Kapitel „Lernfelder“ auf die vielen Möglichkeiten ein, wie man Wissen und Können vermitteln, erarbeiten, diskutieren, reflektieren und integrieren kann. Er zeigt Vor- und Nachteile ausgewählter Methoden, bietet Checklisten an, um möglichst passende Lösungen zu finden und gibt konkrete Tipps, wie man das beste Lernpotpourri zusammenstellt.Neben der Wichtigkeit einer guten Didaktik weist er auf die richtige Dosierung der „Masse an Stoff“ hin, die pro Einheit vermittelt werden sollte. Denn hier hat er sehr gut herausgearbeitet, dass kleine Einheiten, zum genau richtigen Moment, abrufbar on demand sehr viel wirkungsvoller sind als Ganztagesveranstaltungen, wo am Ende des Tages nur ein kleiner Bruchteil des Gelernten wirklich behalten wird, erst recht, wenn es während des Seminars keine praktischen Übungen gibt, sondern nur theoretische Inhalte.Im letzten Kapitel widmet sich Herr Meier dem Thema Evaluation, welches bekanntermaßen am stiefmütterlichsten in den meisten Unternehmen behandelt wird. Hier ermutigt er dazu, sich nicht nur auf Level 1 (Zufriedenheits-/ Evaluationsbögen direkt im Anschluss an ein Training) zu verlassen, sondern den tatsächlichen Erfolg, die Effizienz und die Effekte einer Maßnahme anhand von Kennzahlen zu erheben. Nur das kann schlussendlich eine Aussage darüber geben, wie erfolgreich Lernen im Unternehmen stattgefunden hat. Und nur das gibt Hinweise darauf, wie zukünftig Lernprozesse und -strategien aufgebaut und ausgerichtet sein müssen, um eine lernende Organisation zu werden, wo Lernen ein täglicher und selbstverständlicher Bestandteil des Arbeitsalltags ist (Stichwort: situatives und life long learning). Eine Lernkultur zu schaffen, sollte in der heutigen sich schnell verändernden Zeit der Anspruch jedes Unternehmens sein. Dies kann mit den Informationen und Tipps dieses Buches gelingen.Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Herr Meier bereits mit dem Schaubild der Einleitung sehr übersichtlich darstellt, welchen Themen er sich mit seinem Buch annimmt. Am Ende des Buches angekommen, muss ich sagen, er hat sein Ziel erreicht. Ein tolles lehrreiches Buch mit vielen Schaubildern, Übersichten, Wissen zum Thema Lernen, einer Analyse warum Lernen im Unternehmen neu gedacht werden muss und Umsetzungsplänen. Modern, auf den Punkt, einfach gut!
"Lernstrategien im Unternehmen" ist für alle Verantwortlichen in der Personalentwicklung interessant, die diese noch nicht systematisch, sondern ggf. einzelfallbezogen managen oder ihr System im Aufbau auf den Prüfstand stellen und ergänzen wollen.Es schaut sich sehr grundlegend die verschiedenen Elemente an, die auf Lernen im Unternehmen einzahlen und stellt damit eine umfassende Basis: Angefangen bei der Frage, warum Lernen so wichtig ist für Organisationen, welche Faktoren und Kompetenzen Lernen beeinflussen sowie den Elementen eines Lernprozesses und wie dieser unterstützt werden kann. Weiter geht es mit der strukturellen Einbindung der Personalentwicklung und einem Abriss über die bunte Welt des Lernens im Unternehmen: Vom Präsenzschulungen über E-Learning, hybride Format bis hin zu kollaborativem Lernen und den Austausch in Netzwerken. Meier wirft auch einen Blick darauf, wie die Personalentwicklung raus aus der "soften" Ecke kommen und sich mit Hilfe von Kulturdiagnosen, Evaluationen, KPIs und Performance-Analysen als strategischer Partner positionieren kann.Wer die Aufgabe bekommt, eine Personalentwicklung grundlegend aufzubauen oder auf den Prüfstand zu stellen, der findet hier eine nahezu vollständige Systematik und kann sich Inspirationen holen, was das eigene Personalentwicklungs-Portfolio ergänzen könnte oder wie sich verschiedene Formate gut miteinander verzahnen lassen. Herr Meier liefert dazu praktische Checklisten und Vorlagen, aber auch Prozessbeschreibungen /-Abbildungen, die man adaptieren oder einfach so übernehmen kann. Das Buch kann auch hervorragend dazu verwendet werden, die "blinden Flecken" der Personalentwicklung im eigenen Unternehmen einmal zu identifizieren und dann mit den dargestellten Bausteinen zu ergänzen.Mir persönlich blieb das Buch etwas zu sehr an der Oberfläche - wobei ich sagen muss, dass Personalentwicklung schon seit Jahren zu meinem Bereich gehört und ich dementsprechend eher nicht zu der primären Zielgruppe gehöre. Ich hätte mir tiefergehende Einblicke gewünscht welche Lernstrategien und -Formen sich in stark agilen und flachen Hierarchien bewährt haben, wie wir aufgrund der Funktionsweise unseres Gehirns die besten Lernelemente identifizieren und miteinander verzahnen und gleichzeitig auf die neuen Arbeitsbedingungen (New Work) und sich wandelnde Anforderungen an Kompetenzen von Mitarbeitern und Führungskräften ausrichten.