Dass den meisten Vegetarier bei der Vorstellung zu grillen nicht zwingend das Wasser im Mund zusammenläuft, könnte unter anderem damit zusammenhängen, dass beim Grillen klassischerweise vor allem eines auf dem Rost landet: Fleisch. Für die Nicht-Fleischesser blieb es bislang oft bei Beilagensalat, Grillkartoffel und Mais. Bis jetzt! Denn jetzt kommt "Grill Gemüse! 80 kreative Veggie-Rezepte mit Wow-Effekt" von Martin Nordin aus dem Christian Verlag.Unterteilt ist das Buch in die Rubriken "Grillen auf dem Rost", "Indirekt Grillen", "Gusseisen im Feuer", "Gemüse in der Glut", "Holzbackofen", "Geräuchert und gesäuert" sowie "Grundrezepte". Und das alles ohne Fleisch und Wurst? Ich bin definitiv gespannt. Wir legen los mit "gegrillter Blumenkohl mit Gremolata", "Gegrillter Mais mit Pecorinosauce", "Gegrillte Erbsen und Frühlingszwiebeln mit Minze und Bohnensprossen", "Shiitakepilze mit Whisky-Miso-Marinade", "Mit Bier marinierte Aubergine mit Tomatensauce und Shiitakepilzen", "Gegrillter Spargel mit Burrata, Eigelb und Kumquatsauce" sowie "Zucchini-Mungobohnen-Burger mit Sriracha-Mayonnaise und Furikake" oder auch "Mit Harissa marinierte Auberginenburger mit Baba Ganoush und Dukkah".Krass, auf was für Ideen der Mann so kommt. Die Zusammenstellungen sind definitiv ausgefallen. "Mit Sriracha marinierter Brokkoli mit Shiitake-Shiso-Bouillon", "Apfel-Rosenkohl-Spieße mit in Whisky eingelegten Senfsamen", "Kräuterseitlinge à la Hasselbacken", "Mairübchen am Spieß mit gegrilltem Blattkohl und säuerlicher Tomatensauce", "Sangritas aus gegrillten Chilis und Sauerbier", "Fermentierte Kartoffeltortillas", "Fenchelwurzeln mit Shiitakepilzen, Frühlingszwiebeln, Buchweizen und Kräuteröl" - das alles breitet Nordin auf dem Rost zu. Beim indirekten Grillen landen dann "Gegrillte Pimientos de Padrón mit Crème fraîche und geriebenem Kombu", "Schwarz gerösteter Spitzkohl mit brauner Butter und Sauce bérnaise", "Knollensellerie mit gegrillten Pfifferlingen, Zichoriendukkah und Kräutercreme", "Rauchiger Ananas Sour" und "Schwarz gerösteter Knollenselleriedrink" auf dem Teller und im Glas.Danach landet das Gusseisen im Feuer und wir freuen uns über "Geröstete und geräucherte Kartoffeln mit in Bier karamellisierten Zwiebeln", "Tarte Tatin mit Honigkuchen und Walnüssen", "Birnen in Salzkruste mit Burrata und gegrilltem Palmkohl". Alle Rezepte werden sehr stimmungsvoll und ansprechend abgelichtet. Zu meiner Überraschung sind die Anleitungen für die doch recht komplexen Gerichte richtig kurz und die Zutatenlisten überschaubar. Dass das alles dann aber auch fix geht, glaube ich bei etlichen Rezepten allerdings nicht, weil man da hundert kleine Vorarbeiten leisten muss bis das Gericht so auf dem Tisch steht. Und was die Zutaten selbst betrifft - ich hab schon lange nicht mehr so oft gedacht, dass ich doch erstaunlich viel nicht kenne :DWährend wir bei den bisherigen Rezepten immer irgendwo über dem Feuer waren, geht es jetzt mitten hinein in die Glut: "Schwarz geröstete Karotten mit Liebstöckelbouillon", "Schwarz geröstete Aubergine mit geräucherten Tomaten, gegrillter Zitrone und gerösteten Pinienkernen", "Schwarz geröstete Rote Bete mit Feta und Dukkah" oder auch "Schwarz geröstete Süßkartoffeln mit in Sahne gekochten weißen Bohnen". Ich gebe zu, dass mich die Rezepte an sich mehr ansprechen als die Bilder. Irgendwie zündet bei mir der Funke nicht so richtig. Für mich sehen viele Gerichte entweder trocken oder recht fettig aus, leider so gar nicht mein Geschmack. Ersteres trifft leider auch auf die Pizzen aus dem Holzbackofen zu. "Pizza mit Spargel, Pimientos de Padrón, geröstetem Buchweizen und Dillöl", "Pizza mit Süßkartoffel, gelber Tomatensauce und Belper Knolle", "Pizza mit Feigen, Haselnüssen und schwarzem Knoblauchdressing", "Fladenbrot mit Karotten und Salbei" - ne, da bleibe ich doch lieber bei extra Käse und viel Knoblauch aus meiner Liebelingspizzeria. Besser gefallen mir da "Topinambursuppe mit geräuchterer Buttermilch" und "Esskastanien aus dem Holbackofen mit Spargel und geräucherter Sahne".Im vorletzten Kapitel geht es dann mit "Geräucherter Sahne", "Kalt gesäuerte Tomatensuppe", "Rauchige Zwiebelsuppe mit gratiniertem Weißschimmelkäse" sowie "Rauchige Bete-Pilz-Eintopf" rund bevor wir im letzten Teil dann noch die Grundrezepte erhalten. Hier finden wir dann die Anleitungen für "Gemüsebrühe", "Eingelegte rote Zwiebeln", "Helles Basiskimchi", Majo auf verschiedenen Basen, Dukkah-Variationen, "Geröstete Buchweizen-Kerne", "Harissa", "Geräucherte Tomaten", "In Whisky eingelegte Senfsamen" oder auch "Eingelegte Brutzwiebelchen".Für alle Vegetarier, die selbst am Grill stehen wollen und sich nicht mehr nur mit den Beilagen abgeben möchten, ist das Bucher toll. Für Gastgeber, die den Veggies unter ihren Gästen eine Alternative bieten wollen, könnte das allerdings ein bisschen too much sein. Bleibt also nur die logische Schlussfolgerung: Veggies, grillt selbst! An außergewöhnlichen Ideen und Geschmacksexplosionen sollte es dank Nordin jetzt ja nicht mehr mangeln. @lotteliebtlecker.wordpress.com