Eigentlich spricht auch im ambulanten Psychotherapie-setting vieles für eine Gruppentherapie:• Eine Gruppe bildet schon „an sich“ einen wirksamen Mikrokosmos, in der sich interaktionell in der Regel alles das wiederspiegelt, was auch „draußen im richtigen Leben“ wirksam ist.• Gegenseitige Empathie, aber auch zunehmende Ambiguitäts- und Frustrationstoleranz, können dazu verhelfen, die eigene Identität zu stärken und wichtige soziale Kompetenzen zu entwickeln.• Gruppentherapien schaffen Zugang für viele Patienten pro Therapeuten und Therapeutin• Seit 2017 ermöglicht die neue Psychotherapie-Richtlinie Erleichterungen und vereinfachte Kombinationsmöglichkeiten mit der Einzelpsychotherapie, was allerdings 2021 „überprüft“ werden soll• Gruppentherapien werden wird gut bezahlt – wenn sie verlässlich stattfinden könnenDennoch werden kaum Gruppentherapien ambulant angeboten. Die Autoren glauben, dass diese vor allem der – alten! - gruppenfeindliche Psychotherapie-Richtlinie geschuldet ist, die quasi alle derzeit Niedergelassenen geprägt habe. Der Rezensent befürchtet darüber hinaus, dass die meist ebenso ungeliebte wie für Gruppen ungeübte Antragstellung eine weitere Rolle spielen dürfte und möglicherweise auch der notwendige Platzbedarf.Also bedarf es mindestens einer Einstellungs- und Verhaltensänderungen bei den TherapeutInnen. Dazu wollen die Ausbilder und Ausgebildeten der Köln-Bonner Akademie für Psychotherapie den niedergelassenen psychodynamisch (!) arbeitenden Kollegen und Kolleginnen „Anregungen zur selbstbewussten Durchführung von Gruppentherapien in der ambulanten Kassenpraxis geben“ und „Mut machen“. Dazu bieten sie an, „als Lernen am Modell“ sich durch erfahrene Gruppentherapeuten anregen zu lassen, durch unterschiedlich akzentuierte, tiefenpsychologisch fundierte• Konzeptionsentwurfe,• Praxishandreichungen,• Leitfäden,• Beispiele aus der Praxis für die Praxis• hilfreiche Arbeitsmaterialien• und – wohl nicht zuletzt - genehmigte Anträge.Auf dieser Basis soll man - sich selbst - ein individuell passendes Konzept für eine Psychotherapie-Gruppe in der eigenen Praxis überlegen. Die AutorInnen liefern kein weiteres Lehrbuch zur Gruppenpsychotherapie oder ein psychodynamisches Manual, „was den Anschein erwecken konnte, es gäbe störungsspezifische oder altersspezifische ≫Rezepte≪, wie ≫man≪ Gruppen ≫macht≪ „Im Eingangskapitel wird ein Ansatz der Gruppenpsychotherapie vorgestellt, der auf die interaktionelle Methode nach dem Göttinger Modell und mögliche Varianten unter Einschluss allgemeiner Überlegungen zur Gruppendynamik und allgemeiner Wirkfaktoren abgezielt.Dem folgen sich in sich geschlossene Kapitel zu verschiedenen Alters- bzw. Personengruppe, um zu verdeutlichen, dass z. B. die interaktionelle Gruppentherapie auch eine Möglichkeit für ihren Einsatz im Kinder- und Jugendbereich darstellt. Diese sollen einen eigenen Anreiz schaffen, einzelne Interventionstechniken oder Methoden kennenzulernen oder in das eigene psychodynamisch ausgerichtete Arbeitsfeld zu integrierenDas abschließende Kapitel enthält ein Plädoyer für Kombinationsbehandlungen.Die Kapitel verbindet:• eine psychodynamische Grundperspektive,• eine Anerkennung und Wertschatzung jeder Gruppe als einer komplexen und gleichzeitig einzigartigen Matrix• und eine Bereitschaft, komplizierte Interaktionszusammenhange auf der Basis theoretischer psychodynamisch-integrativer Konzepte, um diese (therapeutisch reflektierten) Wahrnehmungen dann wiederum im Dienste der Patientengruppe auch praktisch und selbstbewusst zur Intervention zu nutzen. •Insgesamt finden sich viel Stoff und viele Tabellen, denen manchmal ein übersichtlicheres Format gutgetan hätten. Es gibt viele Appelle und nicht wenig an Voraussetzungen, was den Interessentenkreis doch sehr einengt. Umso mutiger darf man den Verlag nennen, der dennoch dieses Buch mit vielen Ausrufezeichen ermöglicht hat. Nötig ist es, denn schon vier Jahre nach Inkrafttreten der Psychotherapie-Richtlinie soll 2021 „überprüft“ werden, ob die Kombination von Gruppen und Einzeltherapie in der Praxis angenommen wurde und sich bewährt hat. Es bleibt als nur noch wenig Zeit, die neuen Chancen zu nutzen! - und hier teile ich das Ausrufezeichen der Autoren.
Im Vergleich zur suchttherapeutischen Behandlung, wo die Gruppentherapie als Standardbehandlung eingesetzt wird, findet das ambulante gruppenspezifische Setting zunehmend auch Gebiet in der ambulant psychotherapeutischen Versorgung.Der Aufbau unterscheidet im Bezug zu den Altersspannen (Kindern und Jugendlichen, mit Erwachsen, mit männlichen Adoleszenten, mit Müttern und am Ende in der Kombination mit der Einzeltherapie im tiefenfundierten Setting).Auf Grund meiner Profession lege ich den Schwerpunkt der Rezension hier auf dem Kapitel 2: Gruppentherapie mit Erwachsenen.Das Setting ist in insgesamt 76 Therapiesitzungen verteilt auf drei Jahre, aufgebaut, die prinzipiell als geschlossene Gruppe agiert. Die Gruppe ist dazu angehalten, „aus sich selbst heraus“ den Therapieprozess zu gestalten.Der Aufbau fokussiert nach dem Kennenlernen und der Herstellung eines „gemeinsamen Arbeitsbündnisses“ die Bewusstmachung eigener individueller Beziehungsmuster und biographischen Erfahrungen, die dann im weiteren Verlauf be – und verarbeitet werden sollen.Hier stellt das Gruppengeschehen stellvertretende Akteure vom Erfahrungslernen (Familie, Soziales Netzwerk o.ä.) dar, die unterschiedlichen methodischen Interventionen fordert.Es folgen Information zur Indikationsstellung, die sich aus dem psycho – sozialen Informationen, motivationalen Aspekten und vorhandenen Ressourcen ergeben.Das Buch skizziert dann einen Gruppenprozess, so dass ein Einblick in die psychodynamischen Themen der Gruppenmitglieder gewährleistet wird.Die Evaluation gruppentherapeutischer Prozess wird nach den Autoren nach den elf Faktoren von Yalom ausgewertet.Die Autoren verfolgen einen psychodynamischen Ansatz verfolgen, was ich sehr begrüße.Die mittlerweile vorhandene Möglichkeit der Kombination aus Einzel – und Gruppentherapie kann für viele Menschen eine gute Möglichkeit sein, neue Wege aus Ihrem Leidensweg heraus zu finden – und dies auch mit den Erfahrungswerten eine Gruppentherapie ausprobieren, um in dem „geschützten Rahmen“ weitere Erfahrungen machen zu können.Wie so häufig in psychologischer Literatur, werden leider keine sportlichen Interventionen explizit als Ergänzung im Verfahren und zur Förderung sozial – affektiver Komponenten benannt. Dies könnte parallel auch noch einen guten Wirkfaktor zur Steigerung der Lebensqualität darstellen.Auch die Möglichkeiten der ambulanten Psychotherapie / Gruppentherapie bei Abhängigkeitserkrankungen sind meines Wissens nach, derzeit nicht erlaubt, bzw. nur unter gewissen/ theoriefernen Anforderungen.In der Summe sicherlich ein gutes Buch, was aktuelle „neuere therapeutische“ Zugänge darstellt.
Dieses Buch ist um einiges besser als einige andere Lehrbücher zur Gruppenpsychotherapie, aber der ganz große Wurf ist es nicht. Man wird beim Lesen nicht begeistert, wie man es z.B. in grauer Vorzeit von Yaloms altem Gruppentherapie-Buch wurde.