Ein ganz tolles Buch!! Text wie Bilder phantstisch. Mythologie und Religion, Geschichte, Vor- und Frühgeschichte/Archäologie, Kunst und Natur (Geologie), das alles sind Themen, die der umfangreiche und großformatige, mit über 400, teilweise ganzseitigen Bildern ausgestattete Bild-Text-Band "Kailash—Guge, Tempel für Indiens Götter” (Weishaupt Verlag 2016; s. a. die englische Edition "Kailash—Guge, Tibetan Temples for the Gods of India”, Weishaupt Verlag 2018) von Martin Thöni zum Inhalt hat. Die beiden Kernpunkte des Buches aber sind der Heilige Berg Kailash und die Tempelkunst Guges.Im ersten, umfangreichen Kapitel des Buches wird auf die uralte Verehrung des Mount Kailash durch mehrere religiöse Gemeinschaften, nämlich von Bön-pos, Jainas, Hindus und Buddhisten, eingegangen. Die Jahrtausende alte Verankerung des Götterberges Kailasa im vedisch-hinduistischen Kulturkreis und dessen “Materialisierung” in Architektur und darstellender Kunst auf dem Indischen Subkontinent, insbesondere in Südindien, spielt hier eine besondere Rolle — ein deutlicher Unterschied dieses Bandes im Vergleich zu manch anderen Publikationen zum Thema.Der zweite, gewissermassen zentrale Hauptteil widmet sich der Geschichte und Erforschungsgeschichte, insbesondere aber der tantrischen, indo-tibetischen Kunst in den grossteils zu Ruinen verfallenen Tempeln der beiden Hauptstädte des untergegangenen Königreiches von Guge: Tholing und Tsaparang. Nach einem einführenden Unterkapitel, das den Spuren des italienischen Tibetologen Giuseppe Tucci von 1933 und 1935 durch das Sutlej-Tal folgt, beschreibt der Autor den heutigen Zustand der Kunstwerke in den Tempeln von Tsaparang und Tholing. Die sich über mehr als 130 Seiten erstreckende reiche Bebilderung dieses Abschnitts zeigt Photographien von drei Reisen des Autors (1990, 1998, 2015) durch Guge, und schliesst ausserdem zahlreiche, teilweise noch nie gezeigte Aufnahmen anderer Autoren von halb zerstörten Plastiken und wunderbaren Wandfresken in diesen Tempeln mit ein. Vor allem in diesen beiden Hauptkapiteln wurde die neue englische Ausgabe gegenüber der deutschen Ausgabe (von 2016) bezüglich Bildanzahl und Bilddarstellung deutlich geändert bzw. erweitert.Im abschliessenden Teil des Buches diskutiert der Autor, erneut den Kontext des ersten Kapitels zum Heiligen Berg und zur Wohnstatt der Devas (der vedisch-hinduistischen Götter) aufgreifend, mythologische und historische Fragen rund um den grösseren indo-tibetischen Kulturraum und seiner Bewohner, und skizziert schliesslich den geologischen Werdegang jener Gebiete, die zur Entstehung des höchsten Gebirges und Hochlandes der Erde, nämlich Tibets und des Himalaya, führten.Sowohl was die Dokumentation der gefährdeten, einzigartigen Kunstwerke in den Tempelruinen von Guge betrifft als auch die verschiedenen Aspekte zum Mount Kailash, ist dieser Band eine Besonderheit.